Wort zum Tage, 29.04.2019

Dr. Peter Kottlorz aus Stuttgart-Degerloch

Entwicklung

Das Leben ist Entwicklung, von der Wiege bis zur Bahre. Wie ich darauf komme? Je älter ich werde, desto klarer wird mir wie kostbar, ja heilig die Entwicklung eines Menschen ist. Aber auch wie schwierig und oft auch schmerzhaft. Und dass es zum Menschsein gehört, mit den Konflikten umzugehen, die zu unserer Entwicklung gehören. Und dabei einander zu helfen, vom Anfang des Lebens bis zum Ende. 

Allein schon in den ersten beiden Lebensjahren entwickelt sich der Mensch so stark, wie in seinem ganzen restlichen Leben nicht. Aber mit welchen Kämpfen, Krämpfen und Krisen! Wenn ich nur an die vielen Stürze oder die Trotzattacken von Kleinkindern denke. Dann in der Schule, die so wichtig ist für die geistige und soziale Entwicklung, aber eben auch anstrengend und nervig mit all der nötigen Disziplin. Ganz zu schweigen von der Pubertät, in der die Welt Kopf zu stehen scheint, für die Heranwachsenden, wie auch für ihre Eltern. Und zu der Konflikte und Abgrenzungen gehören, wie die Nacht zum Tag. Dann die Ausbildung oder das Studium, extrem wichtig und prägend, aber oft auch so schwierig bis der richtige Weg gefunden ist. Anschließend Beruf und oder Familie mit allem Stress, den unsere Gesellschaft den jungen Menschen in dieser Lebensphase abverlangt. Und dann nach Jahrzehnten im Berufs- oder Familienleben, die vergangen sind wie im Flug, scheinbar plötzlich der Ruhestand. In den man sich heutzutage auch hinein entwickeln muss, weil er eine lange, neue Lebensphase geworden ist. Zu der dann irgendwann auch die Entwicklung hin zum Sterben gehört.

Ich denke, ja ich hoffe, dass diese letzte Entwicklung leichter geht, wenn ich all die vorherigen so gut wie möglich leben konnte. Das heißt: wenn ich Krisen und Konflikte durchstehen konnte, Brüche und Ungelebtes, nicht Erreichtes aushalten und letztlich akzeptieren konnte. Akzeptieren, dass es zu meinem Leben gehört, trotz aller Entwicklung Unfertiges zu haben, unfertig zu sein. Und darauf zu hoffen, dass die Welt, in die ich hineinsterbe, eine Welt ist, in der ich dann ganz und ganz so bin, wie Gott mich gewollt hat. Davor aber gilt es diesem Idealzustand so nah wie möglich zu kommen. Das heißt Entwicklung, kostbare, ja heilige menschliche Entwicklung. Die jede und jeder ganz für sich alleine machen muss, aber auch niemand ganz alleine machen kann. Und für die wir einander so nötig, wie wundervoll brauchen.

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 29.04.2019 gesendet.


Über den Autor Peter Kottlorz

Dr. Peter Kottlorz ist Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk. Seit vielen Jahren macht er Radiosendungen in den Programmen des SWR sowie Fernsehsendungen. Er ist Jahrgang 1957, verheiratet, hat 3 Kinder und 4 Enkelkinder und wohnt  in Rottenburg am Neckar.

Kontakt
pkottlorz@drs.de

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