Feiertag, 18.08.2019

von Corinna Mühlstedt, Freising

"Alle Menschen sind Geschwister". Paul Hinder und seine Erfahrungen als Bischof von Arabien

Als Papst Franziskus im Frühjahr 2019 die Arabische Halbinsel besuchte, sprachen viele von einem historischen Besuch. Schließlich reiste vor ihm noch nie ein Papst dorthin. Gemeinsam mit Groß-Imam Ahmed Al Tayeb unterzeichnete Franziskus damals die sog. „Erklärung von Abu Dhabi“. Das in Europa vielerorts unbeachtete Dokument wird von Beobachtern als Meilenstein bezeichnet. Dieser Meinung ist auch Paul Hinder, der aus der Schweiz stammende Bischof von Arabien. Die ARD-Korrespondentin Corinna Mühlstedt hat ihn in Abu Dhabi besucht. 

Abu Dhabi: Die Hauptstadt der Arabischen Emirate liegt wie eine Oase zwischen der Wüste und dem Persischen Golf. Mitte des 20. Jahrhunderts lebten dort nur ein paar Beduinen. Heute sieht hier man eine futuristische Architektur und mondäne 5-Sterne-Hotels. Als ich die boomende Metropole ein paar Wochen nach dem Besuch von Papst Franziskus im Frühjahr 2019 erreiche, spüre ich jedoch, dass sie sich etwas von der Spiritualität und Weite bewahrt hat, die das Leben der Nomaden hier Jahrhunderte lang prägte.

Der Papstbesuch stand unter dem franziskanisch geprägten Motto: „Mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens!“ Im Verlauf des Aufenthalts unterzeichnete Papst Franziskus zusammen mit Groß-Imam Ahmed Al Tayyeb ein Aufsehen erregendes Dokument: Es appelliert an Muslime und Christen, einander als „Geschwister“ zu sehen und sich gemeinsam für den Frieden in der Welt einzusetzen. Am Ende des Aufenthalts stand eine Papstmesse im Sportstadion von Abu Dhabi mit mehr als hundert Tausend Gläubigen. Dabei dankte der Bischof von Abu Dhabi, der Schweizer Kapuziner Paul Hinder, dem Papst offiziell: 

“Vor 800 Jahren begegnete Franz von Assisi in Ägypten Sultan Malik al Kamil. Es war ein Treffen geprägt von gegenseitigem Respekt. So sind jetzt auch Sie, Papst Franziskus, in ein muslimisches Land gekommen, mit derselben Absicht, die Franz von Assisi 1219 geleitet hat. Wir Christen hier versuchen, die Weisung zu befolgen, die er damals seinen Brüdern gab: Sie sollen unter Muslimen spirituell leben, nicht unnötig diskutieren, sondern schlicht bekennen, dass sie Christen sind.“

Der Islam ist in den Emiraten mit ihren rund 10 Millionen Einwohnern Staatsreligion. Zugleich setzt man offiziell auf das Prinzip der Toleranz. Als ich einen Taxifahrer frage, ob er mich zur katholischen Sankt Josefs Kathedrale bringen könne, bejaht er sofort. Er sei Inder, erläutert er später, und Christ, die Kirche sei seine „zweite Heimat“.  An der Kathedrale angekommen, sehe ich, wie unzählige, überwiegend junge Menschen aller Hautfarben durch ein weit geöffnetes Tor zur Messe auf das Kirchengelände strömen. Hier liegt in einem kleinen blühenden Garten auch das Bischofshaus, in dem Paul Hinder lebt. 

Motivierte Christen mit Freude am Glauben

Seit dem 19. Jahrhundert ist es üblich, dass der „Bischof von Arabien“ aus dem Kapuzinerorden stammt. Der heute 77jährige Paul Hinder residiert seit 15 Jahren in Abu Dhabi, zunächst als Weihbischof, ab 2005 dann als Apostolischer Vikar. Anfangs unterstand ihm die gesamte Arabische Halbinsel, heute ist er ausschließlich für den Süden zuständig: für die Emirate, den Jemen und den Oman. In Abu Dhabi feiere man die Messe in rund 20 Sprachen für Gläubige aus über 100 Nationen, erzählt mir der Bischof bei einem Glas Tee: 

