Feiertag, 28.04.2019

von Dr. Michael Kinnen aus Mainz

"Im Feldlazarett Gottes" Der Papst und die neue Kultur der Barmherzigkeit

Der erste Sonntag nach Ostern wird in der Katholischen Kirche als Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit begangen. Das Wort Barmherzigkeit könnte als große Überschrift über dme Pontifikat von Papst Franziskus stehen. Immer wieder spricht er diese christliche Tugend an – doch was genau meint er damit?

„In diesen Tagen hatte ich die Gelegenheit, das Buch eines Kardinals - Kardinal Kaspers, eines Theologen, der sehr tüchtig ist, eines guten Theologen - über die Barmherzigkeit zu lesen. Und jenes Buch hat mir sehr gut getan, doch glaubt jetzt nicht, dass ich Werbung für die Bücher meiner Kardinäle mache! Dem ist nicht so! Doch es hat mir so gut, so gut getan. Kardinal Kasper sagte, dass von der Barmherzigkeit zu hören, dass dieses Wort alles ändert. Es ist das Beste, was wir hören können: es ändert die Welt.“ (Papst Franziskus, 17.3.2013) (1)

Es war das erste öffentliche Mittagsgebet auf dem Petersplatz, das Angelusgebet am 17. März 2013, wenige Tage nach seiner Wahl. Da hat Papst Franziskus – entgegen aller sonstigen päpstlichen Gepflogenheiten – ein Buch empfohlen: Es ging ihm, wie er sagt, nicht um die Werbung für den Autor, sondern um das Thema: die Barmherzigkeit. Seitdem zieht sich dieses Thema „Barmherzigkeit“ durch sein gesamtes Pontifikat. In der katholischen Kirche gibt es seit einigen Jahren einen eigenen Gedenktag, den so genannten „Barmherzigkeitssonntag“. Der ist immer am Sonntag nach Ostern. Also heute. Ein Grund mehr, dieses Schlüsselwort im Denken und Handeln von Papst Franziskus heute einmal genauer anzusehen. 

Barmherzigkeit - was ist das eigentlich?

Es klingt gut. Es klingt christlich. Dabei haben Christen keineswegs das Monopol auf Barmherzigkeit. Auch andere Religionen sehen in ihr einen Kern des Glaubens. Das verbindet die Religionen. Barmherzigkeit, das ist wohl etwas Ur-Menschliches, zumindest die Sehnsucht danach. Der vom Papst so geschätzte Kardinal Walter Kasper schreibt in seinem Buch zur Barmherzigkeit, die im lateinischen „misericordia“ heißt: 

„Augustinus und später Thomas von Aquin deuteten das Wort 'misericordia' in seinem sprachlichen Sinn: das Herz – cor – bei den miseri – den im weitesten Sinn des Wortes verstandenen Armen und Elenden – zu haben.“ (2)

Vielleicht ist das die kürzeste Definition von Barmherzigkeit: das Herz bei den Armen, den in vielfacher Hinsicht Bedürftigen zu haben. Und „bedürftig sein“ ist keine Frage des Kontostandes. Was es aber konkret bedeutet, barmherzig zu sein, hat viel mehr Facetten. Eine davon ist in der Bibel grundgelegt. Da ist die Rede vom Barmherzigen Samariter, der sich um den am Wegesrand liegenden Ausgeraubten kümmert wie kein anderer. Bekannt ist auch die biblische Geschichte vom Barmherzigen Vater, der den „verlorenen Sohn“ froh wieder aufnimmt, als der in Reue zu ihm zurückkommt, nachdem er merkt, was er angerichtet hat. 

