Wort zum Tage, 31.05.2019

von Diakon Jürgen Wolff aus Bitterfeld

List(e) gegen die Angst

Die Welt geht unter – aber wir haben Senf, Wurzelbürsten und Badezusatz!“ Im Loriot-Klassiker „Pappa ante Portas“ leidet Renate Lohse so an den Einkaufsorgien ihres Ehemanns Heinrich angesichts der verbreiteten Endzeitstimmung einer obskuren Sekte.

Für Loriot ist diese Szenerie aber nicht nur ein entlarvend-erheiterndes Mittel beim Blick auf die deutschen Familienbeziehungen; er zeigt auch mit welch irrealen Ängsten und Weltuntergangsszenarien der Mensch heutzutage konfrontiert wird … und wie er darauf reagiert.

Zur Zeit Jesu befürchteten die Menschen noch ganz real, dass das Ende der Welt nahe sei. Sie fürchteten Gottes Weltgericht, bei dem alle, die keine guten Werke vorweisen konnten, untergehen werden.

Wie groß diese Angst damals war, können wir noch heute in Kunst und Kirchenbauten nachvollziehen. In Farbe gemalt oder in Stein gemeißelt sehen wir, wie Gott richtet, die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. Und die Menschen damals fürchteten sich!

Die Welt geht unter … heutzutage haben wir keine Angst mehr vor einem Weltuntergang!

Aber Angst haben wir auch heute noch: Wir haben Angst vor Terror, Angst, nicht geliebt zu werden, krank zu werden, einsam und qualvoll zu sterben.

Und diese Ängste verändern unser Gemüt. Wir wollen Sicherheit und Kontrolle. Wir verschließen uns vor dem Leben und oft auch vor dem Anderen.

Schaffen wir es eigentlich, diese Ängste loszulassen? Haben wir Mut, uns weniger der Angst und mehr der Achtsamkeit uns selbst und dem Anderen gegenüber hinzugeben?

Ein spanisch-kanadischer Film mit dem Titel: „Mein Leben ohne mich“ zeigt in eindrücklicher Weise, wie das – angesichts einer Hiobsbotschaft – gehen kann.

Erzählt wird die Geschichte der 23-jährigen Ann die erfährt, dass sie nur noch 3 Monate zu leben hat. Und wie reagiert sie darauf?

Sie verweigert eine Behandlung und entschließt sich, niemandem zu erzählen, dass sie sterben muss; scheinbar führt sie ihr Leben weiter wie bisher.

Aber nur scheinbar!

Sie schreibt eine Liste von zehn Dingen, die sie noch tun möchte, bevor sie stirbt. Neben Banalitäten notiert sie hier auch tiefergreifende Ziele! Alles arbeitet sie ab – Punkt für Punkt.

Gleichermaßen regelt sie die Zeit nach ihrem Tod: Für ihren Mann sucht sie eine neue Frau und für ihre Töchter bespricht sie Kassetten für die Geburtstage.

Die Welt geht unter … aber Ann hat eine Liste gegen die Angst!

Und was stünde auf Ihrer Liste?

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 31.05.2019 gesendet.


Über den Autor Diakon Jürgen Wolff

Dr. Juergen A. Wolff wurde 1971 in Birkesdorf/Düren geboren. Nach seiner Ausbildung in Deutschland und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in England hat er über zwanzig Jahre im In- und Ausland in der Finanzbranche gearbeitet; davon die meiste Zeit in China. Im Rahmen seiner Promotion in England entschied er sich Theologie zu studieren und seiner Berufung zu folgen, Priester zu werden. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums in Erfurt begann er 2018 seine pastorale Ausbildung im Bistum Magdeburg, arbeitet nun als Diakon in Bitterfeld und bereitet sich dort auf die Priesterweihe vor. Permanent Horizonte zu erweitern, ist sein Bestreben; Energie und neue Anstöße findet Dr. Wolff durch die Literatur und in der klassischen Musik – besonders in den Werken Händels.

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