Wort zum Tage, 15.11.2019

von Pastoralreferentin Monika Tremel, Erlangen

Elisabeth v.Thüringen

In vielen Kirchengemeinden gibt es in diesen Tagen in der Mitte des Novembers einen schönen Brauch. Am Namenstag der Heiligen Elisabeth, der übermorgen ist, wird allen Frauen, die Elisabeth heißen, eine Rose überreicht. Erinnert wird damit an das so genannte „Rosenwunder“, das mit der Heiligen Elisabeth von Thüringen in Verbindung gebracht wird. Diese Geschichte geht so:

Elisabeth war eine ungarische Königstochter im 13. Jahrhundert. Mit zehn Jahren heiratete sie Ludwig von Thüringen, mit dem sie fortan auf der Wartburg lebte. Als Landesfürstin lebte sie in Wohlstand und Reichtum. Doch Elisabeth soll schon als Kind die Gefahren gespürt haben, die im Reichtum lauern: Hochmut und Eitelkeit. Und sie bemerkte, dass viele Menschen rund um die Burg in großer Armut leben mussten, während die reichen Familien auf der Burg ausschweifende Feste feierten. Die Landbevölkerung hatte oft nicht das Nötigste zum Überleben. Darum fasste Elisabeth den Entschluss, sich entgegen den Konventionen ihres Standes und gegen ihre Familie den Armen zuzuwenden.

So erzählt die Legende davon, dass ihr Mann Ludwig - durch die Familienmitglieder aufgehetzt -, ihr nacheilte, als sie mit einem Korb voller Brot wieder einmal unterwegs war zu den Armen am Fuße der Wartburg. Auf seine Bitte hin, ihm zu zeigen, was sie im Korb trägt, deckt sie diesen auf und statt der Brote kommen Rosen darin zum Vorschein.

Uns Menschen heute sind solche Legenden oftmals suspekt. Mit unserem naturwissenschaftlich-technischen Weltbild lassen sich solche Wundergeschichten schwer vereinbaren. Und dennoch enthalten sie einen Wahrheitskern. Und der sieht für mich so aus: die Heilige Elisabeth von Thüringen war so gut zu den Armen, dass deren Leben neu aufblühte, wie eine Rose. Elisabeth hat sich nicht infizieren lassen von Eitelkeit und Hochmut. Sie brachte Freude und Gerechtigkeit in das bitterarme Leben der Menschen. Ich finde, in einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft immer weiter aufspaltet, sind Menschen wie Elisabeth von Thüringen nötiger denn je. Sie zeigt uns, wie man die Spaltung überwindet und wie Gerechtigkeit aufblühen kann. Übermorgen wird in der katholischen Kirche ihr Namenstag gefeiert. Sie wird also als Heilige verehrt. Damit ist die Vorstellung verbunden, dass man sie im Himmel um ihre Fürsprache anrufen kann. Das könnte dann so lauten: Heilige Elisabeth, bitte für unser Land, bitte für dein Thüringen, um Kraft und Mut für alle, die deinem Vorbild folgen wollen um zu versöhnen, anstatt zu spalten.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 15.11.2019 gesendet.


Über die Autorin Monika Tremel

Dr. Monika Tremel, Jahrgang 1967, ist Pastoralreferentin in der Erzdiözese Bamberg und derzeit tätig als weiblicher Part einer Doppelspitze in der "Offenen Tür Erlangen". Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Email: m.tremel@offene-tuer-erlangen.de

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