Feiertag, 08.12.2019

von Martin Korden, Köln

Unterschätzt und missverstanden: Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis

Maria, die Mutter Gottes, ist nach der Lehre der Katholischen Kirche „unbefleckt“. Dabei geht es nicht um die Jungfrauengeburt, sondern darum, dass Maria makellos ist. Doch wie kann es sein, dass Maria, die ja auch ein Mensch war, frei von Sünde ist?

© Marion Sendker

„Als du geboren wurdest, heilige Maria,ist uns die wahre Morgenröte erschienen, eine Vorbotin des kommenden Tages. Wie das Morgenrot das Ende der Nacht ankündet, so brachtest du das Ende des Leids und den Anfang des Trostes, das Ende der Trauer und den Ursprung der Freude.“

Diese Zeilen stammen aus einem Marien-Gebet des 11. Jahrhunderts. Es klingt antiquiert, mit salbungsvollen Worten, die unserer Sprache heute eher fremd sind. Doch sie strahlen Erhabenheit aus, wie so viele Marienlieder und -gebete, bei denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Vielleicht sind die Lieder und Gebete gerade deshalb vielerorts noch so beliebt, weil sie eine Spur von Ewigkeit vermitteln und weil sie ein Geheimnis transportieren.

„Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“

„Saget an, wer ist doch diese, die überm Paradiese als Morgenröte steht.“

„Krone der Erde, der himmlischen Zier, Himmel und Erde sie huldigen dir.“

Was hinter dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis steckt

In diese Sprache reiht sich das Fest ein, das die Kirche alljährlich am 8. Dezember feiert: Das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ – in der Kurzform für den Kalender auch „Mariä Empfängnis“ genannt. Fällt der Tag jedoch auf einen Sonntag, so wie heute, wird das Fest vom Adventssonntag verdrängt und kirchlich am folgenden Tag nachgeholt.

Aber: Heute auf den Tag genau vor 165 Jahren hatte Papst Pius IX. die zum Fest gehörende Lehre von der „Immaculata Conceptio“ feierlich zum Dogma erhoben. Die deutsche Übersetzung als „Unbefleckte Empfängnis“ wirkt genauso antiquiert wie so manches Mariengebet und führt zu Missverständnissen. Die sind in diesem Fall nicht nur erwartbar, sie sind ebenso unerfreulich – weil sich hinter diesem Fest eine Theologie verbirgt, die Kardinal Kasper einst als einen der wichtigsten Beiträge des Christentums zur Geistesgeschichte bezeichnete. Denn hier werden gleich mehrere Glaubensgrundsätze berührt. Hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der christlichen Rede von der Erlösung und die Antwort auf die oft gestellte Frage: „Von was muss der Mensch eigentlich erlöst werden?“

Es berührt die philosophische Frage nach dem Wesen des Menschen. Es geht hier nicht um ein kompliziertes kirchliches Konstrukt, auf das man doch als moderner, aufgeklärter Mensch gut verzichten könnte. Was die Kirche mit der „Unbefleckten Empfängnis“ meint, wird zum fehlenden alles verbindenden Puzzlestück zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, zwischen dem Beginn und dem Ziel der Schöpfung aus christlicher Sicht. Zwar ist Maria selbst als die so benannte „Unbefleckte Empfängnis“ dabei nicht die wichtigste Figur, aber mit ihr beginnt der entscheidende Spielzug, der das Puzzle von der Geschichte Gottes mit dem Menschen vervollständigt.

Es geht nicht um die Jungfrauengeburt

Doch nun der Reihe nach. Und zuallererst eine wichtige Klarstellung: Der Begriff der „Unbefleckten Empfängnis“ spricht nicht – wie so oft vermutet – die Jungfrauengeburt an. Es handelt sich wohl um das weitverbreitetste Missverständnis im Zusammenhang mit diesem Begriff.

Es geht vielmehr um die Empfängnis Mariens selbst, also um den ersten Augenblick ihrer Existenz – im Mutterleib ihrer Mutter. Das war laut Überlieferung die Heilige Anna. Und hier liegt der Grund, warum das kirchliche Fest „Mariä Empfängnis“ auf den 8. Dezember fällt. Rechnet man nämlich neun Monate weiter, landet beim 8. September, an dem die Kirche die Geburt Mariens feiert. „Mariä Empfängnis“ meint also den Beginn des Lebens der Maria und nicht den Beginn ihrer Schwangerschaft mit Jesus und erst recht nicht dessen Geburt.

