Wort zum Tage, 04.09.2019

von Andrea Wilke, Erfurt

Das Gute sehen

Ich glaube an Gott, und im Tiefsten meines Herzens vertraue ich auf seine Hilfe und seinen Beistand. Doch manchmal denke ich: wo bist du eigentlich, Gott? Guck dir die Welt an – sie hat dringend Hilfe nötig. Meistens denke ich das in solchen Momenten, in denen meine Zuversicht ziemlich geschrumpft ist. Weil auf mich nahezu permanent schlechte Nachrichten einstürzen. Da könnte ich dann die Hände über'm Kopf zusammenschlagen und sagen: „Oh Gott, oh Gott, wohin soll das alles noch führen?“

Wenn ich mir so anschaue, was alles so passiert auf der Weltbühne, in Europa, in unserem Land bis in den Arbeits- und privaten Bereich hinein, da kann ich schon mal mutlos werden. Vielleicht wäre ja eine Auszeit von der Nachrichtenflut die Lösung. Aber wenn ich wegschaue - dadurch wird es auf der Welt und in meinem Umfeld auch nicht besser.

Vielleicht liegt die Lösung für mehr Zuversicht  im Hinschauen, und zwar im Hinschauen auf all das Gute, das ja auch passiert. Als ich mal wieder so einen jammervollen "die Welt ist schlecht  – Tunnelblick" hatte, da hörte ich ein Lied von Bernd Stelter mit dem Titel "Das Gute". Der Text, der mich dabei so berührt hat, stammt von Heinz-Rudolf Kunze. Da heißt es z.B:

„Was man ohne Erwartung verschenkt, was man freundlich von Anderen denkt,
das, was Worte in Krisen verrichten, wenn sie alles entwaffnen und schlichten,
was Berührung bewirkt auf der Haut, was man sieht, wenn man einfach nur schaut.

Das ist das Gute, dass es gelegentlich gibt,
das gilt es zu pflegen und das ist weswegen,
man weiterhin Mut hat und liebt.

Das, worauf man für Kinder verzichtet, was man nicht einfach achtlos vernichtet,
was man weiß, aber taktvoll verschweigt, doch auch das, was man aufrichtig zeigt,
was den Weg als Erinnerung säumt, ohne dass man voll Angst davon träumt.

Das ist das Gute, dass es gelegentlich gibt,
das gilt es zu pflegen und das ist weswegen,
man weiterhin Mut hat und liebt.“

Dieses Lied bringt es für mich auf den Punkt: auch das Gute sehen, das oft ganz unscheinbar passiert. Das gibt Kraft. Ich habe dieses Lied rauf und runter gehört, schon ganz oft. Es hilft mir einfach. Ja, könnte man jetzt fragen: hat sie denn nicht ihren Gott, der ihr Kraft gibt? Doch. Manchmal schickt Gott ja auch Engel. Und meiner hat dieses  Lied geschrieben.   

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 04.09.2019 gesendet.


Über die Autorin Andrea Wilke

Andrea Wilke wurde 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren. 1989 - 1995 studierte sie Katholische Theologie in Erfurt und war danach bis 2002 tätig in der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte an der Universität Erfurt. Sie ist Onlineredakteurin für die Homepage des Bistums und Rundfunkbeauftragte für den MDR im Bistum Erfurt. Kontakt
Bischöfliches Ordinariat
Onlineredaktion
Herrmannsplatz 9
99084 Erfurt
http://www.bistum-erfurt.de
awilke@bistum-erfurt.de

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