Wort zum Tage, 14.12.2019

von Pfarrer Ulrich Lüke, Münster

Bett

Um das Stichwort Bett ranken sich viele sprichwörtliche Redensarten: Wir sagen: „Sich ins gemachte Bett legen“ und meinen, von den Vorleistungen anderer profitieren.

Wir sagen: „mit jedem ins Bett gehen“, und meinen nicht nur Promiskuität und Prostitution. Wir meinen im übertragenen Sinne auch politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen Opportunismus, Opportunismus aus Berechnung oder aus Feigheit.

Wir sagen: „Wie man sich bettet, so liegt man“ und meinen, die Vorbereitung einer Sache sei entscheidend für Qualität und Erfolg ihrer Durchführung.

Wir sprechen vom „Umbetten“ und meinen das Exhumieren eines Toten und seine Beisetzung in einem anderen Grab.

Auch die Bibel kennt viel „Bettgeschichten“, Geschichten, die im Zusammenhang stehen mit dem Bett oder gar der Bahre, auf denen leidende und sogar tote Menschen liegen.

Mit den Worten: „Steh auf, nimm dein Bett und geh umher“ (Mk 2,9), macht Jesus dem Gelähmten Beine und zugleich spricht er ihm die Vergebung seiner Sünden zu, für den Gelähmten ein umfassender Neubeginn. Wo ein selbstverschuldetes Liegenbleiben vorliegt, wo wir lahm bis (Entschuldigung) lahmarschig sind, da stellt er uns, da macht er auch uns Beine, da stellt er uns auf die eigenen wider Erwarten standfesten Beine. Und damit sagt er uns: Trau dir zu, zu stehen und zu gehen.

„Die Schwiegermutter des Simon (so heißt es im Markusevangelium) lag mit Fieber im Bett.“ (Mk 1,30)

Jesus geht zu ihr, greift sie bei der Hand, richtet sie auf und heilt sie und befähigt sie damit zur Rückkehr in ihr gewohntes Leben.

Aber es gibt nicht nur Krankenbett- sondern auch Sterbebett- und sogar Totenbettgeschichten. Er fasst nicht nur die Kranken auf ihrer Tragbahre an, sondern auch die Toten auf ihrer Totenbahre. Den erst halbwüchsigen  Sohn einer Witwe aus Naim und die Tochter des Jairus holt er aus dem Tod

„Er fasste das Kind bei der Hand und sagte zu ihm: (…) Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ (Mk 5,41).

Und seinen Freund Lazarus von Bethanien (Joh 11,1–45), sie alle holt er aus dem Tod zurück in dies befristete Leben. Er lässt nicht nur die Lebenden von ihren Krankenbetten, sondern auch die Toten von ihren Sterbebetten aufstehen.

Die ungeheuerlichste Totenbettgeschichte hat mit Jesus selbst zu tun und mit seiner Auferstehung. Sie sagt uns, wir werden nicht umgebettet von einem Grab ins andere, erhalten nicht nur einen Nachschlag auf dieses befristete Leben. Wir werden auferstehen aus der Enge von Not und Tod in die Weite unbegrenzten Lebens. Der, dessen Ankunft wir in diesen adventlichen Tagen erwarten, sagt von sich:

„Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

Und er sagt zu uns:

„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh 11,25)

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 14.12.2019 gesendet.


Über den Autor Prof. Dr. Ulrich Lüke

Ulrich Lüke ist von Haus aus Theologe und Biologe. 1980 erhielt er die Priesterweihe. Daneben unterrichtete er zwölf Jahre als Lehrer die Fächer Religion und Biologie am Gymnasium. Nach der Promotion zum Thema "Evolutionäre Erkenntnistheorie und Theologie" im Jahr 1990 und der Habilitation Zum Thema "Bio-Theologie - Zeit, Evolution, Hominisation" im Jahr 1996 arbeitete er als Professor an der KFH Freiburg. Danach arbeitete er als Professor für die Theologische Fakultät in Paderborn sowie als Professor für Systematische Theologie an der RWTH Aachen. Seit 2017 ist Lüke als Krankenhauspfarrer im St. Franziskus-Hospital in Münster tätig. Kontakt
www.kt.rwth-aachen.de

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