Wort zum Tage, 27.05.2019

von Diakon Jürgen Wolff aus Bitterfeld

Greta - nur eine Phase?

Das ist nur eine Phase! Fridays for Future! Jaja, eine Entschuldigung für’s Schwänzen … Und übrigens: wenn die mal auf eigenen Beinen stehen, dann merken die schnell, dass das, was die wollen, so nicht geht …

Auf der Parkbank gegenüber geht es hoch her! Die Aufreger der Woche sind durch und nun kommt noch Greta! Natürlich, denke ich! Greta ist ja immer noch in aller Munde: Klimakonferenz, Papstaudienz, Omnipräsenz!

Greta Thunberg – die Chiffre für ökonomische Bedrohungs- und Untergangsszenarien, für eingeschränkte Freiheiten und wirtschaftlichen Ruin!

Nach Schopenhauer durchläuft jedes Menschheitsproblem bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: Erst wird es ignoriert und verlacht, dann bekämpft, und am Ende gilt das einstmals völlig Verrückte als selbstverständlich. Genau so wurden in jahrhundertelangen Kämpfen die Sklaverei und die Kinderarbeit abgeschafft und die Rechte der Arbeiter erstritten.

Da sind wir aber noch nicht – zumindest nicht auf der Parkbank gegenüber!

Und doch: der Appell, dass wir nicht so weiterleben dürfen wie bisher, bricht sich langsam Bahn. Und wie gern hören wir das Mädchen, das uns mit aufrichtigen Worten belehrt, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Dass wir in den reichen Ländern auf vieles verzichten müssen: Energieverschwendung, Massentierhaltung, Plastikprodukte. Dass wir die Schöpfung bewahren sollen, aus der und durch die wir leben!

Ja, solche Verbote und Gebote rühren uns, wenn sie von kleinen Mädchen kommen. Leider rühren sie uns nicht, wenn die Regierungen diese Verbote erlassen oder wenn die Kirchen an unsere Verantwortung für Gottes Schöpfung erinnern und das alles in einfache, effektive Gebote kleiden.

Dann sehen wir unsere Freiheit bedroht und uns moralisch geschulmeistert! Und im Unterbewusstsein spricht leise eine Stimme: „Vielleicht fangen erst einmal die Anderen an, etwas zu ändern. Und ohne Zögern fallen uns genügend Industrienationen ein, die hier Vorreiter sein sollen!

Handeln nach dem Sankt Florians Prinzip – obwohl die globale Hütte überall gleich brennt!

Schizophren – denken Sie? Nein! Eher menschlich!

Der Mensch hat die Kulturtechnik der Postmoderne längst verinnerlicht: zwei einander widersprechende Gedanken so im Bewusstsein zu speichern, dass sie dort nicht zusammentreffen: Kapitalismus, dauerhaftes Wachstum und global steigender Wohlstand auf der einen, echte Nachhaltigkeit und wirklicher Verzicht auf der anderen Seite – das geht – aber es geht nicht. So nicht!

Und doch werden wir einfach so weitermachen!

Auf der Parkbank gegenüber das noch Konsens – noch!

 

 


« zurück zur Übersicht

nach oben ↑


Beitrag anhören


Dieser Beitrag wurde am 27.05.2019 gesendet.


Über den Autor Diakon Jürgen Wolff

Dr. Juergen A. Wolff wurde 1971 in Birkesdorf/Düren geboren. Nach seiner Ausbildung in Deutschland und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in England hat er über zwanzig Jahre im In- und Ausland in der Finanzbranche gearbeitet; davon die meiste Zeit in China. Im Rahmen seiner Promotion in England entschied er sich Theologie zu studieren und seiner Berufung zu folgen, Priester zu werden. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums in Erfurt begann er 2018 seine pastorale Ausbildung im Bistum Magdeburg, arbeitet nun als Diakon in Bitterfeld und bereitet sich dort auf die Priesterweihe vor. Permanent Horizonte zu erweitern, ist sein Bestreben; Energie und neue Anstöße findet Dr. Wolff durch die Literatur und in der klassischen Musik – besonders in den Werken Händels.

Allgemeine Seiten-Suche

» Autoren-Suche  |  » Beitrags-Suche