Morgenandacht, 09.03.2020

von Wolfgang Drießen, Saarbrücken

Segnen

„Mit gefällt es, mir vorzustellen, dass ein anderer Name, den wir Christen haben können, der folgende ist: Das sind Männer und Frauen, das ist ein Volk, das segnet! Ein Christ muss mit seinem Leben immer segnen, Gott und uns alle segnen. Wir Christen sind ein Volk, das segnet, das zu segnen versteht. Das ist eine schöne Berufung!“

Diese Sätze hat Papst Franziskus mal bei einer Generalaudienz gesprochen. Mir gefällt dieser Vergleich. Denn ich kann damit sehr einfach und klar einem anderen Menschen erklären, was das ist: ein Christ. Das ist ein Mensch, der darauf vertraut, dass er von Gott gesegnet ist. Und darüber hinaus: Das ist ein Mensch, der auch für andere zum Segen wird. Denn ein Segen hat auch etwas Aktives. Ich selbst soll zum Segen werden für andere.

Deshalb finde ich es passend, am frühen Morgen eines Tages über das Segnen zu sprechen. Jedes „Guten Morgen“, das ich jemandem heute sage, ist ja schon so etwas wie ein kleiner Segen. Denn es ist ja der hoffentlich ehrlich gemeinte Wunsch, dass dieser Morgen, dieser Tag, ein guter Tag wird. Und wenn ich kann, möchte ich gerne dazu beitragen. Das ist -zugegeben- ein recht profaner Segen, aber das muss ja deshalb nichts Schlechtes sein.

Interessant ist es vielleicht zu wissen, dass das deutsche Wort „Segen“ einen zutiefst  christlichen Ursprung hat. Es ist aus dem Lateinischen „signum crucis“ also  „Kreuzzeichen“  entstanden. Aus  „signum“ wurde „Segen“. Und wer einem anderen  „Hals- und Beinbruch“ wünscht, der will ihm auch nichts Schlechtes. Auch hier hat das  „Bruch“ eine andere Bedeutung. Es kommt aus dem hebräischen „baruch“ und auch das bedeutet „segnen“. 

Sich gegenseitig segnen, sich einen guten Anfang, einen guten Start wünschen, das ist eine der ursprünglichsten Handlungen der Menschen. Wenn ich mich einsetze für benachteiligte Menschen, für kranke und behinderte, für hungernde und verfolgte, für alte und sterbende Menschen, dann werde ich zum Segen für andere. Das lateinische Wort für „segnen“ – „benedicere“ heißt wörtlich übersetzt „gut über etwas reden“ oder „gut sagen“.

Segnen heißt also schlicht und einfach: „Alles wird gut“. Der gläubige Mensch mag hinzufügen: „Mit Gottes Hilfe“. Aber jeder weiß, dass dies allein in der Regel nicht genügt. Da muss ich schon selbst herzhaft Hilfestellung leisten. Ganz konkret im Alltag und tief verankert im Selbstverständnis christlicher Gemeinde und Gesellschaft. Wenn sich Christen nur hinter ihren Ansichten verschanzen, nur für sich selbst Kirche sein wollen und um sich kreisen, werden sie nicht gesegnet und können andere auch wenig segnen. Glaube ist immer wieder Aufbruch, hin zum anderen Menschen, so wie jeder das jeden Morgen immer wieder tut. Manchmal mit einem Lachen und mit Vorfreude, manchmal mit Ach und Weh, mit Widerwillen und Angst. Deshalb, damit Sie und Ich heute zum Segen werden für die Menschen, denen wir begegnen, möchte ich Ihnen einen der schönsten und ältesten Segenstexte mitgeben, den die Bibel zu bieten hat. Da heißt es:

„Der Herr sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen." (Num 6,22-27)

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 09.03.2020 gesendet.


Über den Autor Wolfgang Drießen

Wolfgang Drießen ist Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Trier. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er beim SWF in Baden-Baden sowie im „Theologenkurs" (1984) im Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München. Seit 1986 arbeitet Drießen in der Rundfunkarbeit des Bistums Trier in Saarbrücken, seit 1997 ist er der Rundfunkbeauftragte beim SR. In seinen Sendungen versucht er, Mut zum Leben zu geben und Gott als den zu suchen, in dessen Hand man sich fallen lassen kann, wenn es nötig ist.

Kontakt
(0681) 9068 241
rundfunkarbeit.sr@bistum-trier.de
  

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