Morgenandacht, 11.02.2020

von Thomas Macherauch, Freiburg

Entdecke den Pinguin in dir

Pinguine sind eine Fehlkonstruktion. Jedenfalls glaubt das der Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen. Als er einmal einen Pinguin auf einem Felsen beobachtet, denkt er sich: „Was für ein armes Würstchen. Der hat zu kleine Flügel, einen kleinen Bauch und dafür keine Knie. Was hat sich der Schöpfer bei dem gedacht?“[1] Dann aber sieht Hirschhausen den Pinguin schwimmen: Er fliegt geradezu durchs Wasser, wendig und energieeffizienter als alles, was Menschen bisher erfunden haben.

Hirschhausen lernt daraus zwei Dinge: Zum einen, dass er Leute oft zu schnell beurteilt. Zum anderen, dass jeder seine Stärken hat, die ihn in der richtigen Umgebung einzigartig machen. Er sagt, es sei fatal, sich mit anderen zu vergleichen und ihnen nachzueifern. Schließlich gäbe es schon genug „andere“. Jeder sollte vielmehr seine eigenen Stärken kennen und dafür sorgen, dass er in seinem Element ist.

Das kann ich unterschreiben. Aber ich finde auch, es ist leichter gesagt als getan! Denn was sind meine Stärken? Mir fällt es oft schwer, die zu benennen.

Ich bin auf einen Fragebogen gestoßen, der dabei helfen soll, die eigenen Stärken zu entdecken.[2] Da geht es zum Beispiel darum, was ich gerne mache. Ich habe gleich daran gedacht, wie gerne ich fotografiere und was ich schon alles fotografiert habe; Hochzeiten zum Beispiel. Damit beantworte ich auch den Punkt auf dem Fragebogen, was mich Zeit und Raum vergessen lässt. Wenn ich Fotos bearbeite, Collagen oder Grußkarten gestalte, dann bin ich ganz bei mir. Die Zeit verfliegt dann nur so.

Besonders interessant finde ich die Frage, was mich an anderen stört. Das hat sich mir nämlich erst auf den zweiten Blick erschlossen: Was mich stört, verrät mir, was mir wichtig ist und auch zu meinen Stärken gehört. Ich war zum Beispiel neulich ziemlich genervt. Da hat meine Tochter das Sportabzeichen bekommen. Ich saß im Publikum und habe nichts verstanden! Die Lautsprecher haben nicht richtig funktioniert, die Veranstalter waren schlecht vorbereitet und hatten sich offenbar zu wenig abgesprochen. Das heißt umgekehrt: sauber zu arbeiten, Dinge akribisch vorzubereiten und gut zu organisieren, sollten wohl meine Stärken sein. Und ich glaube, das stimmt. Wenn ich mir die nächste Frage hernehme und schaue, worin ich bisher Erfolg hatte oder warum mir etwas gelungen ist, bestätigt sich das: ich habe Prüfungen bestanden, weil ich gut vorbereitet war. Ich habe Menschen ein gutes Wort mitgeben können, weil ich ihnen aufmerksam zugehört habe und so auf das reagieren konnte, was sie mir erzählt haben.

Der Fragebogen geht noch weiter. Er fragt nach Schulfächern, die ich gerne hatte, nach dem, was mir leichter fällt als anderen, oder wofür ich schon gelobt wurde. Wenn ich mich diesen Fragen stelle, habe ich am Ende einige Stärken zusammen, die mich auszeichnen. Die kann ich dann sortieren und lerne so die Elemente kennen, in denen ich mich besonders wohlfühle.

Eckart von Hirschhausen hat entdeckt, dass er kreativ ist und Leute zum Lachen bringen kann, dass er gerne formuliert und mit Sprache spielt. Dinge, so sagt er, die als Arzt ungünstig sind, wenn man Arztbriefe oder Rezepte schreibt. Er hat deshalb den Beruf gewechselt und ist auf die Bühne gegangen. Er glaubt, als Komiker mehr von dem geben zu können, was er ist, weiß und kann.

Ich finde das beeindruckend. Nicht nur, dass er den Beruf gewechselt hat. Vor allem den Grund, den er nennt: die anderen. Hirschhausen sagt, er könne Leuten jetzt besser helfen als früher und sich selber und anderen mehr Spaß bereiten. Für mich ist das ein wichtiges Kriterium, wenn ich meine eigenen Stärken sortiere: ich denke, eine Stärke ist noch wertvoller, wenn sie nicht nur mir, sondern auch anderen nützt.

Nicht jeder, der seine Stärken erforscht, muss gleich den Beruf wechseln. Wer sie aber kennt, kann dafür sorgen, dass er in seinem Element ist. Das macht nämlich Spaß und tut einfach gut!
Also dann, sagt Hirschhausen: Mach es wie der Pinguin auf dem Felsen. Such dein Wasser. Geh in kleinen Schritten darauf zu und spring. Spring und schwimm.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


[1] Vgl. Eckart von Hirschhausen: Mach es wie der Pinguin! Finde dein Element Eckart von Hirschhausen (Glück kommt selten ein). Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tOxywMaE8GY.

[2] Vgl. Katharina Tempel. Zehn Fragen, um deine Stärken zu entdecken. Quelle: https://goo.gl/PnXVc6.


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Dieser Beitrag wurde am 11.02.2020 gesendet.


Über den Autor Thomas Macherauch

Als gebürtiger Karlsruher, geboren 1977, ist Thomas Macherauch nach seinem Studium der Katholischen Theologie in Freiburg Pastoralreferent in der Erzdiözese Freiburg geworden. Nach seiner journalistischen Medienausbildung am ifp München betreute er die Öffentlichkeitsarbeit seines Dekanats und war Pastoralreferent in der katholischen Seelsorgeeinheit Mühlhausen. Seit Februar 2015 ist Thomas Macherauch Dekanatsreferent im Katholischen Dekanat Bruchsal. Kontakt:         referent@kath-dekanat-bruchsal.de
Information:  www.kath-dekanat-bruchsal.de

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