Wort zum Tage, 12.06.2019

von Pastoralreferent Hans-Joachim Ditz aus Berlin

Gelebte Verkündigung

„Verkünde das Evangelium zu jeder Zeit; wenn nötig, benutze Worte.“ Der heilige Franz von Assisi hat das gesagt. Nicht schlecht. Eine gelungene Irritation. Denn natürlich verbinden wir mit dem Verb „verkünden“ zuallererst sprechen, reden und predigen. Und in einem Medium wie dem Radio, da geht es ohne Worte nicht. Niemand hätte etwas davon, würde ich hier bloß schweigend vor dem Mikrofon sitzen.

Aber natürlich ist etwas anderes gemeint:  Viel  stärker als alle Worte sagt mein Verhalten der Welt, was ich glaube.  Die Art, wie ich andere behandle, wie ich mein Geld ausgebe oder die Art, wie ich knappe Ressourcen nutze, spricht von meinem Glauben. Mein Leben ist eine Predigt, egal, was ich tue oder lasse! Die Welt „liest“ mich. 

Franz von Assisi, der im 13. Jahrhundert lebte, war sich dessen sehr bewusst. Eine seiner stärksten Predigten ohne Worte ist für mich diese Begebenheit: Im Streit mit seinem Vater, dem reichen Tuchhändler Pietro Bernadone, zieht er sich vor dessen Angesicht mitten auf dem Marktplatz von Assisi nackt aus. Die Botschaft ist klar: Alter, ich brauche all deinen Reichtum und die kostbaren Kleider nicht. Der Vater im Himmel allein wird für mich sorgen.

Die Welt ist immer auf etwas Sichtbares aus. Die Menschen suchen nach Antworten. Aus meiner christlichen Sicht muss ich aber feststellen: Die Welt liest größtenteils nicht die Bibel auf ihrer Suche, aber sie liest uns Christen. Wir werden an unseren Früchten erkannt, nicht so sehr an unseren Worten, nicht an den äußeren Erkennungszeichen, wie Kreuze, die wir um den Hals tragen oder vermeintlich christliche Sticker. Auf unsere Taten kommt es an. Deshalb ist es sehr verständlich, wenn  der Apostel Jakobus mahnt: „Seid nicht allein Hörer des Wortes, sondern werdet zu Handelnden.“ (Jakobus 1,22). Nur so sind wir glaubwürdig.

Und so sollen Christen handeln: Hungrigen zu essen geben und Durstigen zu trinken, Fremde aufnehmen und Nackte bekleiden, Kranke und Gefangenen besuchen. So konkret sagt es Jesus im Matthäus-Evangelium (vgl. Mt 25,36). Er selbst identifiziert sich mit den Notleidenden dieser Welt. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) Das sollte doch Motivation genug sein.

Aber natürlich ist es immer eine  starke Versuchung, große Reden zu schwingen und anderen mal ordentlich die Meinung zu geigen. Ich setze mich diesem Vorwurf unweigerlich selber aus, genau in diesem Augenblick, in dem ich zu Ihnen spreche. Deshalb werde ich jetzt auch aufhören. Wie hat einmal ein Spötter gesagt: „Ich liebe die Worte zum Tage im Radio. Das Beste ist, dass sie nach 3 Minuten wieder vorbei sind!“ (Wolfgang Thierse) Meine drei Minuten sind jetzt um.

In diesem Sinn: Wollen Sie etwas verkünden, dann seien Sie heute Menschen der Tat!


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Dieser Beitrag wurde am 12.06.2019 gesendet.


Über den Autor Hans-Joachim Ditz

Hans-Joachim Ditz ist verheiratet und hat sechs Kinder. Er studierte katholische Theologie und Sozialarbeit in Paderborn, Innsbruck und Berlin. Seit 1987 arbeitet er als Pastoralreferent im Erzbistum Berlin mit wechselnden Aufgaben (unter anderem Jugendarbeit und Stadtteilseelsorge). Zur Zeit ist Hans-Joachim Ditz Ökumenebeauftragter des Erzbistums Berlin und Geschäftsführer des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB).

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