Sechster Sonntag im Jahreskreis

 

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Josef, Herrenberg

Pfr. Ziegler: Kein einfaches Sonntagsevangelium, über das wir da miteinander ins Gespräch kommen wollen, liebe Sabine. Ziemlich harte Worte aus dem Mund Jesu. Nicht zornig werden, niemanden begehrlich anschauen, keinen Eid schwören. Das schafft doch niemand.

Sabine Riske (Gemeindereferentin): Das stimmt, lieber Markus! Es kommt mir so vor, als ob Jesus mehr fordert, als ich leisten kann. Wie schnell kommen mir böse Gedanken, wenn ich wütend bin oder mich ungerecht behandelt fühle.

Pfr. Ziegler: „Gib auf deine Gedanken acht“, meint Jesus also, „sie können sich verselbständigen, können Macht über dich gewinnen und dich zu Taten führen, die du nicht wirklich willst.“ Und trotzdem scheinen mir die Worte Jesu übertrieben. Wenn mich jemand geärgert oder hintergangen hat und ich denke mir „Dem könnte ich Gift geben“, dann mache ich das noch lange nicht. Oder wenn ich die Wahrheit beteuern will und sage „Das schwöre ich“, oder „Darauf gebe ich mein Ehrenwort“, dann will ich doch nur die Glaubwürdigkeit meiner Aussage unterstreichen.

Sabine Riske: Ok, ich verstehe, dass die Aussagen Jesu radikal sind. Ich bekomme den Eindruck, dass er übertreibt. Allerdings stellt Jesus so hohe Anforderungen nicht an uns, um uns zu ärgern oder zu überfordern, sondern er möchte uns zu einem besseren Leben verhelfen. Wenn wir uns daran orientieren, dann lebt es sich doch leichter!

Pfr. Ziegler: Ich muss Jesus mit seinen Forderungen nicht wörtlich, aber ernst nehmen. Der wichtigste Satz steht für mich am Anfang unseres Evangeliums: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Es geht Jesus um die größere Gerechtigkeit – Die erreicht man nicht, indem man irgendwelche Gebote und Gesetze buchstabengetreu befolgt. Nein, dazu muss ich meinem Mitmenschen gegenüber eine andere, neue Haltung einnehmen: Ich begegne ihm mit Respekt; höre zu, was er mir sagt; nehme ihn ernst mit seinen Anliegen und Nöten. Das heißt für mich: aus Liebe handeln.

Sabine Riske: Und hier schaue ich auf den Ursprung aller Liebe, auf Gott. „Gott ist die Liebe“, lautet für mich einer der schönsten Sätze in der Bibel. Gottes Liebe ist unendlich groß und weit. Unsere Aufgabe als Menschen kann immer nur darin bestehen, eine kleine Antwort der Liebe zu geben. Jesus kennt eigentlich nur ein Gebot, das Gebot der Liebe. Das ist der Maßstab, nach dem alles beurteilt und bemessen wird. Im Gebot der Liebe geht es darum, Leben zu ermöglichen, d.h. wenn ich einen Menschen liebe, stehe ich ihm bei, egal was passiert. 

Pfr. Ziegler: „Liebe und tu was du willst“ hat der heilige Augustinus diesen Maßstab treffend ausgedrückt. Wenn die Liebe wirklich zum Maßstab wird, dann zeigt sich die Nächstenliebe eben nicht erst darin, niemanden zu hassen, sondern ihm von Herzen, mit Wohlwollen und Güte zu begegnen; auch dann, wenn er mich vielleicht nervt oder mir unsympathisch ist.

Sabine Riske: Genau! Und die Liebe zum Ehepartner erweist sich nicht nur darin, dass ich keinen Ehebruch begehe, sondern wie ich mit ihm oder ihr im Alltag umgehe. Ich zeige ihm meine Zuneigung durch kleine Gesten und Worte und lasse meine schlechte Laune nicht am anderen aus. Ich bin bereit, einen Streit beizulegen und verzichte darauf, immer das letzte Wort zu haben.

Pfr. Ziegler: Und die Liebe zur Wahrheit drückt sich nicht dadurch aus, dass ich ständig mein Ehrenwort geben oder die Hand zum Schwur erheben muss. Wer die Wahrheit wirklich liebt, wird versuchen, in seinem Innersten wahrhaftig zu sein – und die Wahrheit auch dann aussprechen, wenn das Nachteile bringt. 

Sabine Riske: Jesus geht es also nicht darum, noch mehr und noch strengere Vorschriften aufzustellen. Er will, dass man die Gebote richtig versteht und sie dann auf sein Leben anwendet. Er dringt mit seinen Forderungen bis zum Kern. Es gibt kein Gebot, das mir vorschreibt, wie ich einen Menschen zu lieben habe. Bis in unser Herz wollen die Worte Jesu zielen, und er selber lebt sie uns mit seiner Liebe vor.

Pfr. Ziegler: Und es bleibt unsere Aufgabe, ihn zum Vorbild zu nehmen und sein Liebesgebot in unserem Alltag konkret umzusetzen. Danke für das Gespräch, Sabine!  

Sabine Riske: Gern geschehen!


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Dieser Beitrag wurde am 16.02.2020 gesendet.





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