Wort zum Tage, 08.01.2020

von Johanna Vering, Langenberg

Fürsprache

„Herr Vering, und wenn ich mit Ihnen Hand in Hand ins Ministerium marschiere, das kriegen wir schon hin,“ sagt die Rektorin, die meinen Mann zu sich an die Schule holen will. Wir wollen umziehen und müssen dafür das Bundesland wechseln. Das ist gar nicht so einfach als Lehrer mit nur einem Fach - er kann nur Religion.

Mein Mann ist dann persönlich zu Rektorinnen und Rektoren gegangen und hat sich vorgestellt. Und diese Dame hat gleich gesagt: „Prima, Sie kann ich brauchen. Das machen wir.“ Nach nur einem Gespräch.

Sie hatte die Rechnung ohne die Verwaltung gemacht und das alles hat sich ewig hingezogen. In der ganzen Zeit hat die Rektorin Kontakt gehalten, meinem Mann und mir Mut gemacht, den Takt vorgegeben und vor allem: sie hat sich für meinen Mann eingesetzt. Einfach so. Sie hat ihn ja wirklich kaum gekannt.

Um es abzukürzen: die Versetzung hat geklappt, wir sind umgezogen und mein Mann fühlt sich an der neuen Schule sehr wohl.

Wir haben an der ganzen Sache neu gelernt, was Fürsprache heißt. Für jemanden sprechen. Für jemanden was Gutes sprechen. Die Rektorin hat sich eingesetzt und mit allen Mitteln gekämpft, dass mein Mann bei ihr unterrichten kann. Und das ganz ohne die sprichwörtlichen guten Beziehungen, die man manchmal braucht. Wir kannten weder sie im Vorfeld, noch sonst jemanden an der Schule und hatten auch keine Kontakte zum Land oder sowas.

Ich finde die Rektorin ganz schön mutig. Fürsprache setzt nämlich grundsätzlich voraus, dass man vertraut. Und das manchmal blind, weil ich die Person gar nicht kenne. Ich muss vertrauen, damit ich für jemanden sprechen kann. Warum macht man das eigentlich? Vielleicht, weil ich sehe, dass jemand für eine Sache brennt, dass er oder sie etwas wirklich will, total begeistert ist. Oder weil ich bemerke, dass jemand Hilfe braucht. Ich kenn das aus der Schule: wenn alle gegen einen sind. Plötzlich spricht jemand für den einen, und das Blatt wendet sich.

Und klar: von Fürsprache habe ich ja auch was. Ein gutes Gefühl, geholfen zu haben oder eine motivierte Mitarbeiterin zum Beispiel.

Ich bin der Rektorin jedenfalls sehr dankbar für ihre Fürsprache im allerbesten Sinne. Und ich bewundere sie auch dafür. Ich weiß nicht, ob ich das immer könnte. Mich so vorbehaltlos einsetzen und kämpfen bis in die oberste Instanz. Ohne jemanden wirklich zu kennen. Dass sie sich eingesetzt hat, gibt mir aber jetzt auch einen Schubser. Die Augen und Ohren offen zu halten und zu bemerken, wenn jemand Fürsprache braucht. Und dass dann auch zu tun. Mutig für jemanden was Gutes sprechen. Egal, ob ich die Person kenne oder nicht.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 08.01.2020 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Langenberg (Westf.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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