Wort zum Tage, 04.10.2019

von Pastoralreferent Dominik Frey, Baden-Baden

Idee von Gott

Wenn man sich entspannt, scheint das gute Gedanken zu beflügeln. Davon weiß auch Wolfgang Amadeus Mozart ein Lied zu singen: Ihm sollen nämlich die besten Melodien im Bett eingefallen sein. Auch Hemingway wird nachgesagt, dass er am besten schreiben konnte, wenn er total relaxed war, am besten mit einem Drink in der Hand. Dem Physiker Newton kamen die besten Ideen beim Spazierengehen im Garten, Schiller mit den Füßen in kaltem Wasser und Woody Allen beim Rasieren.

Ich kenne das. Wenn ich krampfhaft nach Ideen suche, dann fällt mir garantiert nichts ein. Erst wenn ich locker lasse, dann kommen sie angeflattert, zum Beispiel unter der Dusche oder im Halbschlaf. Deshalb habe ich immer Zettel und Stift auf dem Nachttisch liegen.

Das kann ich mir so richtig vorstellen, wie da so ein paar gute Gedanken versuchen bei mir zu landen. Und wenn man verkrampft, dann spannt man ja alles an, man macht dicht. Keine Chance für die Ideen zu landen. Aber wenn man gelöst ist, dann ist man auch durchlässig. Und dann können sie kommen und finden einen Landeplatz: die Einfälle, Argumente oder Antworten.

Locker bleiben - das ist jetzt einfach gesagt. Denn allein der Befehl „locker bleiben!“ hat ja schon was Krampfiges. Wie geht das also? Ich glaube, es bleibt sich leichter locker, wenn ich mir selbst vertraue: Meinem Geist – also wie scharfsinnig und konzentriert ich nachdenken kann. Meiner Kreativität – wie fantasievoll ich neue Lösungen finde oder Projekte angehe. Und meiner Wirkung – also wie ich andere beeindrucken oder überzeugen kann.

Klar, meinem Geist, meiner Kreativität und meiner Wirkung vertraue ich eher, wenn sie mich schon mal positiv überrascht haben. Wenn ich mal die Erfahrung gemacht habe: im richtigen Augenblick hatte ich einen Geistesblitz. Oder: Wenn ich überzeugt dastehe, dann wird mein Gegenüber schon einlenken.

Ich habe aber noch eine Erfahrung gemacht: locker bleiben und mir selbst vertrauen – das fällt mir leichter wenn ich weiß, dass derjenige, der mich erschaffen hat, mir einiges mitgegeben hat. Gott hat mich gut ausgestattet mit allem, was ich brauche. Es steckt irgendwo in mir, ich muss es nur abrufen.

Und noch etwas. Gott liebt die Menschen. Das haben ganz viele Menschen schon erfahren, nicht nur in der Bibel. Das heißt, Gott findet, dass ich selbst eine gute Idee von ihm bin. Ganz egal ob gerade ziemlich verkrampft oder einfach entspannt.

 

 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 04.10.2019 gesendet.


Über den Autor Dominik Frey

Dominik Frey, geboren 1968 in Überlingen am Bodensee, ist Pastoralreferent und Rundfunkbeauftragter der Erzdiözese Freiburg beim SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Dublin hat er sechs Jahre in einer Musikschule als Saxofonlehrer gearbeitet. Außerdem war er Dirigent und mit Bandleader. Während der Ausbildung zum Pastoralreferenten wurde er Autor für SWR3 und hat die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Dominik Frey fährt gerne Motorrad, liebt Snowboarden und Geocaching und natürlich seine Frau und seine beiden Jungs. Er lebt in Baden-Baden.

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