Morgenandacht, 06.12.2019

von Martin Korden, Köln

Nikolaus - Heilig!

Heute feiert die Kirche ihren vielleicht bekanntesten Heiligen – den Heiligen Nikolaus. Selbst die dem katholischen Glauben Fernstehenden kennen ihn, manche verwechseln ihn mit dem Weihnachtsmann und sehen ihn ihm nur den Mann mit dem weißen Rauschebart – aber schon jedes Kind weiß: „Niklaus war ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann!“

2017 wurden die Gebeine des Hl. Nikolaus für eine kurze Zeit vom eigentlichen Grab im italienischen Bari nach Moskau gebracht. 2 Mio. Menschen sind damals gekommen, um nach stundenlangem Warten in einer Schlange an deren Ende den Reliquienschrein des Heiligen im Vorbeigehen anzufassen.

Wie kommt es, dass sich das Andenken an einen Menschen, der im 4. Jahrhundert lebte, so lange hält? Nikolaus lebte in Kleinasien, das damals zum römischen Reich gehörte. Der Legende nach erbte er als junger Mann ein großes Vermögen, das er aber nicht für sich behielt, sondern gezielt an Bedürftige aus seiner Nähe verteilte. Dabei soll er das Geld aber nicht in großer, öffentlicher Geste verteilt – sondern heimlich den Bedürftigen zugesteckt haben. Von daher stammt übrigens der Brauch, an Nikolaus Schuhe rauszustellen, als mögliches Geschenkeversteck.

Nikolaus wurde Priester, später Bischof. Er soll die Fähigkeit gehabt haben, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen aber gleichzeitig soll er auch ein temperamentvoller Streiter gewesen sein. So nahm er am Konzil von Nicäa teil, auf dem das bis heute geltende christliche Glaubensbekenntnis festgelegt wurde. Nikolaus wurde jedenfalls schon zu Lebzeiten verehrt und hochgeachtet, weil man ihm vertraute. Er soll eine natürliche Autorität und Größe ausgestrahlt haben.

Und ich glaube, darin liegt der Schlüssel. Es gibt diese Menschen, bei denen man spürt: Sie leben absolut authentisch, sie sind unverstellt ganz sie selbst und wirken genau dadurch auf ihre Umwelt. Ihr Talent, ihr Charisma setzen sie voll und ganz ein. Und das wird dann immer nach außen fruchtbar – oder christlich gesprochen: Sie leben die Berufung, die sie von Gott erhalten haben. Das macht sie zu Heiligen. Es muss nicht etwa ein tadelloses Leben sein, voller guter Taten – es gibt unzählige in der Kirche als Heilige verehrte, von denen man weiß, dass sie ihrer Umgebung nicht selten das Leben auch schwer machten oder als merkwürdige Vögel galten.

Heilige werden deshalb heilig, weil sie durch ihr Leben hinweisen auf einen größeren Zusammenhang, auf eine Wirklichkeit, die über das bloß sichtbare, ja über das irdische Leben hinausgeht. Und sie sind deshalb heilig, weil sie nicht anders konnten, als so zu handeln, so zu sprechen, so zu leben, wie sie es getan haben, auch wenn sie sich selbst dabei verbrauchten oder in Gefahr brachten. Sie vertrauten auf den in ihrem Innern wahrgenommenen Ruf.

Vielleicht ist es das, was die Menschen im Umfeld dieser Heiligen zu Lebzeiten erkennen ließ: Dieser Mensch muss etwas erfahren haben, in ihm hat Gott gewirkt. Eine solche Wirkung auf die Umwelt erzählt man sich von Heiligen wie eben Nikolaus, vom Heiligen Martin und Franz von Assisi. Aber es gibt auch jüngere Beispiele aus unserer Zeit, ich denke an Johannes Paul II. oder an Mutter Teresa. Bei ihren Beerdigungen schaute die Welt hin, weil sie irgendwie gespürt hatte: das war nicht irgendein Mensch unter vielen.

Wenn Menschen auf diese Weise verehrt werden, weil sie für eine Wirklichkeit stehen, die über unsere sichtbare hinausgeht, dann wirkt es auf nicht wenige lebensfremd. Und oft sucht man dann bei solchen Menschen, die zu sehr verehrt werden, besonders nach dem vermeintlich dunklen Fleck – nach dem Motto: „Da muss ein Haken dran sein.“

Mag sein, dass die Vernunft sich zu Recht wehrt und eine Spur Nüchternheit immer gut ist, um uns vor unrealistischen Schwärmereien zu bewahren. Mag aber auch sein, dass diese Menschen aufgrund ihres authentischen Lebens eine Wahrheit wachhalten, die wir oft genug aus dem Blick verlieren. Und hören wir nicht gerne ihre Geschichten, weil sie den Himmel offenhalten?

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 06.12.2019 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandradio. Eine erste Hörfunkausbildung erhielt er im Rahmen seines Wehrdienstes beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie. Es folgte das journalistische Volontariat bei der Katholischen Fernseharbeit und eine langjährige Tätigkeit für DOMRADIO.DE in Köln. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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