Wort zum Tage, 31.10.2019

von Dompropst Reinhold Pfafferodt, Magdeburg

Reformationstag

Schade, nicht überall ist heute Feiertag. Dabei hatte es so gut angefangen. Vor zwei Jahren, zum 500. Reformationsgedenken, hatten alle innegehalten. Damals diskutierte man darüber, ob man nicht diesen Feiertag beibehalten könne. Aber es blieb nur beim Feiertag in einigen Bundesländern, vor allem in den protestantisch geprägten, östlichen Ländern.

Dabei ist dieser Tag nicht nur die Erinnerung an die Reformation, den Thesenanschlag Luthers an die Schlosskirche im Wittenberg. Schon vor dem 31. Oktober 1517 hatte er immer wieder gegen die Vorstellung gekämpft, man könne sich mit Geld den Himmel verdienen. Sein Seelenheil mit Geld erkaufen, dass sei doch ein Ding der Unmöglichkeit! Aber soviel er auch bei der Obrigkeit dagegen kämpfte, er stieß auf taube Ohren. Die sprichwörtlichen 95 Thesen, die er mit lauten Hammerschlägen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg nagelte, sind wohl mehr eine Legende. Was aber ohne Zweifel wahr ist: der Thesenanschlag wurde zum Ausgangspunkt einer Veränderung von Kirche.

Auch wenn es zur Spaltung der Kirche führte und infolge der Trennung, Religionskriege viele Jahre unsere Länder heimsuchten und viel Leid und Elend mit sich brachten:

Am Ende stand eine Einsicht, die von der großen Toleranz gegenüber der Glaubensüberzeugung anderer geprägt ist. Die evangelische und die katholische Kirche entdeckten den Reichtum ihrer eigenen Glaubensüberzeugung. Und nach Jahrhunderten von Kirchenspaltung ist gerade im vorletzten Jahr die Überzeugung gereift, dass es immer wieder darum geht, auch vom Glauben der Anderen zu lernen.

Auch wenn die gemeinsamen Gottesdienste heute auch nicht überall das Markenzeichen der Kirchen sind, so ist es doch die Überzeugung, dass mit unterschiedlichen Zungen ein und derselbe Glaube verkündet wird, ein Gott, der nicht trennt, sondern eint.

Im Stammland der Reformation kamen junge Leute auf die Idee zu einer Pilgerfahrt nach Rom einzuladen. „Mit Luther zum Papst“, so lautete das Motto. Als katholischer Christ bin ich überzeugt, dass solche Aktionen ungemein wertvoll sind. Denn: Wo man miteinander unterwegs ist, werden Schranken abgebaut und Wege zueinander geebnet.

 

 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 31.10.2019 gesendet.


Über den Autor Pfarrer Reinhold Pfafferodt

Reinhold Pfafferodt ist Dompropst im Bistum Magdeburg. Zugleich ist er Pfarrer an der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg. Die Priesterweihe erhielt er 1977. Reinhold Pfafferodt war von 2002 bis 2005 Generalvikar im Bistum Magdeburg, seit 2005 ist er Dompropst.

Kontakt:
dompropst@kathedralpfarrei-sebastian.de

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