„Ich bin hier zuständig für alle Katholiken, unabhängig von ihrer Tradition und ihrem Ritus. Und das sind grob geschätzt eine Million im ganzen Gebiet, vorwiegend Filipinos und Inder, aber wir haben Katholiken aus der ganzen Welt. Unsere Standardsprache ist Englisch, in der wir uns einigermaßen verständigen können, und dann sind natürlich die wichtigsten Sprachen vertreten, Hindi, Tamil, Urdu, Arabisch natürlich, und die Hauptsprachen aus Europa: Italienisch, Deutsch, Spanisch und Französisch.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als der Küstenort Abu Dhabi aufgrund des Öl-Booms rasant wuchs, stellte Scheich Zaid bin Sultan der Kirche Land zur Verfügung. Die heutige Sankt Josefs Kathedrale wurde 1965 eingeweiht. Inzwischen zählt Abu Dhabi nach offiziellen Schätzungen 1,5 Millionen Einwohner. Mehr als 80 Prozent von ihnen sind Migranten: junge Leute, die überwiegend aus Asien und Afrika kommen. Sie erhalten in den Emiraten befristete Verträge und arbeiten oft unter harten Bedingungen. Doch der Lohn sichert ihren Familien in der Heimat den Lebensunterhalt. Viele dieser Migranten, betont Paul Hinder, sind engagierte Christen. 

„Das hat zur Folge, dass unser Durchschnittsalter schätzungsweise bei 40 liegt, vielleicht sogar tiefer. Dass wir eine relativ jugendliche Kirche sind, macht natürlich einen Unterschied im Vergleich zu Europa. Hier habe ich mit Leuten zu tun, die noch motiviert sind, die Freude haben am Glauben, mit vollen Kirchen usw. Das ist schön. In Europa komm ich mir vor, wie in einem Altersheim. Es bedrückt mich, das zu sehen: Ich würde sagen, der Kirche in Europa fehlt die Frühlingsfrische!“

Wie „frei“ lebt man als Christ in der Emirate?

Aus den Fenstern des Bischofshauses schaue ich auf den Platz vor der Kathedrale: Einige Gläubige verharren in tiefer Andacht bei einer kleinen Madonnenfigur, andere kaufen an improvisierten Ständen Rosenkränze, Süßigkeiten oder Broschüren. Kinder spielen. Das Treiben wirkt fröhlich und andächtig zugleich.

Doch wie sieht der Alltag aus? Wie frei lebt man als Christ in einem Land, dessen Staatsreligion der sunnitisch geprägte Islam ist? In Europa hört man oft, dass Christen in arabischen Ländern unterdrückt oder gar verfolgt seien. Paul Hinder schüttelt energisch den Kopf:

„Ich rede jetzt primär von meiner Erfahrung hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo ich mich recht frei fühle. Wir wissen, dass wir natürlich eine eingeschränkte Freiheit haben, Religionsfreiheit ohnehin. Kultusfreiheit ist relativ großzügig hier. Wir haben Kirchen. Die katholische Kirche hat im Moment neun Pfarreien, die neunte ist kürzlich errichtet worden in der Westprovinz. Das funktioniert eigentlich gut.“

Die Katholiken bilden in den Emiraten mit Abstand die stärkste christliche Konfession. Der Bischofssitz und die Kathedrale erhielten in Abu Dhabi einen Ehrenplatz, direkt neben einer prächtigen Moschee. Vor ein paar Jahren gab Kronprinz Mohammad dieser Moschee neben dem Bischofssitz einen neuen Namen: „Mary the Mother of Jesus Mosque“!

„‘Maria Mutter Jesu Moschee‘ - das sind kleine Zeichen des Entgegenkommens, das hat der Kronprinz durchaus bewusst als ein Zeichen der Annäherung gemacht, denke ich.

Der Papst auf der Arabischen Halbinsel – eine Sensation

Die Gestalt Marias hat auch im Koran besondere Bedeutung. Der neue Name der Moschee solle „die Verbundenheit zwischen den Religionen stärken“, betonte der Kronprinz in einem Zeitungsinterview. Den ehrlichen Wunsch der Herrscherfamilie nach einer friedlichen Koexistenz habe man auch im Februar 2019 während des Papstbesuchs in Abu Dhabi gespürt, versichert Paul Hinder. Es gleiche einer kleinen Sensation, dass Franziskus als erster Papst in der Geschichte auf der Arabischen Halbinsel öffentlich eine Messe feiern konnte - mit weit über 100.000 Christen!

