Morgenandacht, 30.12.2019

von Heiner Redeker, Fröndenberg

Everyday for future

„Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Frieden bei den Menschen seiner Gnade“. Mit diesen Worten endet die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium, die viele Menschen in den Gottesdiensten am Heiligen Abend gehört haben. Der Wunsch nach Frieden in der Familie und in der Welt gehört zum Weihnachtsfest genauso dazu wie Tannenbaum und Krippe.

Aber es ist ja nicht nur in der Weihnachtszeit so. Welchen Stellenwert das Grundbedürfnis der Menschheit nach Frieden hat, wird meiner Meinung nach in besonderer Weise deutlich in der jährlichen Vergabe des Friedensnobelpreises in Oslo. Nicht nur Literaten, Physiker, Chemiker und Mediziner werden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, sondern auch Menschen, die sich besonders für den Frieden engagieren. Im Vorfeld war für den Friedensnobelpreis die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg bei den Buchmachern ganz hoch gehandelt worden. Bekommen hat sie den Preis nicht, dafür aber den so genannten Alternativen Nobelpreis der Right-Livelihood-Stiftung.

Greta Thunberg ist eine Persönlichkeit, die polarisiert. Ich mag die erst sechzehnjährige unerschrockene Gallionsfigur der „Fridays for future – Bewegung“. Ich bewundere ihren Mut, wie sie zum Beispiel den Politikern auf der UN-Weltklimakonferenz in einer emotionalen und bemerkenswerten Rede die Leviten gelesen hat! Sie erinnert mich an meine Jugend in den Achtzigern, als es ein erstes großes Aufbegehren gegen die Zerstörung der Umwelt gab.

Greta Thunberg findet starke und klare Worte, schafft es aber ebenso, auf eine einfache und eindringliche Art, ihre Sorge um die Umwelt und die Zukunft unseres Planeten zu kommunizieren. Und sie sensibilisiert die Menschheit für den Frieden mit der Schöpfung und ihren Geschöpfen. Wie ernst sie es damit nimmt, demonstrierte sie durch ihre Anreise zum Klimagipfel in New York, in einem Segelboot - möglichst klimaneutral ohne jeglichen Komfort.

Vor 800 Jahren gab es schon einmal einen jungen Mann, der es ernst meinte - Franz von Assisi. Er gab sein Leben in Sicherheit und Reichtum auf und fand dann in völliger Armut seinen inneren Frieden. Er gilt heute als Schutzpatron der Umweltbewegung. Gegen Ende seines Lebens hat er ein wunderbares Gebet geschrieben: Seinen Sonnengesang.

Jede Strophe beginnt mit den Worten: „Gelobt seist du, mein Herr…“. Dieser Beginn drückt seine innige Verbundenheit mit Gott und seine tiefe Dankbarkeit für das Geschenk der Schöpfung mit ihren Geschöpfen aus. Franziskus nennt den Mond, die Sterne und das Wasser seine Schwestern. Er bezeichnet Sonne, Wind, Luft und Wolken als seine Brüder und die Erde nennt er seine Mutter.

Das Gebet ist für mich eine der schönsten Hymnen auf den Schöpfergott und seine Schöpfung. Aber ebenso fordert der Text des Heiligen Franziskus uns heraus, auch unser Verhalten gegenüber der Schöpfung zu hinterfragen. Und er zeigt uns dabei einen Weg auf, indem es um mehr als einfach nur den Umweltschutz geht. Es geht um eine Form der inneren Haltung im Leben: den Schöpfer zu ehren, indem ich die Schöpfung und die Geschöpfe gleichsam als Bruder und Schwester begreife. Wenn ich die Erde als Mutter verstehe, ist es mir unmöglich, sie auszubeuten. Wenn ich die Tiere als meine Geschwister sehe, kann ich ihr mannigfaltiges, vom Menschen aus Profitgier zugefügtes Leid nicht ertragen. Wenn ich jeden Menschen auf dieser Erde als Bruder und Schwester sehe, ist es mir unerträglich, sie in Hunger und Armut oder ertrinkend vor den Küsten Europas zu sehen. 

Ich stelle mir vor: Wenn wir mit dem Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi den Tag beginnen würden, könnte das eine besondere Wirkung haben: Denn damit wird mir die wunderbare Schönheit der Schöpfung mit ihren Geschöpfen, aber auch gleichzeitig mit ihrer Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit immer neu bewusst. Mit dieser Haltung gäbe es dann einen „Everyday for Future“ und vielleicht würden wir der weihnachtlichen Verheißung der Engel vom „Frieden auf Erden bei den Menschen“ ein Stück näher kommen.

 

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 30.12.2019 gesendet.


Über den Autor Heiner Redeker

Gemeindereferent Heiner Redeker ist 1967 in Lippstadt geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das Studium der Religionspädagogik und sein Anerkennungsjahr absolvierte er in Paderborn. Seit 1993 ist er Gemeindereferent im Pastoralverbund Fröndenberg/Ruhr. Im Jahr 2014 machte er eine Fortbildung zum biblischen Geschichtenerzähler. Diese Form der Glaubensvermittlung ist seitdem ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit und bereitet ihm viel Freude. Kontakt: redeker@st-marien-gemeinde.de

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