Wort zum Tage, 25.11.2019

von Joachim Ophale, Berlin

Friede ihrer Asche!?

"Streut meine Asche in den Wasserfall hinter dem Haus" – hat die Frau in ihr Testament geschrieben. Ihre sterblichen Überreste sollen buchstäblich weggespült werden, auf Nimmerwiedersehen. Das ist ihr letzter Wille!

Die beiden erwachsenen Kinder der Frau aber sind sich uneinig darüber, ob sie diesen letzten Willen der Mutter in die Tat umsetzen sollen. Die Tochter ist dazu bereit, aber der Sohn weigert sich. Er will einen festen Ort der Erinnerung haben; ein Grab mit traditioneller Erdbestattung oder zumindest eine Urne auf dem Friedhof. So könne er besser um die geliebte Mutter trauern. Es ist nicht bekannt, wie die Geschichte ausging. Aber sie zeigt: Orte, an denen man von Verstorbenen Abschied nehmen, die man aufsuchen und an denen man trauern kann, haben für nicht Wenige eine Bedeutung für das seelische Wohlbefinden.

Gestern war Totensonntag. Ein Tag nur für die Verstorbenen. Ein Gedenktag, den wir der der preußischen Obrigkeit verdanken. Denn es war König Wilhelm der Dritte, der diesen Tag für die Toten eingeführt hat, vor etwa 200 Jahren.

Die Kirchen haben diese Initiative aufgegriffen, denn die Erinnerung an Verstorbene passt zum letzten Sonntag des Kirchenjahres, der auch Ewigkeitssonntag oder Christkönigsfest genannt wird. Es ging in den Gottesdiensten gestern um das Erscheinen des göttlichen Messias am Ende der Tage. Vom Jüngsten Gericht über Lebende und Verstorbene war die Rede. Das soll keine Drohkulisse sein oder Angstmacherei vor dem Sterben. Es ist vielmehr eine Einladung, darüber nachzudenken, was nach dem Tod sein wird. Weil der christliche Glaube davon überzeugt ist, dass auch im Tod die Seele des Menschen nicht einfach aufhört, zu existieren.

Das sind fromme Gedanken, zweifelsohne. Manche werden vielleicht sagen: zu fromm für mich. Aber andererseits sind es Empfindungen, die dem Menschen zutiefst innewohnen. Der Wunsch nach Fortdauer meines Daseins, nach einer weiteren Existenz selbst nach dem Tod, ist durch das Internet ja wieder zu einer ganz neuen Möglichkeit geworden. Nicht wenige basteln schon zu Lebzeiten an ihrer individuellen Homepage für die Zeit nach dem Tod. Weil sie es nicht einfach hinnehmen wollen, für immer vergessen zu werden; weil sie auffindbar sein wollen für nachkommende Generationen. „Er lebt in unseren Erinnerungen fort“ ist häufig in Todesanzeigen zu lesen. Als Christ bewegt mich aber eine Hoffnungsbotschaft, die über eine solche bloße Erinnerung noch hinausgeht.  Was viele Sterben nennen, ist für mich die Geburt zu neuem Leben im Angesicht Gottes.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 25.11.2019 gesendet.


Über den Autor Joachim Opahle

Joachim Opahle, geboren 1956, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er studierte in Freiburg im Breisgau, in Wien, Tübingen und Bamberg Katholische Theologie und Kommunikationswissenschaften. Seit 1993 ist er im Erzbistum Berlin tätig als Leiter der kirchlichen Hörfunk- und Fernseharbeit.

Kontakt
rundfunk@erzbistumberlin.de
www.erzbistumberlin.de

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