Wort zum Tage, 08.07.2019

von Pastoralreferentin Johanna Vering aus Buchen

Glückserdmännchentag

Meine Tochter Mathilde ist vier. Und gerade hört sie vor allem dieses Lied: „Heut geht’s mir gut. So richtig richtig gut. Die Sonne scheint mir auf den Bauch. Und das soll sie auch. Ist alles fein. So soll es sein. Ist alles so, wie ich es mag – heut ist mein Glückserdmännchentag.“

Es geht um ein kleines Erdmännchen, das in der Hängematte liegt und den Tag und das Leben genießt. Dieses Lied singen inzwischen alle bei uns im Haus. Mein Mann pfeift es morgens schon unter der Dusche.

Seitdem sie dieses Lied kennt, hat Mathilde Glückserdmännchentage. Denn immer, wenn es ihr gut geht, sie einen tollen Tag hat oder einen besonderen Moment, dann ist ihr Glückserdmännchentag. Sie erzählt schon immer, wenn sie sich freut, ihr was gefällt oder auch nicht. Aber, ich finde, dieses Wort trifft es besonders.

Wir gehen an einem ganz normalen Tag ein Eis essen - „Mama, heute ist mein Glückserdmännchentag.“ Wir kaufen ein Schwimmtier für den Urlaub - ein Glückserdmännchentag. Ein Tag mit Oma und Opa in der Stadt. Sie flüstert Oma ins Ohr - „heute ist mein Glückserdmännchentag.“

Mich rührt das sehr. Ich finde toll, dass sie mit Hilfe dieses Liedes ausdrücken kann, wie gut es ihr geht. Und das eben schon bei Dingen, bei denen es sich aus meiner Sicht doch um Kleinigkeiten handelt.

Das lerne ich überhaupt gerade mal wieder von ihr. Dass Kleinigkeiten Tage häufig zu den schönsten Tagen machen. Kinder können einfach den Moment sehen, leben und genießen. Das ist für mich oft schwierig. Immer hab ich schon das nächste im Kopf. Den nächsten Termin oder den nächsten Tag. Alles, was noch zu organisieren oder zu tun ist. Und darüber bin ich dann gar nicht im Moment. Und kann ihn natürlich auch nicht genießen, den Moment. Ich bin eher gestresst. Das ist schrecklich. Mathilde holt mich jetzt gerade mit diesem Lied wieder richtig runter in den Moment. Durch ihre Glücksaugenblicke genieße ich sie auch mit. Ich kriege ganz viele kleine Glücksmomente geschenkt. Dadurch verändert sich auch mein Blick auf die Dinge. Ich nehme selbst die Kleinigkeiten wieder mehr wahr. Die ersten Rosen in unserem Garten - ein Glückserdmännchentag. Mein Sohn hat sich ohne Geschrei anziehen lassen - ein Glückserdmännchentag. Ich hab eine gute Idee beim Arbeiten - auch das macht den Tag zu etwas besonderem.

Interessant ist, dass das bei mir immer funktioniert. Egal, wie blöd der Tag bisher gelaufen ist oder wie genervt ich bin. Selbst wenn mir überhaupt nicht nach diesem Lied ist - der Glückserdmännchentag zieht immer.

Besonders gut finde ich diese Zeile: „Die Sonne scheint mir auf den Bauch. Und das soll sie auch.“ Das Leben kann ziemlich schön sein und die besonderen, unbeschwerten Momente zählen viel mehr, als die anderen. Denn hey, dieser Moment gehört zu deinem Glückserdmännchentag.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 08.07.2019 gesendet.


Über die Autorin Johanna Vering

Johanna Vering, geboren 1982 in Ostwestfalen, ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Nach dem Studium der Theologie in Freiburg und Graz hat sie als Pastoralreferentin in verschiedenen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg gearbeitet und die journalistische Ausbildung am ifp in München absolviert. Johanna Vering lebt in Buchen (Odw.), ist verheiratet und hat zwei Kinder. Kontakt
johanna.vering@kirche-im-swr.de

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