Wort zum Tage, 02.11.2019

von Dompropst Reinhold Pfafferodt, Magdeburg

Allerseelen – Fest des Gedenkens

Im Kalender der Kirche steht heute: Allerseelen. Das ist kein Feiertag, jedenfalls nicht bei uns. Katholische Christen gedenken heute ihrer verstorbenen Angehörigen. Auf den Friedhöfen sieht man schon am Vorabend die vielen Lichter auf den Gräbern brennen. Vor allem in der Dunkelheit ist es ein beeindruckendes Bild, diese vielen flackernden Lichter auf den Gräbern Es ist, als wenn die Lebenslichter der Verstorbenen noch einmal aufleuchten. Das, was sie getan haben, ihre Verdienste und ihr Lebenseinsatz. Der Dienst für andere und nicht zuletzt, die Liebe und Herzlichkeit, mit der sie für uns da waren.

Wenn ich über den Friedhof gehe und am Allerseelentag die vielen Kerzen sehe, dann denke ich an die Verstorbenen meiner Familie. Es ist der Gedanke an meinen Vater, mit seiner Bestimmtheit und seinem Beharren, die Rolle in der Familie wahrzunehmen, die ihm als Oberhaupt zugeteilt war. Aber auch die Überwindung einmal zuzugeben im Unrecht gewesen zu sein. Ganz anders die Mutter, die immer zurücktrat und die zweite Stelle einnahm, aber mit einer Liebenswürdigkeit und Größe, die ich heute noch bewundere.

Die Lichter des Allerseelentages erzählen viele Geschichten und es bräuchte Zeit, hinzuhören, sie wahrzunehmen und nicht so schnell wieder zum Alltagsgeschehen zurückzueilen.

Dafür bräuchte es einen Feiertag. Bei meinen brasilianischen Freunden ist heute Feiertag. Fast alle lateinamerikanischen Länder kennen die Tradition des Allerseelen-Festes. Man trifft sich zum Picknick auf den Friedhof, erinnert sich der Verstorbenen, ist mit ihnen verbunden. Man glaubt, dass die Seelen der Toten an diesem Tag die Erde besuchen.

So ist der Weg zu den Grabstätten ein Zeichen der Verbundenheit mit den Verstorbenen, Essen und Trinken schaffen Gemeinschaft und die Toten sind hineingenommen in die Geschichte. Sie gingen uns voraus und wir werden ihnen einst folgen.

Die katholischen Feste Allerheiligen und Allerseelen, die die Christen einst den Ureinwohnern lateinamerikanischer Länder brachten, war sehr kompatibel mit dem Glauben der Ahnen. Und die christliche Tradition greift das auf.

Der christliche Gott ist ein Gott der Gemeinschaft. Und Christen sind überzeugt, dass es jenseits vom Tod ein Zusammensein mit unseren Verstorbenen gibt.

 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 02.11.2019 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Reinhold Pfafferodt

Reinhold Pfafferodt ist Dompropst im Bistum Magdeburg. Zugleich ist er Pfarrer an der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg. Die Priesterweihe erhielt er 1977. Reinhold Pfafferodt war von 2002 bis 2005 Generalvikar im Bistum Magdeburg, seit 2005 ist er Dompropst.

Kontakt:
dompropst@kathedralpfarrei-sebastian.de

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