Feiertag, 19.01.2020

von Martin Korden, Köln

20 Mio. Klicks für die Kirchenmusik. Wie ein junger Organist als „Lingualpfeife“ das Netz erobert

Wenn „Lingualpfeife“ orgelt, hören und schauen mehrere zehntausend Menschen zu: per YouTube. Der Kanal zeigt wie groß der Bedarf an Kirche im Digitalen ist – und wie die Internet-Gemeinde funktioniert.

© Katharina Gebauer

Ein festliches „Großer Gott, wir loben Dich“, gespielt im Juni 2015 auf der Orgel der Wallfahrtsbasilika in Walldürn, gemeinsam mit einem Bläserensemble.

Mehr als eine Million Mal wurde das Video inzwischen im Internet bei YouTube aufgerufen. Man sieht einen jungen Mann an einer großen Orgel sitzen, wie er gemeinsam mit einigen Bläsern die Gemeinde begleitet. Der junge Organist heißt Ludwig Martin Jetschke. Im Internet lautet sein Name „Lingualpfeife“. Das Video ist sein bisher erfolgreichstes. Seinen Youtubekanal haben mittlerweile über 16.000 User abonniert. So können sie regelmäßig neue Videos ansehen.

„Lingualpfeife“ wird zum Youtube-Star

In diesem Video sind besonders gut die „Lingualpfeifen“ zu hören, nach denen Jetschke seinen Kanal benannt hat. Diese sogenannten Zungenregister, zu denen beispielsweise Trompeten oder Posaunen gehören, klingen besonders strahlend.

Ein Freund hatte sich mit dem Namen „Orgelpfeife“ auf Youtube angemeldet. So nannte Jetschke sich kurzerhand „Lingualpfeife“, weil ihm diese Pfeife beim Spielen eben am meisten Freude bereitet. Heute, knapp 12 Jahre später sagt er:

„Ich muss gestehen: Wenn ich 2008 geahnt hätte, dass ich mal mit dem Namen bekannt werden würde, hätte ich wahrscheinlich einen Ticken länger drüber nachgedacht.“

„Die Orgel ist der liturgische Kommentar“

Es sind Mitschnitte aus dem Gottesdienst, die die Zuschauer faszinieren. Dann, wenn Ludwig Jetschke die Gemeindelieder begleitet oder wenn er zu Beginn oder Ende des Gottesdienstes improvisiert. Er nimmt die Zuschauer mit an den Orgelspieltisch, dorthin, wo viele nicht hinkommen.

So wie gute Filmmusik die Stimmung in den entscheidenden Szenen klar macht, Gefühle transportiert oder Inhalte verstärkt, so kann der Organist das Geschehen am Altar verdeutlichen, verstärken, erlebbar machen.

„Die Orgel ist der musikalische, liturgische Kommentar schlechthin.“

© Katharina Gebauer

Gerade an den Hochfesten hat der Organist deshalb eine entscheidende Rolle im Gottesdienst, davon ist Jetschke überzeugt. So wie z.B. an Weihnachten, wenn Gefühl und Atmosphäre besonders wichtig sind:

„Und da hat, glaube ich, der Kirchenmusiker fast noch den größeren Job zu leisten als der Priester. Weil, der muss dafür sorgen, dass am besten nach ‚Stille Nacht‘ alle heulen oder wie auch immer. Ja, und eben in der Seele angerührt werden und so dann eben auch einen Strahl der Liebe Gottes durchschimmern kann.“

Ruhm kann auch Druck bedeuten

Seit 2012 veröffentlicht „Lingualpfeife“ Videos aus den Gottesdiensten. Nicht jede Improvisation lässt sich Jahr für Jahr toppen. Das bringt den jungen Organisten manchmal auch an seine Grenzen.

„Was überhaupt keinen Spaß macht, wenn man merkt, dass man gerade auch in geprägten Zeiten, in der Christmette sitzt und spürt, dass man in anderen Jahren Improvisationen zum gleichen Lied schon mal besser gemacht hat. Oder wenn man anfängt, sich selbst zu kopieren, weil man einfach die eigenen Videos zu oft in Dauerschleife gehört hat, dann wird‘s kritisch. Dann muss ich mich sozusagen auch wirklich mal also von mir selbst irgendwie oder von meinem Archiv entfernen, um wieder auf zu neuen Ideen zu kommen, weil man einfach viel zu sehr in der eigenen Suppe rumrührt.“

© Katharina Gebauer

Wenn er aber ein neues Video publiziert hat, dann kann man schnell beobachten, dass die Musik eine eigene Sprache ist, die auf der ganzen Welt unabhängig von der Sprache des Liedtextes verstanden wird.

