Wort zum Tage, 04.05.2019

Dr. Peter Kottlorz aus Stuttgart-Degerloch

Menotti

Na, das war doch mal eine Sportmeldung, die mir gefallen hat: Der 80-jährige César Luis Menotti übernimmt beim argentinischen Fußballverband den Posten des Generaldirektors für die Nationalmannschaften. Er soll dabei einen Zehnjahresplan umsetzen. Wunderbar! Ein 80-jähriger, der einen Zehnjahresplan umsetzen soll. Das gefällt mir, weil da ein schon fast frecher Optimismus drinsteckt, der davon ausgeht, dass der gute Mann 90 Jahre alt wird. Dass er arbeitsfähig und klar im Kopf bleiben wird. Das gefällt mir auch, weil César Luis Menotti ein Mann ist, dem ich das zutraue. 

Fußballfans werden sich vielleicht noch an ihn erinnern. Ein intellektueller Lebemann, der die Argentinier 1978 zum Weltmeistertitel geführt hat und dabei einen begeisternden Fußball spielen ließ. Ohne sich von der damaligen Militärjunta vereinnahmen zu lassen. Zum Beispiel durch Sätze wie: „Meine Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt“. Vor allem aber gefällt mir die Geschichte vom 80-jährigen mit dem Zehnjahresplan, weil hier einem alten Menschen etwas zugetraut wird. Wenn ich unsere Gesellschaft so anschaue, die so gnadenlos von der Wirtschaft dominiert wird und in der ein 50-jähriger schon fast als nicht mehr vermittelbar gilt. Das ändert sich zwar so nach und nach, aber nicht etwa, weil man ältere Menschen mehr schätzen würde. Nein, sondern weil es immer weniger Jüngere in der Arbeitswelt geben wird und immer mehr ältere Menschen. Und das ganz besonders dann, wenn bald die Generation der Babyboomer in Rente geht. Und so führt die pure demographische Not dann zur Tugend, die Alten wieder zu schätzen. Ihre Lebenserfahrung, ihre größere Gelassenheit, ihren Blick auf das Wesentliche. Und bei Menotti zeigt sich das zum Beispiel darin, dass er, als er noch Trainer war, seine Spieler bei der Teambesprechung vor dem Spiel nicht nur über den Gegner informiert hat, sondern ihnen viel länger erzählt hat wie gut sie selbst eigentlich sind. Oder wenn er beim Training auch nach der Frau und den Kindern eines Spielers gefragt hat. Eigentlich ganz normale zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die im durchkommerzialisierten Fußball eine Seltenheit geworden sind. Oder mit den Worten Menottis ausgedrückt: „Wer nur etwas von Fußball versteht, der versteht nicht mal was von Fußball.“ Ein Segen, wenn einem 80jährigen wie diesem junge Menschen anvertraut werden.   

Zitate entnommen aus dem Internet:
https://www.welt.de/sport/fussball/plus183212504/Cesar-Luis-Menotti-Wenn-man-aelter-wird-geht-die-Weisheit-zum-Teufel.html https://gutezitate.com/autor/c%C3%A9sar-luis-menotti

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 04.05.2019 gesendet.


Über den Autor Peter Kottlorz

Dr. Peter Kottlorz ist Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk. Seit vielen Jahren macht er Radiosendungen in den Programmen des SWR sowie Fernsehsendungen. Er ist Jahrgang 1957, verheiratet, hat 3 Kinder und 4 Enkelkinder und wohnt  in Rottenburg am Neckar.

Kontakt
pkottlorz@drs.de

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