Doch inwiefern war Maria nun „unbefleckt“? Eine mehr als unglückliche deutsche Übersetzung – es lohnt deshalb der Blick auf das lateinische Original: Immaculata. Das heißt: makellos – aber nicht im Sinne von schön. Sondern im Sinne von ursprünglich, rein, fehlerfrei, so, wie gedacht. Makellos könnte ein weiteres Adjektiv der süßlichen Verehrung sein, von denen die Marienlieder voll sind. Aber hier geht es um mehr. Das Wort ist hier im Zusammenhang mit dem Beginn ihrer Existenz genannt, sie ist die Unbefleckte Empfängnis. Das heißt, noch ehe überhaupt ein Mensch von ihr weiß, ist Maria bereits makellos und so wie gedacht. Das heißt, sie ist es vor ihrem Schöpfer, vor Gott.

Maria als Brücke zwischen Himmel und Erde

„Conceptio Immaculata“: Die Kirche hat die besondere Rolle der Maria für die Geschichte Gottes mit den Menschen stets hervorgehoben. Durch sie kommt der Sohn Gottes auf die Welt – das heißt, der Heilsplan beginnt schon in der Generation zuvor. Gott will dieser Maria seinen Sohn anvertrauen, er will sie zur Muttergottes werden lassen, dazu wird er ihr in einer Unmittelbarkeit begegnen, die dem Menschen fremd ist. Dazu bedarf es einer Gottesbeziehung, wie sie die Menschheit auf ihrem Weg verloren hat. Gott überwindet in Maria die Grenze zwischen Himmlischem und Irdischem. Gott durchbricht die Grenze, die er selbst gesetzt hat. Die Kirche nennt Maria darum frei – frei von der Erbsünde. Und das ist gleich die nächste unglückliche deutsche Übersetzung, die mehr Missverständnisse hervorruft als eine Ahnung zu eröffnen.

Darum auch hier der Blick auf das Original: „Peccatum Originale.“ Bedeutet übersetzt: Die Ur-sünde. Während wir in der deutschen Sprache hinter der Sünde eigentlich nur noch eine konkrete Tat verstehen, eine persönliche Verfehlung, bedeutet Sünde dem Wortsinn nach eigentlich „Trennung“. Mit der Ur-Sünde – Peccatum Originale – ist damit die Trennung zum Ursprung gemeint, die Trennung vom Original, die Trennung, von dem, was es eigentlich hätte sein müssen, und damit verbunden: die Trennung von Gott.

Die Ursünde ist damit der Name für einen Zustand, in dem sich der Mensch befindet – in einer Trennung von Gott, seinem Ursprung, er lebt nicht in Unmittelbarkeit zu seinem Schöpfer, er lebt nicht in dem vertrauensvollen Wissen, dass Gott da ist. Der Mensch kann Gott erahnen, an ihn glauben, aber niemals zweifelsfrei um ihn wissen, wie ein Kind um seinen Vater weiß. Diese Trennung, diese Ur-Sünde wird zur Erbsünde, weil jeder Mensch diesen Zustand geerbt hat. Er kommt so auf die Welt. Es ist nicht mehr so, wie es einmal gedacht war, der Mensch lebt entfremdet von seinem Schöpfer.

Warum kann der Mensch es nicht alleine schaffen?

Doch am Anfang war das nicht so: „Am Anfang war das nicht so.“ Ein Satz, den Jesus einmal recht beiläufig in der Auseinandersetzung mit den Gesetzeslehrern seiner Zeit sagt. Es geht um das Zusammensein von Mann und Frau und die Frage, wie lange man es mit seiner Frau aushalten muss. Und Jesus macht klar, die Entfremdung zwischen Mann und Frau, das ist nicht der Plan. Am Anfang war das nicht so gedacht. Und das lässt aufhorchen: Was meint Jesus mit „am Anfang“? Waren die Welt und der Mensch einmal anders? Mehr noch, wohnt im Menschen eine geheimnisvolle Schwäche, die ihn davon abhält, so zu sein, wie er in jenem Anfang sein sollte, also wie er dann vom Schöpfer gedacht war?

Die Bibel und die Philosophie sind voller solcher Überlegungen, die sich nicht nur in der Frage nach einer Entfremdung zu Gott äußern. Es wird die Frage gestellt: Gibt es eine Entfremdung des Menschen zu sich selbst? Ist er von Natur aus gut oder schlecht? Und wenn er gut ist, gibt es dann in ihm eine Kraft, die trotzdem dazu führt, dass er auch zum Bösen neigt?