„Also, ich kriege regelmäßig Kommentare aus USA, Brasilien oder auf den Philippinen zum Beispiel. Oder wir haben auch einen User, der sich regelmäßig aus Hongkong zuschaltet.“

„Lingualpfeife“ wächst mit seinen Aufgaben

Der Kreis der Abonnenten ist stetig gewachsen. Mehr als 2.500 Videos sind inzwischen auf dem Kanal gespeichert und anschaubar. Die allerersten vor sieben Jahren noch mit einfachsten Mitteln.

„Ich wusste ja nix mit Videoschnitt und so etwas anzufangen, das musste ich mir alles erst aneignen. Hieß also, dass ich meinetwegen zum Gong, wenn die Messe losgeht, war ich nicht auf dem Orgelbock gesessen, sondern stand neben dem Orgelbock und hab dann auf Record gedrückt, um ganz schnell sozusagen in die Bank reinzurutschen, dass möglichst wenig Zeit dann eben verloren geht und beim Schlussakkord dann ganz schnell wieder raus und auf Stopp gedrückt, dass auch möglichst, dann nicht mehr der Pfarrer zu hören ist und so weiter und so fort.“

Heute produziert Jetschke professioneller: Die Videos sind in hochauflösender HD-Qualität mit Logos versehen, mit eingeblendetem Text und Erklärungen. Von Anfang an waren aber vor allem die Videos aus den Oster- und Weihnachtsgottesdiensten, die die User faszinierten. Das ist bis heute so.

„Ich sehe, dass ab Anfang August wirklich schon Bewegung in die Weihnachtslieder reinkommt. Mit den ersten Spekulatius fängt dann auch das Weihnachtslieder spielen oder anhören auf YouTube wirklich an zu blühen. Und diese Sehnsucht kann man also statistisch ganz sicher nachweisen. Und die Klicks sind auch im Dezember insgesamt, ja, ich sag mal ein Viertel höher als in anderen Monaten. Interessanterweise: Der unangefochten immer wiederkehrende Spitzentag ist tatsächlich der Ostersonntag. Da sind die… also, wenn ich an einem normalen Tag, hab ich ungefähr 10 bis 13.000 Klicks. Und am Ostersonntag sind es dann 26./27.000 Klicks.“

Auch dieses Video ist ein echter Klassiker. Man ist dabei in der Osternacht, beim wichtigsten Gottesdienst des Jahres.

Während der Priester den Altar bereitet und die Messdiener die Gaben bringen, singt die Gemeinde das Lied „Heil uns Heil, Halleluja, im Triumph steht Jesus da“, feierlich begleitet an der Orgel. Nach zwei Strophen aber, übernimmt die Orgel alleine. 

Orgelspiel für mehr liturgisches Bewusstsein

Ludwig Jetschke will allen ermöglichen, das Geschehen am Altar bewusster zu erfahren: Wie der Priester den Altar mit Weihrauch inzensiert. Dabei steigert Jetschke sein Orgelspiel kontinuierlich, so wie der Weihrauch immer mehr den Altar einhüllt, bis zu dem Moment, in dem der Priester dann das heiligste Zeichen der Osternacht beräuchert: Die Osterkerze – die neue Kerze, die in diesem Gottesdienst entzündet wurde und den auferstandenen Christus in der Mitte der Gläubigen symbolisiert.

Erst danach wird die Orgel wieder hörbar leiser und die Gemeinde singt die dritte Strophe.

© Katharina Gebauer

Klar ist, „Lingualpfeife“ hat eine Nische erkannt. Im digitalen Bereich war und ist die katholische Kirche unterdurchschnittlich aufgestellt. Das macht sich bis heute in den Reichweiten der zahlreichen Kirchen-Kanäle deutlich bemerkbar. Jetschke hat eine Arbeit im Fach Religionspädagogik an der Universität geschrieben zum Thema „Glaubensverkündigung im Internet“. Dabei hat er die Erfahrungen mit dem eigenen Kanal „Lingualpfeife“ berücksichtigt. Er konnte aufzeigen,

„dass zwischen den Jahren ungefähr 2014 bis 2018 – das war so mein Forschungszeitraum – die Reichweite von ‚Lingualpfeife‘ auf YouTube immer in etwa so groß war wie die von allen deutschen Bistümern zusammen. Da kann man jetzt, also, da muss man im Einzelnen reingucken, weil zum Beispiel ‚Münchener Kirchenradio‘ rausgerechnet ist aus der Rechnung. Und dann gibt es da noch ‚katholisch.de‘, ‚Domradio‘ und so weiter und so fort. Also ganz so eins zu eins möchte ich‘s jetzt nicht verstanden wissen. Aber es ist tatsächlich so, von den reinen Bistumskanälen habe ich ungefähr immer die Reichweite von allen zusammen gehabt.“

Der Durchbruch kam mit dem neuen Gotteslob

Als die Katholische Kirche im Jahr 2013 das neue Gesangbuch „Gotteslob“ veröffentlichte, erlebte Ludwig Jetschke als „Lingualpfeife“ seinen Durchbruch.  Er entdeckte sofort den Markt und begann die neuen Lieder einzuspielen und als Videos auf seinem Kanal zu veröffentlichen.

© Katharina Gebauer

Eine große Hilfe für die zahlreichen Kirchenmusiker, für die Chorleiter und Priester, die teilweise unbekannten Lieder auf diese Weise kennenzulernen. Die Videos seien ihm förmlich aus der Hand gerissen worden, erinnert sich Jetschke, denn in seinen Kurzclips gab er auch Erklärungen zum Gesangbuch ab.

„Hallo! Jetzt möchte ich über die Rubrik ‚Lob, Dank und Anbetung‘ im neuen Gotteslob reden. Sie findet sich ab der Nummer 379. Weil hier in dieser Rubrik die ganzen Gassenhauer stehen, die man auch seit eh und je kennt und die im alten Gotteslob ab der 257 aufwärts im Wesentlichen genauso standen, beschränke ich mich jetzt wirklich nur auf die Dinge, die neu sind hier im Gotteslob.“

Organist im Spagat zwischen Inszenierung und Inhalt

Mit diesen Erklärvideos stiegen aber nicht nur die Abrufzahlen rasant an, der junge Organist wurde auch immer bekannter. Sich vor eine Kamera zu setzen, Lieder aus dem Gebetbuch vorzuspielen und vorzusingen, da gehört nicht nur eine Menge Selbstbewusstsein dazu. Es braucht auch – das gibt Jetschke freimütig zu – eine gehörige Portion Freude daran, sich selbst zu präsentieren.

„Also ohne geht's nicht. Und man ist auch immer irgendwie mit diesem Spagat beschäftigt, was Inszenierung ist und was Inhalt ist. Es ist ´ne Frage, wer publiziert, egal in welchem Medium, wird sich diese Frage immer stellen müssen. Und ich finde auch wichtig, dass die Frage immer im Raum ist, weil nur so kann man sich selbst abklopfen, ob man auch noch auf ´nem gesunden Weg unterwegs ist.“

Und, auch darauf legt er Wert, natürlich ist der Gottesdienst das Hauptkriterium, die würdige Begleitung der Liturgie. Ludwig Jetschke versteht seine Rolle an der Orgel so, dass er derjenige ist, der das Geschehen am Altar mit der Musik verdeutlichen will. Er will dabei helfen, dass der Gottesdienst Herz und Gefühl der Gläubigen erreicht.

Ein gutes Beispiel dafür ist eine Orgelimprovisation vom Palmsonntag 2018, der Tag, an dem Christen die Heilige Woche vor Ostern beginnen.

„Und da habe ich tatsächlich dann, weil es sich einfach genau so wunderbar gefügt hat, in diese sich steigernde Improvisation, die ihren Höhepunkt ja bei der Altarinzens hat, einen eintrübendes Moment völlig unerwartet reingeschossen, kann man sagen, mit einem doppelt verminderten Septakkord. In dem Moment, wo dann das Kreuz eben beräuchert wurde, um damit musikalisch schon eben die Antizipation der Karwoche dann auch zu illustrieren. Zu zeigen, also Achtung: Dieses ‚Hosianna! Davids Sohn‘, das mündet in das ‚Kreuzige ihn!‘ Und ja, so hat sich diese Improvisation ergeben, und zwar nur für diesen einen Moment eben, wo das Kreuz beräuchert wurde, diese kleine Eintrübungen. Und danach geht es sozusagen ganz regulär weiter.“ 

Zweifel an der Kirche und ein Plan B

Wenn „Lingualpfeife“ alias Ludwig Martin Jetschke sein Orgelspiel erläutert, klingt er rundherum überzeugt von der Sache, fest verankert in Glauben und Theologie. Doch auch bei ihm gibt es den Zweifel. Auch der junge Organist und katholische Youtuber hadert mit seiner Kirche.

„Für mich war zum Beispiel die erste Welle des Missbrauchsskandals ein Punkt, der mich zu einer Entscheidung geführt hat, dass ich auch neben der Theologie unbedingt noch eine weitere Basisqualifikation haben möchte. In dem Fall, deswegen habe ich Gymnasiallehramt auch für Deutsch und Religion studiert, weil ich gesagt habe, bislang in der Kirchenmusik und in der Theologie, ich habe sozusagen alles auf diese Karte gesetzt. Dazu stehe ich auch und mach ich auch gerne. Aber ich darf sozusagen mich im Zweifelsfall jetzt nicht selber in den Ruin treiben und auf Gedeih und Verderb einem System ausgeliefert sein.“

Die Auseinandersetzung mit den Problemen und Skandalen, mit denen die Kirche zu kämpfen hat, erlebt „Lingualpfeife“ auf seinem Youtubekanal beinahe täglich. Auch bei ihm laufen viele Kommentare und manchmal sogar Beschimpfungen auf, wenn die Kirche wieder einmal in keinen guten Schlagzeilen steht.

„Insofern hat es mich zu einem vertieften Realismus gegenüber der Kirche geführt. Aber ungeachtet dessen jetzt sozusagen die dogmatische Größe Kirche, als Institut der Heiligkeit, das kann ich völlig unbestritten unumwunden genauso bekennen im Wissen darum, dass natürlich eben das Bodenpersonal und die Strukturen, was dazugehört, eben manchmal auch ganz eigene Wege gehen.“

„Lingu labert live“ und nutzt alle Wege für den Dialog

Bei Orgelvideos und Improvisationen aus dem Gottesdienst bleibt es aber schon lange nicht mehr. Aus dem Youtube-Kanal „Lingualpfeife“ ist längst mehr geworden.

„Einen wunderschönen guten Abend an alle, die mir hier zuschauen und herzlich Willkommen hier im Live-Stream.“

Regelmäßig, inzwischen schon über 60mal, geht Jetschke auch live auf Sendung. Dann setzt er sich vor seinen Computer, richtet die Web-Cam auf sich und kommuniziert mit den Zuschauern. „LLL“ nennt er das – „Lingu labert live“.

Dann spricht er über aktuelle Themen und beantwortet Fragen der User zu Liturgie und Musik – aber auch zu Theologie und Kirche.

„Ich sag’s mal so: Die Bandbreite im Internet ist so groß, dass es für mich keine Möglichkeit ist – ich spitze jetzt mal die Extreme zu – es ist für mich keine Möglichkeit, keine Ahnung von der tridentinischen Messe zu haben. Es ist für mich aber auch keine Möglichkeit, keine Ahnung von der Genderdebatte zu haben. Also ‚Queer Community‘ bis ‚Tridentinische Messe‘ und alles, was dazwischen ist. Und da würde ich schon sagen, diese Bandbreite ist deutlich größer als das, ich sag immer handelsübliche, was man in einer in Anführungszeichen normalen Pfarrei so anzutreffen hat.“

Kirche im Netz: So wichtig ist die Internet-Gemeinde

Der Kontakt mit den Zuschauern, die Interaktion und Kommunikation, sie sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, für Ludwig Jetschke selbst, aber auch für die inzwischen gewachsene Online-Community. In der kirchlichen Internet-Arbeit ist noch eine Menge Luft nach oben, findet er.

„Was es aber bislang nicht gibt, ist ein kontinuierliches Mitgehen mit den Leuten. Sozusagen Alltag teilen dezentral. Und dann kommt eben, was kommt. Ja, und was kommt, wird dann von der Community eben aufgegriffen und durchgetragen.“

Und hier versteht sich die Online-Gemeinschaft, man könnte auch sagen die Internet-Gemeinde, genau andersherum als eine klassische Pfarrei vor Ort.

„Die Community zeichnet aus, dass wir die Richtung gedreht haben. Es ist sozusagen nicht so, dass Kirche sagt: ‚Zack, da bin ich! Wer möchte beseelsorgt werden?‘ Sondern die Leute sind da mit dem, was sie mitbringen, und geben dann das Programm vor.“

Digital gelten andere Regeln als analog

Und diese Leute sind sehr heterogen. Manche kommen eher aus der kirchlichen, theologischen Richtung, andere sind eher über das musikalisch-künstlerische der Orgelvideos angesprochen worden. Rund ein Drittel, schätzt Jetschke, ist dabei nicht katholisch.

„Vor allem darf man auch nicht vergessen: Das Internet ist ja auch immer im besten Sinne des Wortes ökumenisch aufgestellt. Es gibt keinen evangelischen C-Dur-Akkord oder katholischen F-Moll-Akkord oder wie auch immer. Das ist natürlich eine universale Sprache, die dann auch direkt ins Herz geht. Wenn Leute sagen: ‚Wie geht denn dieses Stundengebet, von dem du immer wieder redest‘ – dann wird halt Stundengebet beackert. Und immerhin jetzt seit eineinhalb Jahren wird täglich Stundengebet auch praktiziert in dieser Community.“

„Liebe Community, wir beten nun gemeinsam das Abendlob der Kirche, die Vesper. Du bist herzlich eingeladen, mitzubeten. Die Texte findest du in der Stundenbuch-App des Katholischen Pressebunds oder im Internet unter stundengebet.de.

„O Gott, komm mir zu Hilfe“ – „Herr, eile mir zu helfen.“

(Auszug aus dem Stundengebet)

Abend für Abend schalten sich interessierte Nutzer über die sozialen Medien oder manchmal über Telefonkonferenzen zusammen und beten gemeinsam. Besonders einfach ist der Zugang dazu jeden Abend beim Nachtgebet der Kirche, der Komplet.

„Dieser Telefonanruf wird sozusagen live auf YouTube übertragen und die Texte dazu eingeblendet, um eben dann auch ein leichtes Einklinken von außen zu ermöglichen.“

Die Online-Community trifft sich auch offline

Und manchmal betet auch der „LinguPfarrer“ mit. So nennt sich ein Priester, der der „Lingualpfeifen-Community“ angehört. Er ist dann auch ansprechbar ist für die User. Sichtbar wird die Online-Gemeinschaft immer noch durch das Branding der Marke. Neben „Lingu labert live“ und dem „LinguPfarrer“ gibt es auch den „LinguLiedplan“. Rund 30 Organisten stimmen sich dabei in kleinen Gruppen über Liedvorschläge für den Gottesdienst ab, die dann für jeden Sonntag kostenlos auf der Website verfügbar gemacht werden.

Die Gemeinschaft ist aber nicht nur digitaler Natur. Seit dem vergangenen Jahr treffen sich die Mitglieder der Online-Gemeinde „Lingualpfeife“ regelmäßig, lernen sich kennen, tauschen sich aus. Der Name? „LinguSpecialMeet“:

„Beim letzten Treffen im Oktober in Würzburg hatten wir dann den interessanten Fall, dass wir in einem Gottesdienst sowohl eine Krankensalbung gefeiert haben, beziehungsweise drei Personen die Krankensalbung gespendet wurde und anschließend noch eine kirchliche Verlobung stattgefunden hat, in der gleichen Feier. Ich glaube, diese Kombination steht auch für die Einzigartigkeit, was dann das Internet eben so mitbringt, die da eben heißt: ‚Schau auf den Menschen, schau, was er braucht in dieser Situation, was seine Bedürfnisse sind.‘ Und eben dann einfach in diesem Sinne mitgehen.“

© Katharina Gebauer

„Ich kann heute mit Stolz sagen, dass die Community wirklich vollständig ohne mich funktioniert. Und das ist für mich eine enorm wichtige Erleichterung. Das heißt zum Beispiel, wenn ich in den Lehrdienst gehen würde und dann eben in das bayerische Referendariat eintreten würde, müsste ich mir keine Sorgen machen, dass morgen die Community weg ist, nur weil ich der Community durch meinen eigenen beruflichen Werdegang keine große Zeit mehr schenken kann.“

Aber daran denkt er zurzeit noch nicht. Denn schon in Kürze werden die Lingualpfeife-Videos auf Youtube wohl die magische Marke knacken von 20 Millionen Aufrufen.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 19.01.2020 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur und Deutsche Welle. Nach dem Abitur absolvierte er im Rahmen seines Wehrdienstes eine erste Hörfunkausbildung beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie und schloss 2006 mit dem Diplom ab. Das journalistische Volontariat absolvierte er bei der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt am Main. Neben der Aufgabe als Senderbeauftragter ist er seit vielen Jahren für DOMRADIO.DE in Köln und für die Katholische Fernseharbeit tätig. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche