Morgenandacht, 08.11.2019

von Pater Norbert Cuypers SVD, Berlin

Türöffner

Ist es nicht beeindruckend, durch wie viele Türen wir Menschen täglich ein- und ausgehen: da ist die Schlafzimmertür und die Badezimmertür, die Haustür und die Bürotür. Als Christ gehe ich oft durch die Eingangstür in die Kirche. So unterschiedlich Türen ausschauen, so unterschiedlich werde ich durch sie hindurchgehen: An manchen Türen laufe ich vielleicht achtlos vorbei, durch andere schreite ich ehrfürchtig hindurch und an anderen klopfe ich zuerst an, bevor ich sanft die Klinke herunterdrücke. Türen kann ich zuhalten, abschließen oder ins Schloss fallen lassen. Ich kann sie einem Mitmenschen aber auch offenhalten, ihn hinein- oder herauslassen.

So gesehen ahne ich, warum Jesus in der Bibel von sich sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er errettet werden.“ (Joh. 10,9) Jesus möchte uns Menschen einen Zugang eröffnen, durch den wir zu einem erfüllten Leben finden können. Ich glaube fest daran, dass diese Tür, dieser Zugang zu Gott jedem Menschen offensteht. Immer wieder habe ich es in meinem eigenen Leben erfahren können. Oft waren es ganz konkrete Menschen, die mir eine Tür zu neuen Glaubensräumen eröffneten. Ich denke da vor allem an meine Schwester, die mich in meinen jungen Jahren auf die ökumenische Brüdergemeinschaft von Taizé aufmerksam machte. Die Texte ihres Gründers Roger Schutz eröffneten mir ganz neue Perspektiven des Glaubens, dessen Weite ich bisher so nicht bedacht hatte. Ich denke aber auch an eine Gebetsgruppe Jugendlicher, die mich zum freien Gebet im Gottesdienst ermutigte. Das war etwas, was ich von zu Hause gar nicht kannte, mir damals aber eine neue, eine persönlichere Gottesbeziehung ermöglichte.

Wenn Jesus von sich sagt, er sei die Tür zu einem geglückten Leben, dann fordert er von mir die Entscheidung, durch die Tür tatsächlich auch hindurchgehen zu wollen. In der seelsorglichen Begegnung junger Menschen unserer Tage fällt mir allerdings immer wieder auf, wie schwer es für sie überhaupt ist, Entscheidungen in ihrem Leben zu treffen. Die Angst ist groß, sich falsch zu entscheiden oder womöglich etwas zu verpassen, wenn man sich erst einmal auf etwas festgelegt hat. Das wiederum ist mir sehr vertraut und ich kenne es aus meinem eigenen Leben. Nach der Schulzeit habe ich einen Beruf im grafischen Gewerbe erlernt, mit dem ich im Grunde zufrieden war und von dem ich glaubte, er sei die richtige Wahl für mein Leben. Damals ahnte ich allerdings nicht, dass noch eine andere, eine größere Lebensentscheidung auf mich wartete. Aufgrund der Erfahrungen, die ich mit meinem Glauben gemacht hatte, ging es für mich auf einmal um die Frage, ob ich den Mut aufbringen würde, einer Ordensgemeinschaft beizutreten. Alles begann mit der stillen Sehnsucht, in meinem Leben mehr Raum für Gott zu schaffen. Diese Sehnsucht wurde mit der Zeit immer stärker, sodass ich sie schlussendlich weder verdrängen konnte, noch verdrängen wollte. Es war keine leichte Entscheidung, zumal sie in späteren Jahren auch immer wieder einmal von mir selbst oder anderen hinterfragt wurde. Trotzdem kann ich rückblickend sagen, dass ich für die göttlichen Klopfzeichen an meiner Lebenstür dankbar bin. Dass ich meiner Sehnsucht Raum gegeben und mich vertrauensvoll für diesen Lebensweg geöffnet habe.

Ob Chrissy, eine junge Mutter von drei Kindern, an das Bild von der Tür gedacht hat, als sie die folgenden Zeilen in einem Internetforum schrieb? Aber es sind Worte, die man Jesus ohne weiteres in den Mund legen könnte und die er mir heute zusagt:

„Komme, wann du willst, mein Freund, zu mir.
Du weißt, du findest eine stets offene Tür,
findest stets ein offenes Herz bei mir,
denn ich stehe immer ganz fest zu dir.
Für meine Freunde wird meine Tür immer offen stehen.
Ihnen bleibt die Entscheidung, durch diese Tür zu gehen.
Ich biete gern allen Menschen meine offene Tür.
Ich hoffe, sie finden den Weg zu mir.“

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 08.11.2019 gesendet.


Über den Autor Pater Norbert Cuypers SVD

Pater Norbert Cuypers wurde 1964 als sechstes Kind in Köln geboren. Nach einer Berufsausbildung als Schriftsetzer hat er sich dazu entschlossen, in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (SVD) einzutreten - im deutschsprachigen Raum auch als „Steyler Missionare“ bekannt. Während seines ersten Missionseinsatzes im Westlichen Hochland von Papua Neuguinea entdeckte er seine große Liebe zur Seelsorge. Er kam nach Europa zurück und ließ sich in Österreich zum Priester ausbilden und weihen.
Als Missionar ist Pater Norbert grundsätzlich bereit, dort zu leben und zu arbeiten, wo ihn sein Herz hinzieht, beziehungsweise wo ihn seine Gemeinschaft braucht. Aktuell lebt er in Berlin Charlottenburg und ist Leiter des deutschsprachigen Noviziates seiner Gemeinschaft. Kontakt:
cuypi@gmx.de

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