Wort zum Tage, 04.03.2020

von Guido Erbrich, Magdeburg

Fastenzeit

Seit Aschermittwoch läuft die 40-tägige Fastenzeit. Tatsächlich 40 Tage? Nein. Wer die Tage zwischen Aschermittwoch bis Ostern zählt, wird merken, es sind nicht 40, sondern 46 Tage. Das ist natürlich richtig gezählt und trotzdem stimmt die 40. Das kommt daher, dass die Sonntage keine Fasttage sind. Schließlich ist für Christen jeder Sonntag ein kleines Osterfest. Und so werden sie einfach nicht mitgezählt.

Die Fastenzeit erinnert an zwei Zeiten: Einmal an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste gefastet hat. In diesen Tagen hat er sich auf sein öffentliches Wirken vorbereitet. Und sie erinnern an die 40 Jahre, in denen Mose das Volk Israel nach der Befreiung aus Ägypten durch die Wüste ins Gelobte Land geführt hat.

Fasten ist dabei keineswegs eine traurige Angelegenheit, die sich ein grimmiger Gott ausgedacht hat, um seine Geschöpfe zu quälen. Ganz im Gegenteil: 

Fasten befreit!

Beim Fasten geht es keineswegs darum, mit trauriger Miene Gott zu zeigen, auf was ich so alles verzichten kann. Davon haben weder Gott noch ich etwas. Beim Fasten geht es darum herauszubekommen, ob die Dinge mich oder ob ich die Dinge im Griff habe. Wenn ich sie im Griff habe, bin ich wirklich frei, sie zu nehmen oder eben auch nicht. Haben sie mich im Griff, werde ich unausstehlich, wenn ich nicht bekomme, was ich will. Das kann jeder testen, indem er in der Fastenzeit einfach bewusst auf einige gewohnte Dinge verzichtet.

Manche versuchen das mit Süßigkeiten und Alkohol, manche mit Fleisch oder Fernsehen. Durch Verzichten kann ich mich von Abhängigkeiten frei machen. Fasten ist kein Hochleistungssport für Überlebenskämpfer. Wer verzichtet, gewinnt Freiheit und bekommt heraus, wozu er in der Lage ist. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Dinge, auf die man eine Weile verzichtet hat, danach oft viel besser schmecken.

Manche sagen zur Fastenzeit auch österliche Bußzeit.  Buße – es liegt ein ziemlich finsterer Klang in diesem Wort. Dabei meint es eigentlich etwas Schönes. Jeder Mensch macht Sachen falsch, und ihm tun Dinge leid, die er getan oder gesagt hat. Die österliche Bußzeit lädt ein, zur Ruhe zu kommen und sich zu überlegen: Wo kann ich mich ändern, wo kann ich ein wenig besser werden, als ich bin?

Und wenn ich wirklich etwas Falsches getan habe, das mir leid tut, kann ich, auch wenn es schwer fällt, mich entschuldigen und hoffen, dass mir vergeben wird. Dabei ist es gut, darüber mit jemandem zu sprechen, der mich versteht und annimmt. Die meisten Menschen kommen erleichtert und vielleicht sogar „beschwingt wie ein Engel“ aus einem solchen Gespräch heraus. Büßen kennt ein „happy end“. Und auch das gehört zur Fastenzeit dazu.  

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 04.03.2020 gesendet.


Über den Autor Guido Erbrich

Guido Erbrich, geboren 1964, ist Vater von vier Töchtern. Er lernte den Beruf des Tontechnikers bei Radio DDR und arbeitete bis 1987 beim Sender Leipzig. Danach schloss er ein kirchliches Abitur in Magdeburg ab. Sein Studium der Theologie führte ihn nach Erfurt, Prag und New Orleans. Im Bistum Dresden-Meißen war Erbrich bis 2002 Referent in der Jugendseelsorge. Danach wechselte er als Studienleiter und Referent ins Bischof-Benno-Haus nach Schmochtitz. Bis 2010 leitete Erbrich die Katholische Erwachsenenbildung Sachsen. Seit 2010 ist er Leiter der Heimvolkshochschule Roncalli-Haus Magdeburg.

Kontakt
Guido.Erbrich@roncallihaus.de

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