Der heilige Paulus – Völkerapostel – Kämpfer für das Christentum – er kommt im Brief an die Römer zerknirscht zu der Erkenntnis:

„Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Schlechte, das ich nicht will.“

Die kirchliche Rede von der Erbsünde fasst das alles zusammen: Irgendetwas stimmt nicht im Lauf der Welt. Wenn es Gott gibt und er die Welt am Anfang gut erschaffen hat, wie es die Bibel auch sagt, dann muss danach etwas aus dem Lot geraten sein. Und alle – ja alle Menschen spüren das. Ich bin nicht so, wie ich sein könnte. Ich neige dazu, Fehler zu machen, meinen Mitmenschen zu verletzen. Und noch mehr: Es fällt mir schwer, zu glauben, dass es diesen Gott wirklich geben soll. Müsste ich nicht eigentlich in einer vertrauten Nähe zu ihm leben können, wenn er mich doch erschaffen und gewollt hat? Aber ich kann Gott nicht unmittelbar erfahren oder spüren.

Woher kommt die Erbsünde? 

„Fremd wie dein Name sind mir deine Wege.“

„Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.“

„Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen“

„Seit Menschen leben rufen Sie nach Gott, mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?“

Zeilen des niederländischen Dichters und Theologen Huub Osterhuis. Sie knüpfen an die genannten Erfahrungen an. Doch woher kommt diese innere Zerrissenheit – woher kommt die Erbsünde?

Die Bibel befasst sich gleich in ihren ersten Kapiteln mit dem Wesen des Menschen und seiner ihm innewohnenden Schwäche. In der Erzählung von Adam und Eva im Paradies nähert sich die Heilige Schrift in großen Bildern diesem Geheimnis. Sie wortwörtlich zu verstehen, würde ihre Bedeutung schmälern – als Bilder eröffnen sie tiefe Einblicke…

Das Paradies steht für ein vertrauensvolles Verhältnis zu Gott, er wohnt dort gemeinsam mit den Menschen, sie wissen um ihn. Mann und Frau sind nackt voreinander, sie schämen sich nicht ihrer Ursprünglichkeit, sie sind frei, sie sind original, das Leben ist so, wie Gott es gedacht hat.
In diesem Paradies gibt es nur eine Regel. Der geheimnisvolle Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, er ist allein Gott vorbehalten. Von diesem Baum dürfen die Menschen nicht essen.

 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und begehrenswert. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz.
Als sie an den Schritten hörten, dass sich Gott, der HERR, beim Tagwind im Garten erging, versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott inmitten der Bäume des Gartens.

Aber Gott rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?
Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

Darauf fragte Gott: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?
Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?

Der Mensch antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen.
Und Gott sagte: Was hast du getan?“

Das Ur-Vertrauen ist verloren, Gott und Mensch fremdeln 

Was hast du getan, Mensch? Der Mensch hat von dem Baum gegessen, der allein Gott vorbehalten war – der Sinn hinter diesem Bild: Der Mensch hat sich selbst an die Stelle Gottes gesetzt. Er hat Gott eine Absage erteilt und damit gesagt: „Ich will selbst Gott sein, also selbst Herr sein über Gut und Böse, über Richtig und Falsch – ich erkenne dich nicht mehr als meinen Schöpfer an.“

Nach diesem Überschreiten der gesetzten Grenze ist alles anders: Das Ur-Vertrauen zwischen den Menschen ist verloren gegangen – sie wollen nicht mehr nackt voreinander sein. Und auch die Gemeinschaft mit Gott ist gestört, die Unmittelbarkeit ist plötzlich nicht mehr da – die Menschen verstecken sich vor ihm, Gott muss sie suchen. Eine eigenartige Entfremdung ist eingetreten, und hat die ganze Schöpfung erfasst.

Wie die Geschichte weitergeht ist bekannt: Die Menschen gehen ihre eigenen Wege. Der Weg zum Paradies ist versperrt, die Tür ist verschlossen und wird bewacht von einem Engel, einem Kerub, wie die Bibel ihn nennt. Von da an gilt das für alle Menschen, die bereits mit dieser Bürde, mit dieser Trennung auf die Welt kommen. Die Ur-Sünde ist ihnen vererbt.

Diese biblische Erzählung ist natürlich kein historischer Bericht, aber auch kein Mythos. Die Bilder sprechen von einer Wirklichkeit, die durch die gläubige Betrachtung des Lebens erfasst wird. Und die sich dem Geheimnis des menschlichen Wesens und seiner eigenartigen Zerrissenheit annähern.

Vor allem, wenn man sie betrachtet mit dem Wissen um das Kommende. Wenn man diese Erzählung vom Anfang der Bibel mit den Geschehnissen am Ende der Bibel beleuchtet. Und hier kommt Maria wieder ins Spiel – die „Unbefleckte Empfängnis“.

Gott will eine neue Freundschaft mit dem Menschen schließen

Ave Maria. Gegrüßt seist du, der Herr ist mit dir. In unzähligen Varianten ist die Verkündigung des Engels an Maria vertont worden. Über Jahrhunderte feierte man am Gedenktag der Verkündigung am 25. März den Jahresbeginn, denn: In diesem Ereignis liegt der Neuanfang. Maria erhält hier die Botschaft, sie werde den Sohn Gottes zur Welt bringen.

