4. Sonntag der Osterzeit 

Predigt des Gottesdienstes aus der Kirche St. Georg, Höchstadt/Aisch


Predigt von Dekan Kilian Kemmer

Bisweilen erleben wir es noch:

Eine Schafherde zieht links oder rechts entlang unseres eingeschlagenen Weges vorbei oder kreuzt sogar unsere eigene Streckenführung. Voraus geht ein Schäfer mit seiner Hirtenschaufel und um die Schafe herum streift mindestens ein Schäferhund, um all jenen Tieren, die den Anschluss verpassen, zu helfen, zur Herde zurück zu finden.

In Israel, zur Zeit Jesu, war das Bild vom Hirten, der mit und bei den Schafen war, vertraut. Deshalb konnte Jesus dieses Bild verstehbar aufgreifen und gut verständlich auf sich beziehen.

Jesus zeichnet uns heute im Evangelium ein Bild von sich als gutem Hirten.

Liebe Schwestern und Brüder!

Seit unserer Taufe gehören wir zur Herde Jesu Christi. Unsere heutigen Kommunionjubilare und wir alle konnten seither ganz unterschiedliche Hirten erleben, die ihren Dienst in der Nachfolge Jesu ausgeübt haben. In der Nachfolge und im Namen und Auftrag des guten Hirten haben sie uns auf unserem Weg begleitet:

*Hirten, die wirklich vorausgingen – richtungsweisend.

*Hirten, denen wir blind folgen konnten.

*Hirten aber auch, die schwach wurden und nur seitlich mit der Herde gegangen sind.

*Hirten, die ihre Schaufel geschwungen  und uns wehgetan haben.

*Hirten, die uns allein ließen, weil sie andere Interessen verfolgten, als ihrer Aufgabe und Berufung nachzugehen.

*Hirten, die nur so getan haben, als würden sie uns auf gute Weiden führen und in Wahrheit ihre eigenen Abwege des Missbrauchs von Macht und des Missbrauchs von Menschen gegangen sind.  

Und so fragen wir uns heute:

Gibt es Hirten in der Kirche, von denen wir uns lenken und leiten lassen würden?

Oder:

Können die Hirten von heute – Priester, Seelsorger, Pfarrer – angesichts der immer größer werdenden Seelsorgeeinheiten überhaupt noch das Bild vom guten Hirten leibhaftig verkörpern und leben?

Eines scheint klar zu sein - trotz allem: Christen wünschen und sehnen sich nach Hirten, die vorangehen, die die Lehre unseres Glaubens darlegen und verkünden, die „Gott nicht voraussetzen, sondern vorsetzen“, wie Hans Urs von Balthasar es einmal ausgedrückt hat,  Hirten, die durch ihr Leben das bezeugen, was sie lehren, Hirten, die ihre mittlerweile vergoldeten Hirtenstäbe nutzen, um sich und andere  auf einen vertrauenswürdigen Glauben zu stützen,

Hirten, die ihr Kreuz auch in schwierigen Zeiten nicht ablegen, sondern sichtbar tragen und  damit dokumentieren, dass sie zu jenem guten Hirten gehören, der am Kreuz sein Leben für seine Schafe hingegeben hat.

Hirten, die leiten um der Wahrheit ihres Dienstes willen und nicht, um der Mehrheit hirtenloser Herden zu gefallen.

Hirten, die Entscheidungen treffen, nicht um ihrem persönlichen Willen, sondern dem Willen Gottes zum Durchbruch zu verhelfen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir sehnen uns nach Menschen, gerade in den Führungspositionen unserer Kirche, die nach dem Vorbild des guten Hirten Jesus Christus die ihnen anvertraute Herde leiten.

Gott sei Dank haben unsere heutigen Kommunionjubilare und wir alle solche Hirten erlebt und auch ihre treuen Wegbegleiter schätzen gelernt, die uns hinterher gelaufen sind, um zu erinnern:

„Bleib da, lauf nicht weg, geh mit Deinem Herrn, der Dich stets auf gute Weide führt. Selbst durch dunkle Schluchten hindurch wird er Dich sicher zum Ziel geleiten (vgl. Ps 23).

Immer wieder – wenn auch selten - erleben wir es noch: Eine Herde mit Hirte und Hund  zieht an uns vorbei oder kreuzt unseren Weg. Fragen wir uns dann doch einmal: Welcher Herde gehöre ich an? Welchem Hirten schenke ich Vertrauen? Von wem lasse ich mir sagen: Komm mit, bleib dabei?

Der gute Hirte Jesus Christus und kein anderer kann uns ewiges Leben geben und wird uns niemals zugrunde gehen lassen.

Weil er uns niemals aus seiner Hand entreißen lässt, gehören wir immer zu seiner Herde. Wollen wir aus diesem Grund  als willenloses Herdentier mit traben? Oder wollen wir weg laufen in andere Richtungen? Ich hoffe und wünsche sehr, dass wir den guten Hirten Jesus Christus im Blick behalten und bei seiner Herde bleiben wollen.

Heute am Weltgebetstag um geistliche Berufe lasst uns deshalb um Menschen beten, die in der Nachfolge des guten Hirten einer Berufung folgen und ihren  Dienst authentisch und glaubwürdig leisten. Denn wir brauchen gute Hirten.

Amen

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 12.05.2019 gesendet.





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