Wort zum Tage, 07.01.2020

von Johanna Vering, Langenberg

Achte auf dein Wort

Gott und das Wort. Das ist für mich eine total interessante Kombination. Sowas wie eine Ur-Verbindung.

Los geht´s damit schon ganz am Anfang der Bibel. Vor jedem neuen Schöpfungstag steht: Gott sprach. Gott sprach: es werde Licht zum Beispiel. Er hat die Welt durch Worte ins Leben gerufen.

In der Bibel geht es viel um Worte, in ganz unterschiedlichen Situationen. Gott gibt Menschen zum Beispiel einen Auftrag. Sie bekommen genau gesagt, was sie tun sollen. Einige sind erstmal weggerannt, weil sie Angst vor so einer großen göttlichen Aufgabe hatten. Aber dann spricht Gott ihnen Mut zu und sie schaffen es.

Was alle Geschichten verbindet: Gottes Wort bewegt was.

Gott und das Wort. Darum geht es auch in einer Bibelstelle aus dem Timotheus-Brief. Das interessante dabei: es ist eine neue Perspektive auf das Wort. Es geht nicht darum, einen bestimmten Auftrag zu erfüllen, jetzt geht es darum von Gott selbst zu sprechen. Die eigenen Worte klug einzusetzen, um Menschen für Gott zu gewinnen. Im Brief steht: „Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, … .“

Gott und das Wort. Am Anfang des Johannesevangeliums wird Jesus als das Wort schlechthin bezeichnet. Als das Wort, das direkt von Gott selbst kommt. „Am Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“

Für mich ist das ein klarer Auftrag: kümmere Dich um das Wort. Sei aufmerksam und achtsam, wenn du sprichst. Worte sind mächtig. Sie haben Kraft.

Ich versuche das tatsächlich immer mehr. Wirklich, ich achte darauf, wie ich spreche und ich versuche, meine Worte bewusst zu wählen.

Umso mehr erschreckt es mich, was momentan passiert. Da werden von verschiedenen Gruppierungen und Politikern Worte verwendet, die Angst machen oder Ängste schüren. Oder noch krasser, Worte, die sich ganz bewusst an den Jargon des Nazi-Regimes anlehnen. Da ist es möglich, dass ein Politiker von „jagen“ spricht und davon, sich „unser Land und unser Volk zurückzuholen.“

Dass sowas bei uns in Deutschland heute möglich ist, macht mich ratlos. In anderen Staaten sieht es ähnlich aus. Oberste Repräsentanten denken eben nicht mehr über ihre Wortwahl nach und hauen raus, was ihnen gerade so in den Kopf schießt.

Problematisch wird es dann, wenn ich aufhöre sprachliche Bilder oder Begriffe zu hinterfragen. Gerade jetzt müssen wir wachsamer denn je sein, um nicht auf irgendwelche dumpfen Parolen reinzufallen.

Worte, die Menschen sprechen, dürfen nicht trennen. Ich glaube, das ist mein, das ist unser Auftrag als Menschen in der Welt.

Wenn Gott selbst das Wort ist, dann muss ich jedes meiner Worte wie einen Schatz behandeln. Vorsichtig und sanft, gut überlegt und so, dass es nicht nur mir dient, sondern gut ist für die Menschen.

*zu Grunde liegende Bibelstelle: 2 Tim 3,14 - 4,2

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 07.01.2020 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Langenberg (Westf.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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