Wort zum Tage, 29.06.2019

von Pastoralreferent Dietmar Rebmann aus München

Wer bin ich?

Im technischen Bereich haben wir vielfältige Rettungsmaßnahmen und Schutzmechanismen entwickelt, die wir ständig brauchen, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Heute wissen schon die Kinder: wenn ich einen Computer einrichte und damit ins Internet will, dann muss ich ein gutes Schutzprogramm installieren. Mache ich das nicht, ist mein PC innerhalb kürzester Zeit so voll mit Datenmüll und Schadprogrammen, dass er nicht mehr funktioniert.

Aber wie machen wir das mit uns selbst? Wenn wir monatelang die Bilder der weltweiten Katastrophen ansehen und dazu noch den ganzen Müll verdauen müssen, den uns die Medien sonst noch ins Wohnzimmer liefern, dann brauchen wir auch hier einen Schutz gegen „Übermüllung“.  Denn zu viel Müll erzeugt Angst, dass ich das Leben nicht mehr schaffe und alles zu viel für mich wird.

Die Seele und das Herz brauchen einen Filter, um sich gegen zu viel Angststress zu wappnen. Also müssen wir das tun, was die Schutzprogramme im Computer auch tun: den Müll vom Wichtigen trennen. Für mich ist dabei der Glaube eine große Hilfe. Denn ich brauche erst einmal Ruhe, damit ich wahrnehmen kann, was mir am meisten Angst macht. Diese Verbindung von Ruhe und Angstreduktion findet man in der christlichen Tradition oft.

Der Wunsch nach Ruhe ist z.B. Thema in vielen Gebeten der Bibel. In der Ruhe wächst in mir das Vertrauen, dass ich geschützt und geborgen sein kann. Ich kann mich dann der Kraft des Himmels anvertrauen, ähnlich wie es der Beter eines bekannten und schon sehr alten Gebetes tut. Es ist der Psalm 91 im Alten Testament der Bibel. Da heißt es:

„Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.“

Meine Angst davor, von allem überflutet zu werden, entsteht ja dadurch, dass ich keinen Überblick mehr finde und nicht mehr abwägen kann, was gut für mich ist und was nicht. Dann erlebe ich mich eher klein und schwach. Wenn ich aber mit Gott einen Raum der Ruhe in mir haben kann, dann kann ich aus allen Gedanken und Gefühlen meine Angst herausfiltern, sie realistisch anschauen und erkennen, ob sie quasi ein Schadprogramm ist, das sich in mir eingenistet hat. Das Bild „Ich ruhe im Schatten des Allmächtigen“ ist für mich gerade in diesen Sommertagen ein starkes Bild. Ich ruhe im Schatten des Allmächtigen wie ich den Schatten eines großen Baumes auf einer sommerlichen Wiese genieße. Hier finde ich die Ruhe, die ich innerlich brauche, um meine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Und so manche überflüssige Sorge darf dann davonziehen, wie die Vögel, die aus dem großen Baum in den Himmel davonfliegen.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 29.06.2019 gesendet.


Über den Autor Dietmar Rebmann

Dietmar Rebmann ist Leiter der Hörfunkabteilung im Rundfunkreferat der Bayerischen Bischofskonferenz mit den Aufgaben: Produktion von Sendungen im BR, sowie Ausbildung und sprechtechnische Schulung von Hörfunk-Autorinnen und Autoren.

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