„Ich hab das als vorbildhaft erlebt. Da hat sich die Regierung von der besten Seite gezeigt, auch Zeichen gesetzt. Im Stadion, für die Messe, alles wurde von ihnen übernommen, inklusive Altarbau und Kreuz, usw. … Wie die ganze Papstreise, in den Medien hier Aufmerksamkeit gefunden hat, Zustimmung … das wäre vor 15 Jahren noch undenkbar gewesen! Wie weit das nachhaltig ist, werden wir sehen. Ich hoffe es.“

Paul Hinder, der Bischof von Arabien, besucht regelmäßig seine Schweizer Heimat. In Europa höre er manchmal kritische Stimmen zu den Emiraten. Doch diese Kritik verkenne oft die Situation auf der arabischen Halbinsel und messe mit zweierlei Maß: 

„Natürlich ist mir bewusst, dass das Land in einen sehr unschönen Krieg verwickelt ist. Aber das ist ja nicht die ganze Realität. Und ich frage mich immer: Verhalten sich eigentlich die europäischen Demokratien wesentlich anders, wenn es ums Geld geht und die ökonomischen Interessen? Und ich sage: Nein, eigentlich nicht. - Also so viel Selbstkritik sollten wir alle haben, dass man zumindest das einmal zugibt.“

„Ich habe Hoffnung für Jemen“

Der Bischof spielt damit auf die Beteiligung der Emirate an dem furchtbaren Bürgerkrieg im Jemen an. Man müsse sehen, so Hinder, dass es sich um einen Stell-vertreterkrieg handelt, der mit Waffen aus aller Welt geführt wird:

„Jemen: Natürlich gibt es dort inzwischen Nester des ISIS, des „Islamischen Staates“. Al Qaida ist ohnehin im Jemen geboren. Aber das wird alles gefüttert von außen. Das ist das Schlimme. Ich wurde gefragt: Warum spricht man so wenig vom Jemen? Ich habe gesagt: Es gibt zu viele Interessenten, sodass man nicht davon spricht. Und es gibt zu viele Interessenten im Hintergrund, dass der Krieg weiter geht, weil ja jemand daran verdient.“

Bischof Hinder besucht die kleine christliche Minderheit im etwa Zweitausend Kilometer entfernten Jemen regelmäßig. Als ich wissen möchte, welche Perspektiven er für die dort verbliebenen Gläubigen sieht, drückt er mir den Text eines Vortrags in die Hand, den er kürzlich auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz gehalten hat. Darin heißt es:

Vor drei Jahren wurden in Aden, im Jemen von muslimischen Terroristen vier Schwestern des Ordens von Mutter Theresa umgebracht. Außerdem zwölf weitere Mitarbeiter – elf Muslime und ein Christ! In den Augen der Fanatiker bestand die Sünde der elf Muslime darin, dass sie das Werk der Missionarinnen mittrugen. Eine fünfte Schwester entkam dem tödlichen Anschlag wie durch ein Wunder. Als ich ihr kurz darauf begegnete, fand ich bei ihr keine Spur von Hass, sondern hörte von ihr die überraschenden Worte: „Bischof, ich habe nur einen Wunsch: So rasch als möglich nach Aden zurückzukehren. Denn dort ist der Ort, wo wir unser Charisma als ‚Missionarinnen der Liebe‘ leben müssen.“

Es sei diese Haltung, die heute die Welt braucht, meint Paul Hinder nachdenklich. Vor der Papstreise hatte er mit Kronprinz Mohammad und Regierungsvertretern über den Jemen gesprochen. Die Folge war …

„… dass sie es möglich gemacht haben, dass eine kleine Delegation jemenitischer Christen zu dem Papstbesuch kommen konnte, auf ihre Kosten organisiert. Das sind kleine Zeichen des Entgegenkommens, die zwar die Probleme nicht lösen, aber immerhin eine Ankündigung sind: Viellicht ist doch etwas möglich, wenn wir in diese Richtung weiter gehen. Und da mach ich mir durchaus auch Hoffnungen für Jemen.“

In seinem Vortrag kommt Paul Hinder zu dem Schluss:

Es gibt Zeuginnen und Zeugen, die uns zeigen, dass und wie Liebe den Hass überwinden kann. Solange es hüben und drüben Menschen gibt, die sich ohne Angst gewaltlos in den Dienst der anderen stellen, behalten Worte wie „Toleranz und Liebe“ ihre Kraft.

