Wort zum Tage, 09.08.2019

von Klaus Böllert, Hamburg

Eheringe

Klick Klick. Manchmal machen meine Frau und ich das, zum Beispiel wenn wir im Auto nebeneinander sitzen oder spazieren gehen. Klick klick macht es nämlich, wenn wir unsere Eheringe kurz gegeneinander schlagen. Wortlos meistens, oft lächelnd und zumindest ich mit Dankbarkeit. Klick klick – da steckt drin, dass wir weiter zu unserem Eheversprechen stehen. Du – ein Leben lang. Komme, was wolle.

In meinem Ring ist der Vorname meiner Frau und das Hochzeitsdatum eingraviert. Da hat der Priester die Ringe mit den Worten gesegnet: „Segne diese Ringe, segne diese Brautleute, die sie als Zeichen ihrer Liebe und Treue tragen werden. Lass in ihrer Gemeinschaft deine verborgene Gegenwart unter uns sichtbar werden.“  Dann haben wir sie uns gegenseitig an den Ringfinger gesteckt.

Notwendig und verpflichtend ist das nicht. Man kann auch ohne Ringe katholisch gültig heiraten, aber kaum jemand macht das. Dafür ist der Ring ein zu starkes, schönes und auch altes Symbol. Bereits die Antike kannte den Ehering, der im antiken Rom allerdings nur von der Frau getragen wurde, als sichtbare Bestätigung, dass die Mitgift bezahlt wurde. Romantischer ist der antike Glaube, dass vom Ringfinger der linken Hand eine Ader direkt zum Herzen und damit direkt zur Liebe führe. Noch heute wird der Ring in den meisten Ländern links getragen. Lange Zeit gab es nur den Verlobungsring, den schon Papst Stephan I. im dritten Jahrhundert einführte. Der künftige Ehemann sollte ihn der Braut als Zeichen ihres Versprechens schenken.

Ja, der Ring sollte und soll auch binden. Einfach, indem er nach außen dokumentiert: der oder die ist vergeben. Schöner gesagt: es zeigt anderen, dass da jemand sein Glück gefunden hat, dass sich da zwei Liebe und Treue versprochen haben. Und einen selber erinnern Ringe hoffentlich freudig daran, dass man einen Partner oder eine Partnerin fürs Leben gefunden hat.

Der Ring als Kreis, der weder Beginn noch Ende hat, ist auch Sinnbild für die unendliche Liebe Gottes. Und wie es auch in der Ehe viel Alltag gibt und es nicht immer himmelblau ist und voller Geigen, ist ja auch der Glaube selten von Ekstase getragen, sondern eher von frommer Alltäglichkeit, von Alltagsmühen, aber auch der Schönheit des Alltags. Und besonders wenn die menschliche Liebe an ihre Grenzen stößt, darf sich das Paar von Gottes Liebe getragen und umfasst wissen. Auch daran erinnert mich der Ehering.

Wenn meine Frau und ich unsere Eheringe gegeneinander stoßen ist das nur eine kleine Geste, ein kurzes Geräusch – doch es hat große Bedeutung für uns: Denn das Klick Klick erinnert uns an Liebe und Treue und Glück.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 09.08.2019 gesendet.





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