Morgenandacht, 14.02.2020

von Thomas Macherauch, Freiburg

Beziehungs-weise

Im Januar war ich auf einer Hochzeitsmesse. Die Kirchen waren dort mit einem Stand vertreten und sind auf Paare zugegangen. Wir hatten so kleine Post-its in Herzform dabei. Darauf stand: „Ich liebe dich, weil …“. Ich habe den Paaren immer dieselbe Frage gestellt: „Haben Sie Ihrem Partner heute schon gesagt, was Sie an ihm lieben? Tun Sie es doch mal und schreiben Sie es hier drauf.“

Viele Paare haben kurz nachdenken müssen: Dass sie den anderen lieben, hatten sie ihm an dem Tag schon gesagt. Nicht aber warum. Sie haben dann aber doch etwas auf die Post-its geschrieben und sie auf ein großes Herz geklebt: unsere „Collage der Liebe“.

Wer heiratet, organisiert viel. Manchmal kommt dabei die Beziehung etwas kurz. Ich bekomme das oft bei Seminaren mit, die ich für Paare anbiete. Lange nicht alle reden darüber, wie sie sich ihre Partnerschaft vorstellen und was für sie wichtig ist, um in der Beziehung glücklich zu sein. Genau deshalb schicke ich die Paare bei solchen Seminaren gerne spazieren. Sie sollen sich unterwegs überlegen, von welchen anderen Paaren sie geprägt wurden. Positiv wie negativ. Adam und Eva. Bonny und Clyde. Tante Helga und Onkel Harry. Freunde, Kollegen oder Filmstars. Wichtig ist mir, dass die Paare für sich erkennen, was sie an den anderen fasziniert oder abstößt. Denn wenn sie das wissen, können sie daraus etwas für ihre eigene Beziehung lernen.

Mich selber begleitet schon lange ein Pärchen aus der griechischen Mythologie: Philemon und Baucis. Die beiden sind arm, aber das stört sie nicht, denn sie haben sich. Eines Tages kommen Fremde vorbei und das Paar tischt ihnen auf, was es zu bieten hat. Die Gäste revanchieren sich. Sie geben sich als Götter zu erkennen und erfüllen dem Paar einen Wunsch. Die beiden möchten zusammen alt werden und dann gemeinsam sterben, damit keiner den anderen vermisst. Und so kommt es: Als es soweit ist, lächeln sie sich ein letztes Mal zu. Dann verwandeln sie sich in Bäume.

Mich hat diese Geschichte schon immer berührt. Die beiden lieben sich und sind so glücklich miteinander, dass es ausstrahlt: Ihr Haus steht offen für andere; Fremde sind willkommen und die beiden kümmern sich um sie.

Ich habe mal ein älteres Ehepaar gekannt, das für mich wie Philemon und Baucis war. Die Zwei sind aus ihrer Heimat vertrieben worden, aber sie haben sich nie beklagt. Auch sonst nicht. Sie sind auffallend liebevoll und respektvoll miteinander umgegangen. Ein böses Wort habe ich nie gehört. Und ich glaube, sie waren bis ins hohe Alter verliebt – jedenfalls waren sie unheimlich zärtlich zueinander.

Vieles von dem will ich gerne in meiner eigenen Partnerschaft umsetzen. Ich glaube es ist wichtig, dass man achtsam ist für den anderen, ihn immer wieder fragt, wie es ihm geht und was ihn beschäftigt. Die Liebe bleibt frisch, wenn ich meine Partnerin immer wieder mal in den Arm nehme, sie halte und küsse – auch noch im Alter; so wie jenes Paar. Man darf auch streiten. Es kommt nur darauf an, wie man es tut: mit Respekt. Und wenn Worte nicht ausreichen, um wieder aufeinander zuzugehen, helfen Rituale: Freunde von mir zünden dann ihre Hochzeitskerze an. So weiß der eine, dass der andere bereit ist, zu reden und sich zu versöhnen. Und ich denke, es ist auch wichtig, sich als Paar immer wieder Zeit füreinander zu nehmen. Gerade wenn Kinder da sind, und die Zeit zu Zweit knapp ist. Den Paaren, die bei mir im Seminar sind, rate ich, sich sogar am Tag der Hochzeit immer wieder mal kurz zu treffen. So bleiben sie in Kontakt und können sich sagen, was sie gerade freut oder aufregt. Das verbindet sie.

Heute ist Valentinstag. Vielleicht schenken Sie jemandem Rosen oder Pralinen und zeigen ihm damit, dass Sie ihn lieben und schätzen. Vielleicht gehen Sie aber auch mal einen Schritt weiter und sagen ihm oder ihr, warum Sie das tun. Das kann ihr Partner sein, gleich nachher, beim Frühstück. Oder Sie sagen heute ganz bewusst einem etwas Nettes, mit dem Sie zusammenarbeiten: warum nicht mit einem Post-it auf der Kaffeetasse? Und falls Sie bald heiraten, dann wünsche ich Ihnen alles Gute. Ich hoffe, Sie finden in der aufregenden Vorbereitung auch Zeit für sich – als Paar.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 14.02.2020 gesendet.


Über den Autor Thomas Macherauch

Als gebürtiger Karlsruher, geboren 1977, ist Thomas Macherauch nach seinem Studium der Katholischen Theologie in Freiburg Pastoralreferent in der Erzdiözese Freiburg geworden. Nach seiner journalistischen Medienausbildung am ifp München betreute er die Öffentlichkeitsarbeit seines Dekanats und war Pastoralreferent in der katholischen Seelsorgeeinheit Mühlhausen. Seit Februar 2015 ist Thomas Macherauch Dekanatsreferent im Katholischen Dekanat Bruchsal. Kontakt:         referent@kath-dekanat-bruchsal.de
Information:  www.kath-dekanat-bruchsal.de

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