Das „Wort“, wie es der Evangelist Johannes später nennen wird: Jesus wird die Ant-wort Gottes auf die bestehende Trennung, auf den Graben zwischen Gott und Mensch. Jesus kommt in die Welt, um eine neue Freundschaft zwischen Gott und Mensch zu begründen, um einen neuen Bund zu schließen. So sagt Jesus es selbst am Abend vor seinem Tod im Abendmahlssaal: Als er ankündigt, die Sünde der Welt hinweg zu nehmen. Das ist die oft benannte Erlösung des Menschen, Gott selbst beendet die Trennung, er tilgt die Ur-Sünde. Was der Mensch aus eigener Kraft nicht schaffen kann, schafft Gott selbst: Mit Jesus wird der Weg zur Gemeinschaft mit Gott wieder geöffnet. Mehr noch: Er selbst wird zum Weg. Die Botschaft von Weihnachten lautet: Nicht der Mensch muss versuchen, den Graben zu Gott zu überwinden, Gott selbst kommt und schüttet den Graben zu.

Was sich an Ostern vollendet, beginnt an Weihnachten. Ein Weihnachtslied verweist auf die Verbindung zur Paradieserzählung:

„Heut schließt er wieder auf die Tür, zum schönen Paradeis,
der Kerub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.“

Das ist der neue Heilsplan Gottes – und der beginnt mit Maria. Wenn ein Mensch den Sohn Gottes auf die Welt bringen soll, dann wird Gott zu diesem Menschen von Beginn an eine unmittelbare Beziehung aufnehmen. So wird Maria empfangen frei von der Erbsünde, wie das Fest des 8. Dezember es formuliert. Sie ist so, wie Gott den Menschen im Ursprung gedacht hat. Aus dieser unmittelbaren und vertrauensvollen Nähe kann Maria später dem Engel ihre Antwort geben: „Mir geschehe, wie du gesagt“.

Wir erklären und verkünden: die Lehre, dass die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von Seiten des allmächtigen Gottes von jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muss deshalb von allen Gläubigen geglaubt werden.“

Maria, die mit der Sonne bekleidete Frau

Als Pius IX. am 8. Dezember 1854 das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis verkündete, markierte dies das Ende eines jahrhundertelangen Ringens. Nicht wenige hatten Zweifel, ob man diese Annäherung an ein Glaubensgeheimnis in einem speziell formulierten Glaubenssatz hätte festschreiben müssen – als Dogma.

Dass Maria als Mensch im Heilsplan Gottes einen besonderen Platz innehat, war stets unumstritten. Zumal sich im letzten Buch der Bibel, in der Apokalypse, der großen Vision über die letzten Dinge, noch einmal der Hinweis auf die herausgehobene Stellung der Gottesmutter findet: 

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und […] sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird.“ (Offb 12)

Die Frau mit der Sonne bekleidet. Da ist sie wieder, die Sprache der Marienlieder – die sich in Bildern versucht einem Geheimnis zu nähern, das von der Geschichte Gottes mit dem Menschen spricht. Bilder, die eine Deutung liefern und die Geistesgeschichte Europas mitgeprägt haben.

Der Kranz von 12 Sternen ist nicht nur über dem Kopf zahlreicher Marienstatuen zu sehen. Er ziert auch die Flagge der Europäischen Union. Als man 1949 die Frage nach einer gemeinsamen Fahne stellte, wurde das nach dem Vorbild der skandinavischen Flaggen vorgeschlagene Kreuz von den Sozialisten abgelehnt als „zu christlich“. Da griff der damalige Leiter der Kulturabteilung des Europarates, Paul Lévi, zu einem Trick: Er schlug den Kranz der 12 Sterne vor – wohlwissend um die biblische Bedeutung. Der Plan wurde angenommen und seit dem ist es das Symbol Europas: Die 12 Sterne der Unbefleckten Empfängnis.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 08.12.2019 gesendet.


Über den Autor Martin Korden

Martin Korden, geboren 1980 in Adenau, ist Beauftragter der Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur und Deutsche Welle. Nach dem Abitur absolvierte er im Rahmen seines Wehrdienstes eine erste Hörfunkausbildung beim Truppenbetreuungssender „Radio Andernach“. Anschließend studierte er in Trier und Brixen Katholische Theologie und schloss 2006 mit dem Diplom ab. Das journalistische Volontariat absolvierte er bei der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt am Main. Neben der Aufgabe als Senderbeauftragter ist er seit vielen Jahren für DOMRADIO.DE in Köln und für die Katholische Fernseharbeit tätig. Kontakt: m.korden@dbkradio.de

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