Morgenandacht, 12.09.2019

von Annkathrin Tadday, Detmold

Zartbitter

Was hat die heilige Maria mit Schokolade zu tun?
Eine Scherzfrage am 1. April könnte so lauten, aber jetzt ist der 12. September. Heute ist der Festtag „Mariä Namen“ und zugleich der Tag des „Schokoladen-Milchshakes“. Der eine steht im kirchlichen Festtagskalender und bezieht sich auf die Mutter Jesu. Der andere steht im Kalender der kuriosen Feiertage.

Die Gottesmutter Maria und Schokolade - das ist eine interessante Kombination. Traditionell sind sie beide ein Geschenk und Ausdruck der Liebe. Beide tragen den Ruf, Seelentrösterin zu sein. Schokolade finde ich in unzähligen Formen und Verpackungen. Maria in Form von unzähligen Darstellungen einer Frauenfigur. Zum Beispiel als Krippenfigur zu Weihnachten oder als Königin mit einem Kind auf dem Arm in der Kirche.

Lassen Sie mich heute einen ungewöhnlichen Vergleich wagen:
Ich behaupte, wenn man Maria mit einer Schokolade vergleichen würde, dann wäre sie eine Zartbitter-Schokolade. Eine Frau, die zarte und bittere Momente des Lebens an der Seite ihres Sohnes Jesus Christus erlebt hat. Und die sowohl zart-zurückhaltend in der Bibel auftritt als auch bitter-herbe im Sinne von couragiert.

Im Lukasevangelium beginnt ihre Geschichte als junge Frau, die schwanger wurde. Nicht irgendein Kind, sondern sie würde Gottes Sohn zur Welt bringen. Für sie war das ein großes Kompliment. Obwohl sie gar nicht wusste, wie diese Schwangerschaft denn zustande kommen konnte, sagte sie „Ja“ zu diesem Kind. Sie sagte „Ja“ zum Leben, „Ja“ zu einer schöpferischen Kraft Gottes. Klar und mächtig klangen dann ihre großartigen Worte, die die Bibel überliefert und die bis heute in jedem Stundengebet an zahlreichen Orten der Welt Tag für Tag gesungen werden:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“

Ich finde, so spricht eine stolze Frau ihr Glaubensbekenntnis, nicht eine sanfte Magd. Und dann heißt es weiter: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden speist er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehn.“

Hier singt eine leidenschaftliche Frau ein unerbittliches Lied. Hier steht eine entschiedene Frau zu ihrem Ja-Wort und dieses Ja-Wort hat sie durchgehalten. Die Bibel erzählt, dass sie auch mit ihrem erwachsenen Sohn in Verbindung blieb und Anteil nahm an seinem ungewöhnlichen Leben. Bis ganz zum Schluss, bis sie Jesus Christus nach Gefangenschaft und Folter am Kreuz hängen sah. Bis die Soldaten ihr den toten Leichnam ihres Sohnes in die Arme gelegt haben. Die Haltung dieser Frau war und ist für mich heute noch „kein Zuckerschlecken“.

Ja, auch heute gibt es stolze, leidenschaftliche und entschiedene Frauen. Wir alle kennen, wie sie, die süßen und bitteren Augenblicke des Lebens. Mir ist auch manchmal zartbitter zumute wenn ich, wie sie, vor einer Herausforderung stehe, zu etwas „Ja“ oder „Nein“ sagen zu müssen. Bei mir wird es oft nur ein „Ja, aber“.

Da kann ich mir bei Maria eine Scheibe abschneiden. Oder um im Bild der Schokolade zu bleiben, ein Stückchen von ihr abbrechen.

Ihre Botschaft für heute könnte heißen:
Wag es: Sag öfter mal „Ja“. Sei offen für, das was das Leben schenkt und auch zumutet. Prüfe, ob du mit den Entscheidungen, die andere für dich treffen, leben willst. Vertraue auf die Kraft Gottes, die alle Wege mitgeht, die zarten und die bitteren.

Maria - allen, die den Namen dieser wunderbaren Frau tragen herzlichen Glückwunsch zum heutigen Namenstag!

Die redaktionelle Verantwortung hat Martin Korden


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Dieser Beitrag wurde am 12.09.2019 gesendet.


Über die Autorin Annkathrin Tadday

Annkathrin Tadday wurde 1966 in Ostwestfalen geboren. Sie legte das C-Examen Kirchenmusik in Bielefeld ab, studierte Religionspädagogik in Paderborn und ist als Gemeindereferentin im Pastoralverbund Lippe-Detmold tätig. Lebenserfahrung, Praxis und Fortbildungen profilierten sie zur kommunikativen und kreativen Religionspädagogin, Mentorin und geistlichen Begleiterin. Sie ist verheiratet und hat 4 Kinder.

Kontakt:
annkathrin.tadday@katholisch-in-detmold.de

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