Zweiter Sonntag nach Weihnachten

Predigt des Gottesdienstes aus der Pfarrkirche St. Urbanus, Dortmund-Huckarde


Predigt von Pfarrer Michael Ortwald

Vier Tage ist es her, dass wir ein neues Jahr begonnen haben. Viele Wünsche wurden ausgetauscht, manche haben sich für das neue Jahr etwas vorgenommen: besser auf die Gesundheit zu achten, mehr Sport zu treiben, öfter zu beten.

Mit ganz konkreten Worten wurde das neue Jahr begrüßt auch durch Verantwortliche der Politik und des Staates; wie auch der Hl. Vater ein Wort zum Weltfriedenstag formuliert hat.

Appelle und Versprechen; wahrlich eine Wortflut könnte man meinen, dennoch: wir stehen im Wort, auch im neuen Jahr!

In einer Ansprache vom 2.12.1942 hat der Blutzeuge Alfred Delp im Hinblick auf das Weihnachtsfest in Kriegszeiten formuliert:

„Wir feiern kein Kinderfest, sondern die Tatsache, dass Gott sein letztes Wort zur Welt gesprochen hat. Christus ist das letzte Wort Gottes an die Welt.“

(Delp Fest d. Menschenfreundlichkeit Gottes; S. 9)

Worte sind die Farben des Bildes einer Persönlichkeit, der Klang, mit dem der Mensch sein Lebenslied singt. Wie und was wir von uns geben ist die Berührung mit unserer Umwelt. Kommunikation – Communio: Verständigung und Gemeinschaft. Der Mensch lebt aus der Verständigung mit seiner Umwelt, Sprache ist sein Werkzeug.

Worte können heilen und verletzen, sind Mahnmahle und Brücken, vergehen oder bleiben für lange Zeit. Manche brennen sich sogar ein in eine ständige Abrufbarkeit, zum Beispiel Angela Merkels „Wir schaffen das“ oder Trappatonis „Ich habe fertig“; Schlagworte, Worte des Jahres, Unworte des Jahres werden sogar gekürt.

Wir erinnern uns mit einem Lächeln an Don Camillos Dialoge mit Jesus am Kreuz. Camillo lernt, was es bedeutet, dem Herrn am Kreuz zu dienen, und demütig aber auch schlitzohrig bekennt er mit Blick nach oben: „Immer musst du, Herr, das letzte Wort haben!“

Letzte Worte ziehen besondere Aufmerksamkeit auf sich und die Person, die sie gesprochen haben: Caesars „Auch du mein Sohn Brutus“ oder „Mehr Licht“, was Goethe in seiner Sterbestunde sprach.

Für Christen sind die letzten Worte Jesu am Kreuz von entscheidendem Gewicht. Nicht zuletzt entwickelte sich um diese nicht zu vergessen die Andacht von den sieben Worten Jesu am Kreuz. Das erste ist die Bitte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Noch am Kreuz setzt er sich sogar für seine Verfolger ein. Er vergibt ihnen und hebt damit das Verzeihen höher als Vergeltung. Ein Vermächtnis besonderer Art.

„Es ist vollbracht“ ist sein letztes Wort.

Letzte Worte geben der Person, die sie sprachen nochmals ein besonderes Gewicht.

Sie sind in ihrem Inhalt aber oft auch Auftrag und Ausblick. Sie bekommen besondere Bedeutung und Aufmerksamkeit aufgrund der Unwiederholbarkeit.

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott.“

Jesus Christus ist das letzte Wort Gottes an die Menschheit, so Alfred Delp. Also eben nicht ein unverbindliches: „Darüber reden wir später nochmal.“ Nein. „Das Wort IST Fleisch geworden.“

Er ist das Wort, das am heutigen Zweiten Sonntag nach Weihnachten nochmals verkündet wird als das, was am Anfang bei Gott war: die Weihnachtsbotschaft nach Johannes ist eine Wortlyrik und verweist uns somit auf die besondere Bedeutung, die Gott in der Menschwerdung seines Sohnes für die Menschheit gesetzt hat: sein Auftrag und sein Ausblick, wie die Menschen gedacht sind: als eine Verschmelzung von irdischer Vergänglichkeit und überirdischer Ewigkeit.

Der Advent hat uns im Lied auf diesen Auftrag aufmerksam gemacht: „Gottes Wort will uns bewegen von dem Schlafe aufzustehn.“

Darum ist es gut, gleich eine Woche nach dem Weihnachtstag und am Beginn des neuen Jahres gleichsam als gute Vorsätze die Wortsätze Jesu über das Jahr und unser Leben zu schreiben:

- dein Glaube hat dir geholfen

- auch ich verurteile dich nicht

- gehe und sündige nicht mehr

- komm und folge mir nach

- ich will es, werde rein

- liebt einander, vergebt einander

Wenn wir so leben, wohnt Jesus weiter unter uns, und „das Wort wird Fleisch“, bekommt mit unserer je eigenen Persönlichkeit Hand und Fuß heute.

In Jesus entdecken wir die letzten Worte Gottes an die Menschheit, die Leben lassen, die Leben möglich machen, die das Leben sind in der Zeit und für die Ewigkeit.

Solche Worte wollen wir uns zu eigen machen, in dem wir Jesus Christus nachfolgen; solche Worte wollen wir mit Leben füllen; solche Worte sollen mit unserer Hilfe durch Gott in diesem neuen Jahr Mensch werden.

Und jeder und jede von uns hat dazu Fähigkeiten und Talente erhalten. Dort, wo an meiner Seite ein Mensch durch meine Worte, mein Reden und Tun neue Zuversicht bekommt, da, wo neu Gemeinschaft entsteht, Freude gelebt wird, die Lust am Leben alle Tristesse überwindet, da entsteht das Wunder des lebendig werdenden Gottes aufs neue.

Weihnachten: das letzte Wort Gottes an die Menschheit.


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Dieser Beitrag wurde am 05.01.2020 gesendet.





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