Wort zum Tage, 13.11.2019

von Pastoralreferentin Monika Tremel, Erlangen

Gülleproblem

Viele Landwirte fühlen sich nicht ernst genommen. Deshalb haben sie vor drei Wochen lautstark protestiert. Mit ihren Traktoren waren sie in vielen Städten unterwegs und haben dort den Verkehr lahmgelegt. Sie sind schon seit längerem unzufrieden und haben als Zeichen dafür grüne Kreuze auf ihren Feldern aufgestellt. Damit wollen sie auf ihre schwierige Lage aufmerksam machen. Ein Thema, um das heftig gestritten wird, ist der Nitratgehalt im Grundwasser, der zu hoch ist. Er wird verursacht durch das Düngen aber auch durch die industriell betriebene Tierhaltung. Deshalb hat Deutschland auch ein Gülleproblem. Denn viel zu viel Mist aus der Landwirtschaft landet auf unseren Feldern. Das führt zu überhöhten Nitratwerten in unserem Grundwasser. Sie schaden unserer Gesundheit.

Ich finde, man kann dieses Problem auch auf andere Bereiche unseres Lebens übertragen. Denn wir haben nicht nur ein Gülleproblem in der Landwirtschaft, sondern auch auf vielen anderen Feldern. Ich finde, in viele Lebensbereiche sickert die Gülle unserer Zeit: durch die sozialen Medien, wo zu viel gehasst und gehetzt wird. Und wo sich Politiker beschimpfen lassen müssen was das Zeug hält bis hin zu Morddrohungen. Oder durch eine Mentalität der Gleichgültigkeit, die die Probleme unter den Teppich kehrt, die getrieben ist vom Turbokapitalismus, dem nichts und niemand heilig ist. Oder auch durch einen neuen Ton, der sich in die höchsten Ebenen der Politik breit macht, der uns mit Vorurteilen, mit kalkulierten Tabubrüchen und Lügen zuschüttet. Internationale Abkommen werden in Frage gestellt und gelten plötzlich nichts mehr. Zivilisatorische Errungenschaften werden über Bord gekippt. Das führt zu globalen Verwerfungen und bringt große Unsicherheit in unser aller Leben. Zu viel Mist auf allen Kanälen, dem wir täglich ausgesetzt sind. Auch durch ein derart vergiftetes Klima können Menschen krank werden.

Die Europäische Kommission hat Deutschland aufgefordert, die Gülle auf den Feldern zu reduzieren. Ich meine: Genauso müssen wir die Gülle in unserer Gesellschaft reduzieren. Wie das geht? Erstens, indem wir nicht den Hetzern Glauben schenken, sondern uns anstrengen, entschieden für die Wahrheit und gegen den Hass vorzugehen. Zweitens, indem wir nicht nachlassen, uns für das Gute einzusetzen, für den anderen Menschen, für eine soziale Gesellschaft. Jeden Tag. Überall. Und drittens, indem wir uns regelmäßig Zeit zum ruhigen Nachdenken nehmen. In unserer schnelllebigen Welt sind wir oftmals getrieben, schnell Entscheidungen und Urteile zu treffen, anstatt gute Entscheidungen reifen zu lassen. Es ist an uns, eine neue Kultur des Miteinanders zu etablieren, unsere Menschlichkeit zu kultivieren und den Boden zu beackern für den Frieden. In allen Bereichen.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 13.11.2019 gesendet.


Über die Autorin Monika Tremel

Dr. Monika Tremel, Jahrgang 1967, ist Pastoralreferentin in der Erzdiözese Bamberg und derzeit tätig als weiblicher Part einer Doppelspitze in der "Offenen Tür Erlangen". Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Email: m.tremel@offene-tuer-erlangen.de

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