Wort zum Tage, 08.02.2020

von Dietmar Kretz, Würzburg

Letzte Worte

Letzte Worte haben eine besondere Bedeutung und werden gerade bei berühmten Persönlichkeiten gerne weitergegeben. Tragisch ruft Cäsar, nachdem ihn die tödlichen Messerstiche trafen: „Auch Du mein Sohn Brutus.“ Goethes letzte Worte lösen Erstaunen aus, so soll er kurz vor seinem Tod gesagt haben: „Mehr Licht!“ Oder letzte Worte fassen ein ganzes Leben und Sterben zusammen, wenn Hans Scholl vor seiner Hinrichtung ruft: „Es lebe die Freiheit.“

Doch auch im persönlichen Bereich der Familie oder Freunde hält man diese letzten Worte in besonderer Erinnerung. Sie können nachdenklich, traurig oder tröstend wirken. Sie haben eine besondere Bedeutung und können eine Art Vermächtnis sein.

Letzte Worte haben eine besondere Wirkung - nicht nur dann, wenn sie mit dem Leben besiegelt werden: Es können auch Sätze sein, die beim Abschied fallen, wenn man sich noch einmal umdreht und etwas zuruft. Bei einer Rede haben nicht nur die ersten Gedanken, sondern vor allem der Schlusssatz ein besonderes Gewicht.

Der heutige Tag bringt wieder ganz unterschiedliche Begegnungen, Erlebnisse und Eindrücke mit sich. So manches wird am Ende dieses Tages vielleicht wieder hochkommen und ich denke daran. Diese letzten Gedanken sind etwas sehr Persönliches und wir können sie mit Gott teilen, der dafür ein offenes Ohr hat. Die Tradition nennt das schlicht und einfach Abendgebet, wenn ich das Gott hinhalte, ja in seine Hände lege, was mir an dem Tag wichtig war: Gelungenes und mein Versagen, das Schöne oder Dinge, die mich traurig machen oder Sorge bereiten.

Das kirchliche Abendgebet, die Komplet, lebt von dem Vergleich zwischen dem Ende des Tages mit dem Ende des Lebens. So beginnt ein dazu gehörendes Gebet, das aus der Bibel stammt: „Nun lässt Du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“

In dem Gebet liegen keine Angst, keine Sorge und kein Drohen. Es ist vielmehr geprägt von einem tiefen Vertrauen in das Leben. Denn es heißt weiter: „Meine Augen haben das Heil gesehen.“ Das wünsche ich ihnen für den heutigen Tag: dass sie viele kleine und große Zeichen dieses Heiles heute entdecken: in Gesprächen, beim Einkaufen, auf der Arbeit oder beim Spazieren gehen. Und am Ende dieses Tages wünsche ich Ihnen, dass sie mit letzten Worten von Immanuel Kant dann sagen können: „Es ist gut.“

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 08.02.2020 gesendet.


Über den Autor Dr. Dietmar Kretz

Dr. Dietmar Kretz, Jahrgang 1971, ist Studienleiter an der Domschule in Würzburg mit den Schwerpunkten Glauben und Kirche. Zuvor hat er Theologie und Mathematik studiert. Nach der theologischen Promotion war er in der  Gemeindepastoral tätig bis er in die Erwachsenenbildung gewechselt ist.

Kontakt: Am Bruderhof 1, 97070 Würzburg dietmar.kretz@domschule-wuerzburg.de

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