Wort zum Tage, 07.08.2019

von Klaus Böllert, Hamburg

Namen

Es war das Jahr 2011, und die Ärztin Kate Granger war 29 Jahre alt, als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde. Sie beschreibt, wie sie in einem kleinen Zimmer auf die Ergebnisse weiterer Untersuchungen wartete. Sie ahnte, dass eine Operation, eine Chemotherapie und mehr auf sie zukommen würden. Sie hatte Angst. Dann kam ein junger Arzt, setzte sich ohne sie anzuschauen vor sie und erklärte: Der Krebs habe sich ausgebreitet. Er konnte nicht schnell genug aus dem Zimmer raus sein, so empfand es Kate Granger. Sie rief daraufhin über Twitter eine Kampagne ins Leben. Unter dem Schlagwort, oder wie es bei Twitter heißt, unter dem Hashtag: #hellomynameis: Hallo, mein Name ist.

Kate Grangers Forderung: Ärzte und Pfleger sollten sich mit Namen vorstellen und die Patienten mit Namen ansprechen. Eine sehr erfolgreiche Kampagne. Bald schon hatte sie 40.000 Follower, trat auf Kongressen auf, schrieb zwei Bücher, ein Preis des englischen Nationalen Gesundheitsdienstes für mitfühlende Gesundheitspflege trägt ihren Namen. Leider ist Kate Granger 2016 gestorben.

Es ist so wichtig, mit Namen angesprochen zu werden und anderen den eigenen Namen zu offenbaren. Denn: Es ist der erste wichtige Schritt zu einer persönlichen Beziehung.

Seinen eigenen Namen hat Gott dem Mose offenbart: „Ich bin der, der für euch da ist“. Und die die für mich schönste Stelle, in der Gott sein Volk mit Namen anspricht, steht beim Propheten Jesaja im 43. Kapitel: „Fürchte dich nicht, Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir. Wenn du durch Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter.“

Was auch kommen mag, diese Verbindung bleibt. Deswegen kann Gott zurufen: Fürchte dich nicht.

Diese Verse aus der Bibel sind immer wieder ein beliebter Taufspruch, denn Eltern wissen, dass sie nicht immer da sein können und bitten Gott so um seinen Beistand.

„…denn ich habe dich bei deinem Namen gerufen“. Das steht auch in der Krypta des Sankt Mariendoms in Hamburg und soll zeigen: Die starke Beziehung Gott – Mensch hält über den Tod hinaus.

Ich gebe zu, für mich ist das manchmal fast unglaublich. Dass es Gott gibt, den Schöpfer der Welt, dass ich nur auf Jesus Christus schauen muss, wenn ich wissen will, wie dieser Gott ist. Das alles kann ich leichter glauben, als dass ich dabei ganz persönlich angesprochen bin. Aber genau das wurde mir schon in der Taufe versprochen und gilt – über den Tod hinaus: Auch Sie und mich hat Gott beim Namen gerufen. Wenn man das erfasst – ich glaube, dann kann es keinen Grund mehr geben, sich zu fürchten.

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 07.08.2019 gesendet.





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