Wort zum Tage, 09.07.2019

von Pastoralreferentin Johanna Vering aus Buchen

Bis der Tod uns scheidet

Margret und Arnold waren 40 Jahre lang verheiratet. Arnold ist vor einem Jahr relativ plötzlich gestorben. Ein Schlag für Margret, die Kinder und Enkel. Ich hab Margret in dem Jahr immer wieder getroffen und sie hat gesagt, dass sie es schafft. Klar, manchmal ist es schwer, aber es geht. Letzte Woche saßen wir gemütlich zusammen und dann hat sie mal länger erzählt:

„Weißt Du, warum ich das schaffe? Weil ich immer auch mein Leben weiterhin hatte. Das wäre übrigens für mich was, was zum Eheversprechen gehört. Da sagt man: Ich verspreche dir die Treue in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich finde, das sollte heißen: Ich verspreche, dir und mir treu zu bleiben bis der Tod uns scheidet – und darüber hinaus. Gerade im Rückblick ist es ganz wichtig, dass ich ich geblieben bin.

Denn irgendwann hat uns tatsächlich der Tod geschieden. Und auf das, was danach kommt, bereitet dich keiner vor. Aber einer bleibt übrig. Und dann musst du es schaffen. Du musst damit klar kommen. Und wenn ich mir und meinem Leben in der Ehe nicht treu geblieben bin, wird es spätestens dann ganz schön schwierig.

Ich habe mein Leben, meine Freunde, meinen Job, meine Interessen. Wir sind eben nicht ständig aufeinander gehockt und haben alles zusammen gemacht. Arnold hatte seins und ich meins. Und an vielen Punkten hatten wir unser Leben zusammen. Aber eben nicht nur. Das erleichtert es mir jetzt sehr. Klar, er fehlt mir und ich bin traurig. Aber ich falle nicht ins große schwarze Loch. Ich hab genug zu tun und genug Leute um mich herum. Das geht.“

Puuuh, ich bewundere Margret. Sie geht so bewusst mit der Situation um. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum sie das so schafft.

Und das, was sie zum Eheversprechen gesagt hat, geht mir immer im Kopf rum. Ich finde es auch so wichtig, in einer Beziehung „ich“ zu sein, nicht nur „wir". Das mit dem Eheversprechen zu verbinden, finde ich eine tolle Idee. Das würde dann so heißen: „Ich verspreche dir und mir treu zu bleiben in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Und darüber hinaus.“

Es wäre doch klasse, wenn alle, die Paare trauen, diesen Aspekt in das Gespräch vorher mit aufnehmen würden. Mir hätte das bei unserer Hochzeit sicher geholfen, die Worte bewusster zu sprechen und an uns beide zu denken. Also mich selbst mitzudenken. Gerade weil ich vor der Hochzeit ganz beseelt auf Wolke sieben geschwebt bin. Und es hätte mir klarer gemacht, dass der Tod uns irgendwann scheiden wird. Und dass es dann für einen weitergeht, weitergehen muss.

Egal, wie ich als Paar Beziehung lebe. Wichtig ist, dass ich auch ich bleiben kann. Bis der Tod uns scheidet. Und darüber hinaus erst recht.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 09.07.2019 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Buchen (Odw.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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