Wer glaubt, sieht im Anderen den Bruder

Vor dem Hintergrund der brutalen Gewalt, die heute viele Länder und besonders den Mittleren Osten erschüttert, entstand im Frühjahr 2019 die sog. „Erklärung von Abu Dhabi“ über die „Geschwisterlichkeit aller Menschen“. Papst Franziskus hat sie bei seinem Besuch in Abu Dhabi zusammen mit einem der führenden Vertreter des sunnitischen Islam unterzeichnet, zusammen mit dem Groß-Imam der Universität von Al Azhar, Ahmed Al Tayeb. Der Text, der „für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ plädiert, beginnt mit diesen Worten:

Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt. Der Glaube an Gott, der das Universum, die Geschöpfe und alle Menschen – aufgrund seines Erbarmens – mit gleicher Würde erschaffen hat, ruft die Gläubigen, diese menschliche Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Ruf, die Schöpfung zu bewahren und allen Menschen zu helfen, besonders den am meisten Bedürftigen.

Während das Dokument in Abu Dhabi mit Begeisterung aufgenommen wurde, habe er aus Europa auch ablehnende Stimmen gehört, meint Bischof Hinder. Sie kamen nicht zuletzt aus christlich fundamentalistischen Kreisen:

„Ich hab´s gesehen im Internet, hab auch entsprechende Papiere bekommen, dass Leute die ‚Rechtgläubigkeit‘ des Papstes in Frage stellen. Das sind Leute, die das Credo nicht von Anfang an beten, sondern erst von zweiten Satz, wenn es heißt ‚Ich glaube an Jesus Christus‘. Aber wenn es am Anfang heißt: ‚Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde‘, dann ist der ganzen Menschheit eine ‚Geschwisterlichkeit‘ eigen. Und wenn man das so sieht, hab ich keine Problem mit dem Dokument. Das sind ganz wichtige Grunderkenntnisse, für uns Christen wie auch für Muslime und alle anderen.“

„Wir erklären: Wahre Religion fordert niemals zu Gewalt auf“

Als wüsste der Muezzin in der benachbarten Moschee, dass wir gerade über Gott sprechen, beginnt er zum Abendgebet zu rufen: „Allah u Akbar - Gott ist groß.“ Paul Hinder schmunzelt. Der Muezzin erinnere ihn stets auch an die Gebetszeiten in seinem Kapuzinerorden. Doch bevor er das Stundengebet verrichte, wolle er sich noch mit dem Dokument befassen: Der Text analysiert mit leidenschaftlichen Worten die Probleme, unter denen die Menschheit weltweit leidet. Darin kommen Papst Franziskus und der Groß-Imam zu dem Schluss:

Die Geschichte macht deutlich, dass religiöser wie nationaler Extremismus und Intoleranz in der Welt etwas hervorgerufen haben, was man als Anzeichen eines „stückweisen Dritten Weltkriegs“ bezeichnen könnte. […] Es sind Anzeichen, die in verschiedenen Teilen der Welt und unter verschiedenen tragischen Bedingungen bereits ihr grausames Gesicht gezeigt haben.

Angesichts dieser Situation gelte es zu handeln, meinen Franziskus und Al Tayeb und appellieren an die Menschheit:

Wir erklären mit Überzeugung, dass wahre Religionen niemals zum Krieg aufwiegeln, keine Gefühle des Hasses oder des Extremismus wecken und auch nicht zu Gewalt oder Blutvergießen auffordern … Wir bitten daher alle: Hört auf, die Religionen zu instrumentalisieren, um Hass, Gewalt, Terror oder blinden Fanatismus zu entfachen!

Das sieben Seiten lange Dokument ist in Europa wenig beachtet worden. Dabei wird es von vielen Beobachtern als ein Meilenstein bewertet. Dass sich mit dem Papst und dem Groß-Imam zwei hohe Repräsentanten des Christentums und des Islams zusammentun und in einem gemeinsamen Schreiben die Bekenntnis- und Gedankenfreiheit aller Menschen fordern, kann nicht hoch genug bewertet werden.

Wenn das Dokument Schule macht…

Das Dokument von Abu Dhabi bezeichnet sogar den Pluralismus und die Verschiedenheit der Menschen in Bezug auf Religion, Hautfarbe und Geschlecht als einen so wörtlich „weisen göttlichen Willen“. Darum fordern der Papst und der Groß-Imam die Verbreitung einer Kultur der Toleranz und der Annahme des An-deren. Für Bischof Hinder ist gerade diese Aussage des Dokuments bemerkenswert.

„Jede Großreligion, nicht nur Muslime und Christen, hat ein Stück weit den Anspruch, alleingültig zu sein. Wichtig scheint mir, dass wir lernen, den anderen zu respektieren, dass wir mit dem nötigen Respekt einander begegnen. Also ich finde das Dokument gut. Aus der Perspektive der Vereinigten Arabischen Emirate ist das ein riesen Fortschritt. Wenn das Schule macht, und es soll ja auch in den Schulen behandelt werde, dann wird es sicher auch etwas eintragen. Da müssen natürlich alle mitmachen, damit diese Grundbotschaft rüberkommt.“

Am Ende des Dokumentes rufen der Papst und der Groß-Imam Christen und Muslime in aller Welt nachdrücklich auf, für das Studium und die Verbreitung der Ideale zu sorgen, die der Text anspricht.

Wir hoffen, dass diese Erklärung eine Einladung zur Versöhnung und zur Brüderlichkeit unter allen Glaubenden ist, besser noch unter Glaubenden und Nichtglaubenden sowie unter allen Menschen guten Willens. Möge sie ein Aufruf an jedes wache Gewissen sein, um einen universalen Frieden zu erreichen, den alle Menschen in diesem Leben genießen können.

Paul Hinder schaut auf die Uhr. Für ihn sei es nun endgültig Zeit, zum Abendgebet zu gehen. Nur einen Gedanken möchte er mir noch rasch mit nach Deutschland geben: Letztlich wollten der Papst und der Groß-Imam den Religionen einen über-zeugenden Weg zwischen aggressivem Säkularismus und religiösem Fundamentalismus aufzeigen. Denn beide Extreme seien für die Menschheit eine Gefahr, Gott aus dem Blick zu verlieren und zugleich einen dritten Weltkrieg zu entfachen:

„Dahinter steht wahrscheinlich die Absicht dieser beiden Religionsführer, eine Allianz zustande zu bringen als Gegengewicht. Und da liegt natürlich eine Herausforderung dieses Dokumentes. Und das wird noch Konsequenzen haben. Ich denke, dass wir lernen müssen, aus dem Fundus der Religion selbst Gegenkräfte zu mobilisieren. Und insofern ist dieses Dokument durchaus ein wichtiger und epochaler Schritt.“

 

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.

 

Zitate:

Aus: Vortrag von Bischof Paul Hinder OFMCap (Abu Dhabi)beim Empfang der Deutschen Bischofskonferenz  mit den Partnern im christlich-islamischen Dialog in Deutschland am 29. März 2019 in Frankfurt a. M. „Als Bischof in Arabien. Franziskanische Impulse  für den christlich-islamischen Dialog"


Aus: His Holiness Pope Francis and the Grand Imam of Al-Azhar Ahmad Al-Tayyeb; A DOCUMENT ON HUMAN FRATERNITY FOR WORLD PEACE AND LIVING TOGETHER; abgerufen am 16.8.2019: http://w2.vatican.va/content/francesco/en/travels/2019/outside/documents/papa-francesco_20190204_documento-fratellanza-umana.html


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Dieser Beitrag wurde am 18.08.2019 gesendet.


Über die Autorin Corinna Mühlstedt

Dr. Corinna Mühlstedt ist Theologin, Autorin und ARD-Korrespondentin. Corinna Mühlstedt lebt in Freising und in Rom.

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