Wort zum Tage, 25.01.2020

von Johannes Rogge, Berlin

Es geht nicht um mich

Kirchliche Verkündigung in Radio und Fernsehen hat eine lange Tradition. Der Grund, warum sich die Kirche in diesem Feld engagiert, ist der Protagonist des heutigen Tages. Denn heute feiert die katholische Kirche das Fest „Pauli Bekehrung“. Ein etwas sperriger Name, der allerdings an eine Kehrtwende erinnert, die für das Christentum von großer Bedeutung war. Die Verwandlung des Saulus zum Paulus. Als Sohn eines Pharisäers war Saulus ein gebildeter Jude, der sehr auf die Einhaltung der jüdischen Gesetze pochte und daher die Anhänger der neuen religiösen Strömung – sprich des Christentums – mit aller Härte verfolgte. Doch dann – die Bibel berichtet, dass er gerade auf dem Weg war, ein paar Christen hinter Gitter zu bringen – erscheint ihm Jesus Christus selbst. Es ist sein Bekehrungserlebnis. Saulus wird Christ, nennt sich fortan Paulus und zieht los, um den neuen Glauben in alle Welt zu tragen - er wird zum wichtigsten Missionar der Christenheit. „Du sollst vor allen Menschen Zeuge werden für das, was du gesehen und gehört hast“, so steht es in der Apostelgeschichte der Bibel.

In der Radioverkündigung sehe ich mich in dieser Tradition. Als Christ von dem zu erzählen, was mir wichtig ist. Von dem ich, aus meinem Glauben heraus überzeugt bin, was mir Halt und Hoffnung gibt.

Paulus hat eine echte 180 Grad-Drehung hingelegt und verkündet das Evangelium radikal. Er rückt Jesus Christus, den Auferstandenen, als Messias in den Mittelpunkt und sagt: Es geht nur um ihn. Es geht nicht mehr um Regeln und Verbote. Es geht darum ihm – Jesus Christus – nachzufolgen.

Paulus war sicher einer, der sich gerne hat reden hören. Wenn ich mir vorstelle, wie erfolgreich seine Mission war, wie authentisch er gepredigt haben muss, wie die Leute an seinen Lippen hingen – ich glaube, die Versuchung war groß, den Erfolg auf sich zu beziehen und irgendwann anzufangen, um sich selbst zu kreisen. Aber Paulus bleibt stark. So wie die Bibel von ihm erzählt, bleibt er seinem Motto treu: „Es geht nicht um mich. Es geht um Jesus Christus.“

Um nicht missverstanden zu werden. Ich möchte nicht gesundes Selbstvertrauen geißeln. Ganz und gar nicht. Mir geht es um die Haltung des Paulus, die mich so fasziniert: Es geht nicht um mich, es geht um meine Mission, um die Sache – egal, ob ich Beifall oder Buh-Rufe dafür ernte.

Für mich als Christ heißt das – etwas salopp ausgedrückt: Nimm dich selbst mal nicht so wichtig. Kreis nicht nur um dich, um deine Probleme, um deinen Horizont. Sondern nimm deinen Nächsten in den Blick, denn Gottes Wunsch an mich ist: Du sollst ein Segen sein!

Diese Perspektive hilft mir vor zu viel Selbstbezogenheit, ruft mich heraus und gibt mir Rückenwind, um – genau wie Paulus – hoffentlich segensreich in dieser Welt zu leben. 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 25.01.2020 gesendet.


Über den Autor Johannes Rogge

Johannes Rogge wurde 1991 in Mainz geboren. Er studierte in Leipzig Kommunikationswissenschaften und ist seit 2018 als Redakteur beim Erzbistum Berlin tätig. Kontakt: Johannes.Rogge@erzbistumberlin.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche