Morgenandacht, 14.03.2020

von Wolfgang Drießen, Saarbrücken

Freunde

Ein Freund, ein guter Freund,
das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund,
und wenn die ganze Welt zusammenfällt.

Das haben Willy Fritsch, Heinz Rühmann und Oskar Karlweis 1930 in einem der ersten deutschen Tonfilme  „Die drei von der Tankstelle“ gesungen. Drei Freunde gehen durch dick und dünn. Dass dieser Film so erfolgreich wurde, hatte nicht nur mit den Liedern in dem Film zu tun. Die sang damals jeder nach. Es ging auch um die Tatsache, dass damals, in der Zeit der Wirtschaftskrise und Perspektivlosigkeit, die Menschen sich nach etwas sehnten, das verlässlich und aufbauend war. Und was ist tröstlicher als Freundschaften, die auch in schweren Zeiten Halt bieten können?

Auch die Bibel weiß, wie wichtig Freundschaften sind, das beweisen die Sätze aus dem Buch Jesus Sirach.

„Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf. Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund, ihn findet, wer Gott fürchtet. Wer den Herrn fürchtet, hält rechte Freundschaft, wie er selbst, so ist auch sein Freund.“ (Sir 6,14-17)

Wie entstehen eigentlich Freundschaften? Mir ist aufgefallen, dass bei mir zumindest einige rein zufällig entstanden sind. Sie sind wie von selber gewachsen – oder aus vielen kleinen und kleinsten Erlebnissen. Ich habe jetzt auch schon die 60 überschritten und stelle fest, dass ich Freundinnen und Freunde gefunden habe, die ich gar nicht bewusst angestrebt habe. Da sind Freundschaften im Laufe von Jahrzehnten ganz langsam gewachsen.

Und ich merke: erst wenn man miteinander lange unterwegs war, dann kann man wirklich sagen, man wäre eines anderen Menschen Freund geworden. Man kennt sein Gegenüber. Man weiß, wo es dem anderen wehtut – und man braucht kaum noch Worte, um einander zu verstehen. Manche Freundschaft aus der Kinder- und Jugendzeit ist verflogen, und trotzdem kann es geschehen, dass, wenn man sich nach Jahrzehnten wieder trifft, scheinbar alles so geblieben ist, wie es war. Die alte Vertrautheit vergeht nicht.

Doch es geht schnell, dass so eine Freundschaft zerbricht. Da wird Vertrauen missbraucht, es gibt alltäglichen Ärger – oder man lässt sich einfach nicht mehr die Zeit, die man gemeinsam braucht. Da werden Rituale mit der Zeit zur lästigen Pflicht. Dabei ist ein Leben ohne wirkliche Freundschaften so gut wie unmöglich. Auf jeden Fall besteht die Gefahr, dass solche Menschen - gelinde gesagt - dazu neigen, sehr seltsam zu werden.

Für den religiösen Menschen gibt es da noch die Freundschaft mit Gott. „Ihr Freunde Gottes allzugleich“, so beginnt ein Kirchenlied und meint damit die Heiligen, die vor Gottes Thron stehen. Und der Evangelist Johannes lässt Jesus sagen: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“ (Joh 15,14)  Und: „Es gibt keine größere Liebe als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)

Als Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft die Freiheit wieder erlangte antwortete er auf die Frage, wie er das durchgehalten habe, so:

„Ich hatte ein Ziel. Ich hatte gute Freunde, die auf mich warteten. Und ich hatte meinen Glauben. Ohne Freunde und meine christliche Überzeugung hätte ich es nicht geschafft.“ 

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 14.03.2020 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche