Wort zum Tage, 06.01.2020

von Johanna Vering, Langenberg

Sternstunde

Drei Freunde diskutieren: „Du, diese Konstellation gibt es nur einmal. Das geht nicht anders, wir müssen da hin.“ „So ein Blödsinn, weißt Du, wie weit das ist? Wie sollen wir das denn schaffen? „Ich sage Euch, wenn wir das nicht machen, bereuen wir das ein Leben lang. Und darauf habe ich keine Lust.“

Das war das entscheidende Argument. Also los. Die drei Freunde sind Astronomen und jetzt planen sie ihre Reise. Den ersten Teil können sie mit dem Flugzeug machen. Aber dann müssen sie hunderte von Kilometern durch die Wüste. Das geht nur zu Fuß beziehungsweise mit Kamelen an ihrer Seite.

Es geht los. Sie haben nur die nötigsten eigenen Sachen eingepackt. Das meiste sind Geräte und natürlich ihr großes Teleskop. Sie reisen tatsächlich einer bestimmten Sternenkonstellation hinterher, die es noch nie gab und die es in ihrem Leben auch nicht mehr geben wird.  

Am Zielflughafen werden sie abgefangen. Na, das fängt ja gut an… Regierungsbeamte haben ihre Emails gehackt und mitbekommen, was sie vorhaben. Warum interessiert sich die Regierung für ihre Arbeit? Die Leute wollen wissen, was sie machen und wonach sie suchen. So eine Expedition „nur“ für ein bisschen Sterne gucken, haben sie noch nie erlebt. Die drei Freunde müssen versprechen, dass sie nach ihrem Trip in die Wüste nochmal vorbeikommen und berichten, was sie gefunden und gesehen haben. Danach können sie gehen.

Also ab in die Wüste. Und dann endlich: die Nacht des besonderen Sterns. Dieser Stern ist jetzt so nah an der Erde, dass er riesengroß erscheint und besonders strahlt. Sie beobachten, notieren und gehen weiter. Dem Stern hinterher.

Am letzten Abend kommen sie an einer Felsgruppe vorbei mit einer kleinen Höhle. Davor ein Maultier angebunden. In der Höhle ist Licht und es bewegt sich was. Vorsichtig gehen die Männer näher ran und finden ein junges Paar mit einem Neugeborenen. Es muss gerade auf die Welt gekommen sein. Die beiden sehen fix und fertig aus. Sofort packen die Jungs Wasser und Essen aus, auch das, was sie an Handtüchern und Wäsche dabei haben. Die junge Familie ist total dankbar. Sie haben selbst nichts und sind von der Geburt hier draußen überrascht worden. Eine seltsame Ruhe herrscht in dieser Höhle. Es ist irgendwie friedlich.

Sie übernachten alle zusammen in der Höhle, teilen was sie haben. Es ist fast eine kleine Feier für das Baby.

Am nächsten Tag müssen die Jungs weiter. Die Sterne waren atemberaubend, aber diese junge Familie, die geht ihnen nicht aus dem Kopf. Sie haben sich übrigens dagegen entschieden, der Regierung zu berichten. Auf die Gefahr hin, dass sie wieder abgefangen werden. Das Risiko gehen sie ein. Für ihre ganz persönliche Sternstunde.

Das ist meine Version der Geschichte der Heiligen Drei Könige. Heute ist kirchlich gesehen, ihr Tag. Die Sicht der drei wird in der Bibel nicht erzählt. Für mich steht das hier zwischen den Zeilen.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 06.01.2020 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Langenberg (Westf.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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