Wort zum Tage, 07.03.2020

von Guido Erbrich, Magdeburg

Mit Kindern über den Tod reden

„Ich freu mich schon, wenn ich als Gans auf die Welt komme.“ Unsere jüngste Tochter sitzt mit uns vor dem Fernseher und sieht auf dem Kinderkanal eine Sendung über Sterben, Tod und die Hoffnung auf das, was danach kommen könnte. Tobi, der Moderator befragt einen 50jährigen Mann im Hospiz über seine Ängste und seinen Glauben trotz seines Krebses. Und der antwortet lächelnd, dass er hofft, nach seinem Tod komme noch was. Vielleicht käme er ja als Pflanze oder Tier wieder.

Und schwupps, da war sie, die spontane Reaktion der siebenjährigen. Als Gans wieder auf die Welt zu kommen, wäre doch nicht schlecht. Wir lachen gemeinsam über ein schwieriges Thema.

Nun hat sie im vergangenen Jahr den Tod bei ihrem alten Opa und einem jungen Onkel mitbekommen. Natürlich war sie mit bei den Beerdigungsfeiern und Begräbnissen. Bei beiden war zu merken, dass hier Traurigkeit genauso ihren Platz hat, wie die frohe Erinnerung an vieles gemeinsam erlebte. Und der Glaube, dass der Tod der Anfang einer neuen Geschichte ist. Während wir Erwachsene letzteres nur hoffen können, ist das für Kinder eine ziemlich sichere Sache. Und es ist wichtig, wie wir diesen Übergang gestalten, der uns allen blüht.

Die ausgesprochen gute Sendung des Kinderkanals blendete die Frage nach Tod und Sterben nicht aus. In ihr wurden auch Kinder zum Tod befragt. Ihre Antworten waren allesamt sehr zuversichtlich. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Erwachsene sich trauen über dieses schwere Thema auch mit Kindern zu reden.

Das Hospiz, in dem das Fernsehteam Mitarbeiter und Bewohner befragte, wurde als Ort des Lebens in den letzten Wochen und Monaten vorgestellt. Natürlich darf dort auch gelacht und gefeiert werden. Auch das dort noch Neues entsteht, gehört dazu. Genauso wie das Sterben. Den Tod nicht zu verdrängen und trotzdem noch das Leben, soweit es geht zu gestalten, hilft diesen letzten Übergang besser zu bestehen. 

Die Hoffnung stirbt zum Schluss oder, wie Christen hoffen, überhaupt nicht. Denn sie haben eine Hoffnung, die größer ist als der Tod. Diese feiern sie immer wieder und hoffen, dass der Glaube größer ist als die Ängste und zum Schluss Recht behält. Und dieser Glaube darf ansteckend sein. Für den eigenen Lebensweg, der sicher mit dem Tod endet, bleibt die offene Frage, ob da noch was kommt. Oder ob der Tod nicht tatsächlich das Tor in ein neues, ein anderes Leben ist.

Eine letztgültige Antwort auf diese Frage gibt es in diesem Leben nicht. Hoffnung und Glauben, dagegen schon. Eine Auferstehung nach dem Tod als neuer Mensch wäre schon schön.

Zur Gans kam von einer der Schwestern ein frecher Kommentar: „Willst Du als Martinsgans oder als Weihnachtsgans wieder auf die Welt kommen?“ Die Beantwortung dieser Frage steht noch aus.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 07.03.2020 gesendet.


Über den Autor Guido Erbrich

Guido Erbrich, geboren 1964, ist Vater von vier Töchtern. Er lernte den Beruf des Tontechnikers bei Radio DDR und arbeitete bis 1987 beim Sender Leipzig. Danach schloss er ein kirchliches Abitur in Magdeburg ab. Sein Studium der Theologie führte ihn nach Erfurt, Prag und New Orleans. Im Bistum Dresden-Meißen war Erbrich bis 2002 Referent in der Jugendseelsorge. Danach wechselte er als Studienleiter und Referent ins Bischof-Benno-Haus nach Schmochtitz. Bis 2010 leitete Erbrich die Katholische Erwachsenenbildung Sachsen. Seit 2010 ist er Leiter der Heimvolkshochschule Roncalli-Haus Magdeburg.

Kontakt
Guido.Erbrich@roncallihaus.de

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