Dritter Sonntag nach Weihnachten

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Neuhaus am Inn-Mittich

Ab und zu können wir es erleben: Da geht die Tür auf und wir sind von unserem Gegenüber fasziniert. Der Mensch nimmt uns gefangen. Er hat ein Lächeln, das verwandelt. Er hat einen Blick, der fesselt. Er hat eine unbeschreibliche Präsenz im Raum. So ein Moment bleibt uns lang in Erinnerung.

Johannes der Täufer hat diese Begegnung mit Jesus erlebt. Er sieht Jesus und ahnt, wer es ist. Das hat er uns voraus. Er hatte ein waches Gespür für die Anwesenheit Jesu. Er wartete und suchte. Er konnte ahnen, dass er den Messias finden wird. Jesus wird kommen und dann alle Hoffnung erfüllen.

Johannes der Täufer hatte die Menschen auf Jesus vorbereitet. Er hatte sie gelehrt, auf den Erlöser zu warten. Er hatte eine Vorstellung davon, was diesen Menschen auszeichnet. Er hatte die Bilder der Verheißung. Ob es nun das Bild des Gottesknechts ist oder das Bild des Hirten, der sich um seine Herde kümmert.

Ich habe zu Beginn meiner Predigt die Erfahrung beschrieben, dass ich einem Menschen überraschend begegne. Da geschieht etwas ohne Vorbereitung. Ich ahne nichts und werde beschenkt. Bei Johannes war es anders. Er wartete. – Und was tue ich? Warte ich auf jemand, der mir von Gott geschickt wird?

Manche Menschen suchen den Partner fürs Leben. Wann werde ich sie/ihn finden? Manche suchen einen Menschen, der sie trösten kann. Andere suchen einen Menschen, der sie aus einer Starre herausholen kann.

Vielleicht wäre es ein erster Schritt, nach innen zu schauen. Mein Suchen hat etwas mit meiner Sehnsucht und meinen Träumen zu tun. Wenn ich weiß, wonach ich mich sehne, spüre ich auch, was mich erreicht. Der Mensch, der in mir das Gefühl von Zufriedenheit weckt, erzählt ohne Worte vom Thema meiner Sehnsucht.

Johannes der Täufer berichtet im Johannesevangelium sozusagen beiläufig von der Taufe Jesu im Jordan. Am vergangenen Sonntag haben wir sie etwas größer gefeiert. Ob der Evangelist damit auch einen Hinweis gibt? Ihm ist nicht nur wichtig, dass der Täufer Jesus als Sohn Gottes bekennt. Ihm ist wichtig, dass der Täufer seine Erkenntnis weitergibt. Denn das Wissen darum, wer es ist, kann nur eine Konsequenz haben: Ich teile mein Wissen mit denen, die ihn suchen. Sie sollen sich freuen. Und sie sollen Sicherheit für ihr Leben haben.

"Seht das Lamm Gottes" – wer es sah, erlebte mit dem Täufer eine Sternstunde der Hoffnung und des lebendigen Glaubens. Sternstunden können wie Höhepunkte sein, die vorher und nachher nichts Vergleichbares kennen. Sternstunden können aber auch ein wunderbarer Anfang sein, wenn sie das Leben verändern und prägen. Solche Stunden möchte ich uns wünschen – und dass wir sie nicht verpassen, wenn sie geschehen.

Amen.


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Dieser Beitrag wurde am 19.01.2020 gesendet.





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