Wort zum Tage, 01.11.2019

von Dompropst Reinhold Pfafferodt, Magdeburg

Allerheiligen: Alle sind gemeint

Gestern hatten die evangelisch geprägten Bundesländer den Reformationstag, heute haben die Katholischen Allerheiligen.

Dabei kam mir ein pragmatischer Gedanke. Wenn die beiden Kirchen sich vereinigen könnten, dann würde man natürlich beide Feiertage behalten, den protestantischen und den katholischen. Ja vielleicht käme noch ein Dritter dazu, das Fest der Wiedervereinigung – also der Wiedervereinigung beider Kirchen. Warum sollte das, was zwischen zwei Staaten geschehen ist, und viele für unmöglich hielten, nicht auch für die Kirchen denkbar sein?  

Die Mauern der SED Diktatur haben die friedlichen Montagsdemonstranten mit ihren Kerzen zu Fall gebracht. Warum sollten nicht Christen mit dem Glauben und Vertrauen an den einen Gott, der alle Menschen in gleicher Weise seine Zuneigung und Offenheit schenkt, die unterschiedlichen Kirchen wieder vereinen?

Aber da holt mich meine blühende Fantasie auch schon wieder auf den Boden der Realität zurück. Wiedervereinigung der Kirchen? Wie soll das denn aussehen?  Werden die Protestanten bei den Katholiken eingemeindet, oder umgekehrt? Wo trifft man sich miteinander und wer hat das stärkere Gewicht?

Bei der deutschen Einheit drängte es die Ostdeutschen nach dem Westen und der ostdeutsche Staat ging in die Bundesrepublik auf. Und bei den verschiedenen Konfessionen, wer soll da die Oberhand gewinnen? Bei einem solchen Denken gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Keiner kann auf Kosten einer anderen Konfession seine Identität aufgeben. Ich denke, es wird vielmehr darum gehen, den je eigenen Glauben zu leben und den Blick nicht zu verlieren für das, was die je andere Konfession auszeichnet.

Die Katholiken, zu denen ich gehöre, feiern heute Allerheiligen. Dabei geht es nicht nur um die vielen im Laufe der Jahrhunderte Heiliggesprochenen. Es geht um alle Menschen heute, hier und jetzt. Nach den Worten Jesu sind wir nämlich alle eingeladen, Gott zu entdecken, mit ihm in Gemeinschaft zu leben. das nämlich meint „heilig“. Weil er uns liebt, sind wir von ihm geheiligt. Das aber ist jeder schon vor aller Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession – davon bin ich überzeugt.

 

 

 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 01.11.2019 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Reinhold Pfafferodt

Reinhold Pfafferodt ist Dompropst im Bistum Magdeburg. Zugleich ist er Pfarrer an der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg. Die Priesterweihe erhielt er 1977. Reinhold Pfafferodt war von 2002 bis 2005 Generalvikar im Bistum Magdeburg, seit 2005 ist er Dompropst.

Kontakt:
dompropst@kathedralpfarrei-sebastian.de

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