Weihnachten - Hochfest der Geburt des Herrn

Predigt des Gottesdienstes aus der Kirche St. Hildegard, Emmelshausen


Predigt von Pfarrer Christian Adams

Wenn man eine neue Geheimzahl für die Bankkarte bekommt oder die Zugangsdaten für einen Telefon- oder Internetanschluss, oder sonst einen wichtigen Vorgang, dann ist im Adressfeld des Briefes meist der Vermerk „persönlich/vertraulich“ zu lesen. Damit ist klar, wer den Brief öffnen darf und für wen der Inhalt bestimmt ist, eben „persönlich/vertraulich“.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn Weihnachten ein Brief wäre, würde er sicher auch diese Aufschrift tragen: „persönlich/vertraulich“. Wieso? Weihnachten ist doch kein Geheimnis? Die Botschaft kennt doch fast jedes Kind! Warum soll diese dann „persönlich/vertraulich“ sein?

Gerade wurde uns der Anfang des Johannesevangeliums verkündet. Jahr für Jahr wird uns dieser Text am Weihnachtstag zu Gehör gebracht. Es ist kein Geheimnis: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Gott hält sein Wort und das zeigt sich ganz konkret in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus, dem kleinen Kind im Stall von Bethlehem. Hier offenbart sich der große Gott ganz „persönlich/vertraulich“. Er kommt in die Welt und will uns Menschen nahe sein und seine Liebe zeigen.

Seit rund 2000 Jahren wird Weihnachten gefeiert. Wenn wir heute auf unsere Welt schauen, in die Nachrichten, auf die Kriege und Konflikte im Großen und im Kleinen, auf Ungerechtigkeit und Ausbeutung der Schöpfung und viele andere Missstände, dann könnte man den Eindruck bekommen, dass die Weihnachtsbotschaft immer noch nicht so richtig angekommen ist.

„persönlich/vertraulich“ – Weihnachten ist keine Revolution, kein Umsturz und kein großer Paukenschlag mit dem plötzlich alles anders wird. Die Botschaft von diesem unserem Gott, der sich uns in Liebe zuwenden will ist immer eine persönliche Botschaft. Wir dürfen diese Botschaft persönlich nehmen! Denn „allen die ihn Aufnahmen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ heißt es im Evangelium. Da ist jede und jeder angesprochen: Sie, und du, und ich!

Gott ist Mensch geworden ganz „persönlich/vertraulich“ für dich und mich. Vielleicht müssen wir diese Botschaft noch einmal neu entdecken. „Das Wort ist Fleisch geworden“, für jeden von uns. Und gerade da, wo wir uns vielleicht in unserer Welt und in unserem Leben ein starkes Wort Gottes – ein Machtwort – erhoffen; wo wir angesichts persönlicher Schicksalsschläge, Enttäuschungen und von Leid und Krankheit das scheinbare Schweigen Gottes ertragen müssen, da ist uns dieses Wort geschenkt. Gott wird Mensch und schenkt sich uns.

In einem modernen weihnachtlichen Lied von Barbara Kolberg kommt das zum Ausdruck, wenn es da heißt: „Gott hat in seinem eignen Sohn / sich in die Welt gegeben. / Wer ihn bei sich aufnimmt und ihn zur Welt bringt, /wird neu geboren, der wird Mensch“ (nach einem Zitat von Karl Rahner, Gotteslob Trier 761). Gottes Sohn ist nicht irgendeine abstrakte Erscheinung, er ist die Liebesbotschaft an einen jeden von uns ganz „persönlich/vertraulich“.

Er zeigt uns seine Nähe, gerade da, wo Not und Leid unser Leben prägen: Wir sind nicht vergessen, Gott ist uns nah!

Gerade da, wo es im zwischenmenschlichen Bereich schwierig ist, wo es Konflikte, Streit oder Trennung gibt, da zeigt er uns Wege zum Frieden im Herzen.

Und auch da, wo große gesellschaftliche Fragen zu klären sind, ist Gottes Wort eine Zusage an uns, und es ist unser Auftrag als Christen, durch unser Tun diesem Wort in der Welt ein Gesicht zu geben.

Lassen wir uns an diesem Weihnachtsfest neu einladen, diesem Wort neu zu vertrauen, denn es ist einem jedem von uns zugesagt, vielleicht müssen wir nur noch einmal neu auf dieses Gotteswort hören lernen, ganz „persönlich/vertraulich“.

Amen.


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑

Dieser Beitrag wurde am 25.12.2019 gesendet.





Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche