Wort zum Tage, 16.03.2020

von Peter Kottlorz, Stuttgart

Sorgen

„Ein Mensch lebt keine hundert Jahre, aber er macht sich Sorgen für tausend.“ Da hab ich mich ganz gut wiedergefunden in diesem Spruch. Denn was hab ich mir nicht schon Sorgen gemacht in meinem Leben und viele, ich will nicht sagen die meisten, viele davon waren unbegründet. Aber man weiß das halt vorher nicht und wer beherrscht schon die große Kunst, die unnötigen Sorgen von den berechtigten zu unterscheiden. Und worum kann man sich nicht alles Sorgen machen: Um die Gesundheit, die Kinder, den Mann, die Frau, den Besitz, das Geld, den Beruf, den Betrieb, das Klima, den Frieden und die Zukunft unseres Planeten. So viel um das man sich weiß Gott Sorgen machen kann.

Was also tun, um sich weder von den Sorgen erdrücken zu lassen noch zu viel Lebenszeit mit unnötigen Sorgen zu verschwenden? Sie nicht an sich rankommen lassen ist eine Möglichkeit. Eine besonders gute und wichtige im Bett. Es zu versuchen, die Sorgen mit den Kleidern abzulegen und ihnen zu sagen, ihr bleibt mal ganz schön draußen aus meinem Bett. Da drüben bei den Kleidern oder da unten bei den Hausschuhen. Das mag zwar gut sein für die Nacht, aber wenn sie dann am nächsten Morgen wieder versammelt vor dem Bett stehen dann kann das auch leicht zur Verdrängung werden, die auch nicht hilft. Denn echte Sorgen schaffen es überall hin und zu jeder Zeit. Darum ist reden eine gute Möglichkeit mit Sorgen umzugehen. Die Sorgen in einem Gespräch prüfen ob sie auch berechtigt sind oder nur eine unbestimmte Angst. Dieses Gespräch kann mit einem nahestehenden Menschen sein oder mit Gott im Gebet.

Der Theologe Helmut Gollwitzer hat es einmal sehr schön beschrieben, wie wohltuend ein Gebet bei Sorgen sein kann. Er hat es als die Tür aus dem Gefängnis unserer Sorge genannt. Aber wenn sich dann die Sorgen als berechtigt zeigen oder gar als Realität, dann gilt es sie anzupacken. Anzupacken wie eine Brennnessel die mehr brennt wenn sie einen nur streift, aber weniger wenn man sie feste anpackt. Dieses Anpacken hilft, weil man sich dann nicht mehr so ohnmächtig, so ausgeliefert fühlt.

Auch wohl deshalb hat das Wort Sorgen von seinem Ursprung her zwei Bedeutungen: zum einen bedeutet es quälender Gedanke und zum anderen, die Bemühung etwas gut oder besser zu machen. Das steckt zum Beispiel im Wort Fürsorge drin. Und wenn man dann irgendwann genug getan hat oder eben das was man tun kann, dann ist es wichtig loslassen zu können.

Es dem Schicksal, dem lieben Gott oder wem auch immer zu überlassen was nun kommt oder nicht kommt. Damit wir in diesem einen Leben nicht Sorgen für zehn haben.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 16.03.2020 gesendet.


Über den Autor Peter Kottlorz

Dr. Peter Kottlorz ist Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk. Seit vielen Jahren macht er Radiosendungen in den Programmen des SWR sowie Fernsehsendungen. Er ist Jahrgang 1957, verheiratet, hat 3 Kinder und 4 Enkelkinder und wohnt  in Rottenburg am Neckar.

Kontakt
pkottlorz@drs.de

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