Morgenandacht, 07.12.2019

von Martin Korden, Köln

Entscheide dich!

Wir gehen nicht nur auf Weihnachten zu, sondern unweigerlich auch auf den Jahreswechsel. Der 1. Januar ist ein magisches Datum. Kein anderer Tag im Jahr eignet sich so gut für einen echten Neuanfang. Und an keinem anderen Tag wird der berühmte Satz von Hermann Hesse so oft zitiert: vom Zauber, der allen Neuanfängen geheimnisvoll innewohnt. Ja, wichtige Entscheidungen können gerade im Hinblick auf den 1.1. angegangen werden nach dem Motto: „Tabula Rasa, im kommenden Jahr mache ich es anders!“

Aber: Solche Entscheidungen sollten gut überlegt sein und nicht spontan aus dem Bauch kommen um 5 vor 12 am Silvesterabend. Wer also den verlockenden Zauber des Neuanfangs mitnehmen will, der sollte spätestens jetzt damit beginnen, in sich zu gehen. Damit meine ich nicht die üblichen Neujahrsvorsätze, die ohnehin nicht lange halten.

Wer am 1.1. etwas anders angehen will, der weiß schon jetzt ziemlich genau, um was es sich da handeln könnte. Denn den Schwung des Neuen mitzunehmen, lohnt sich vor allem in Hinblick auf Überlegungen, die doch schon lange im Unterbewusstsein schlummern und in schöner Regelmäßigkeit an die Oberfläche schwappen. Ich bin mir sicher, dass fast jeder Mensch im vergangenen Jahr immer wieder an einen bestimmten Punkt kam: Soll ich oder soll ich nicht? Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt, im Hinblick auf gerade diese Überlegung eine Entscheidung anzugehen für das Neue Jahr.

Eines ist dabei sicher: Die Entscheidung zu etwas „Ja“ zu sagen, beinhaltet gleichzeitig das oft schmerzhafte „Nein“ zur Alternative. Jesus von Nazareth ermuntert in seiner Bergpredigt zu einem solchen Lebensstil mit klaren Worten: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“

Anders ausgedrückt: Entscheidet euch in aller Konsequenz und zieht es dann auch durch, denn das öffnet neue Perspektiven. Und erst eine solche Entscheidung ermöglicht dann, altes hinter sich zu lassen und wirklich frei zu sein, Neues zu entdecken.

Die Jesuiten gelten in der katholischen Kirche als die Experten in Sachen Entscheidungsfindung. Ausgehend von den Erfahrungen ihres Ordensgründers Ignatius haben sie mit dem Blick auf ein innerliches, geistliches Leben Kriterien entwickelt zur Entscheidungsfindung.

Eine aus meiner Sicht ideale Methode ist dabei die: Wenn ich zum Beispiel überlege, ob ich ein konkretes Jobangebot annehme oder meine bisherige Arbeit behalten soll, dann nehme ich mir vor, den kommenden Tag mit der festen Entscheidung zu leben, den neuen Job anzunehmen. Das heißt, vom Wachwerden bis zum Einschlafen gehe ich mit dem klaren Gedanken durch diesen Tag: Du hast dich entschieden, das wird dein neuer Job im kommenden Jahr, die andere Arbeit lässt du sein.
Am Tag danach aber werde ich von morgens bis abends leben mit dem Gedanken: Ich habe mich entschieden, meine Arbeit zu behalten, das wird meine Zukunft sein und bleiben. Konsequent werde ich an alles, was mir an diesem Tag begegnet, herangehen mit dieser Entscheidung im Hinterkopf. So wird es sein.

Das Entscheidende: Abends werde ich jeweils einen Tagesrückblick halten und aufschreiben, wie es mir mit diesem Experiment ergangen ist. Was war verlockend? Was war dagegen angsteinflößend? Wo bin ich auf Widerstände gestoßen und wo habe ich eine Begeisterung gespürt? Und das wichtigste: an welchem der beiden Tage habe ich dabei einen inneren Frieden gespürt, der so stark war, dass Gegenargumente zwar ihren Platz hatten, aber das lockende Gefühl nicht mehr wegdrücken konnten.

Auch wenn das jetzt möglicherweise sehr theoretisch und fast schon zu einfach klingt: Für mich war diese Methode schon mehrmals sehr hilfreich und sie stammt aus dem reichen Erfahrungsschatz von hunderten Jahren. Das konsequente Leben mit einer Entscheidung durch einen Tag hindurch, gibt dem inneren Kompass erst die Möglichkeit, zu einem deutlichen Ausschlag.  


Versuchen Sie es doch einmal selbst, im Hinblick auf Ihren Neuanfang 2020.

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 07.12.2019 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Eine erste Hörfunkausbildung erhielt er im Rahmen seines Wehrdienstes beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie. Es folgte das journalistische Volontariat bei der Katholischen Fernseharbeit und eine langjährige Tätigkeit für DOMRADIO.DE in Köln. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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