„Barmherzigkeit ist der Name Gottes“

Für Papst Franziskus ist die Barmherzigkeit zum Schlüsselwort der Frohen Botschaft, des Evangeliums, geworden. Und zur Zeitansage für die Kirche heute. Er ist nicht der erste Papst, der das betont. Auch seine Vorgänger haben darauf Bezug genommen, Rundschreiben verfasst, gepredigt. Aber von kaum einem Papst vor ihm ist die Barmherzigkeit so zentral in den Blick gerückt worden, wie von Papst Franziskus. Auf allen Kanälen. Sogar im Kurznachrichtendienst Twitter schreibt er dazu: 

„Die Kirche sei immer ein Ort der Barmherzigkeit und Hoffnung, wo wir spüren, dass wir angenommen und geliebt sind und Vergebung erhalten.“ (3)

Barmherzigkeit: Etwas geben, was man nicht geben muss, weil es vorgeschrieben ist, gefordert wird oder einem anderen zusteht; sondern etwas, was man freiwillig schenkt. Geradezu göttlich. Da ist es kein Wunder, dass das erste Buch von Papst Franziskus den Titel trägt: „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit".

Der Papst ist sich wohl bewusst, dass das Wort leicht missbraucht werden kann, instrumentalisiert, abgenutzt. Es sagt sich so leicht, und doch muss es immer wieder neu durchbuchstabiert werden, was Jesus in der Bergpredigt den Zuhörern als Maxime mitgibt: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.“   

„Liebe Brüder und Schwestern, ich habe oft darüber nachgedacht, wie die Kirche ihre Sendung, Zeugin der Barmherzigkeit zu sein, deutlicher machen könnte. Es ist ein Weg, der mit einer geistlichen Umkehr beginnt; und diesen Weg müssen wir gehen. Darum habe ich entschieden, ein außerordentliches Jubiläum auszurufen, in dessen Zentrum die Barmherzigkeit Gottes steht. Es wird ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit sein.“ (4)

Franziskus lenkt die Kameras dahin, wo es weh tut

„Heilige Jahre“, „Jubiläumsjahre“, die kennt man vom sprichwörtlichen „alle Jubeljahre mal“. Es sind also sehr seltene, besondere Ereignisse. Papst Franziskus hat zu seinem dritten Amtsjahr ein „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen. Und er hat dann konkret gezeigt, was er damit meint: Er hat sich aufgemacht in Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünfte am Rande der Stadt; in Kinderkrankenhäuser, in Gefängnisse: dorthin, wo Menschen leben, die besonders auf die Barmherzigkeit angewiesen sind. Dorthin, wo es weh tut für die 'heile Welt'. Dorthin ist der Papst gegangen. Und die Medien haben ihn begleitet, mit ihren Kameras, die mehr gezeigt haben als ein inszeniertes Wohltätigkeitsevent. Der Papst hat mit seinen Besuchen bewusst den Blick der Öffentlichkeit auf die gelenkt, die sonst oft verdrängt, verschämt versteckt und vergessen werden. In einem Interview hatte er gesagt: 

„Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen Schwerverwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem anderen sprechen. Die Wunden heilen, die Wunden heilen... Man muss ganz unten anfangen.“ (5)

Er hätte dazu eine Enzyklika schreiben können, ein päpstliches Rundschreiben mit viel theologischer Wahrheit drin. Auch das kann ein probates Mittel sein, um sich mit einer wichtigen Frage zu befassen. Hier aber lebt der Papst das, was er sonst geschrieben hätte. Es zieht sich wie ein Roter Faden durch seine Amtszeit. Das reizt manche. Das irritiert. Das ruft manche zum Widerspruch und Widerstand, weil es unbequem ist. Aber hier versucht der Papst nach besten Kräften eine Botschaft auf zwei Beinen zu sein – und bietet damit also im wahrsten Sinn des Wortes einen An-Reiz, es ihm gleich zu tun und umzudenken, neu zu denken.

„Ich träume von einer Kirche als Mutter und Hirtin. Die Diener der Kirche müssen barmherzig sein, sich der Menschen annehmen, sie begleiten – wie der gute Samariter, der seinen Nächsten wäscht, reinigt, aufhebt. Das ist pures Evangelium. Gott ist größer als die Sünde. Die organisatorischen und strukturellen Reformen sind sekundär, sie kommen danach. Die erste Reform muss die der Einstellung sein.“ (6) 

2x7 Werke der Barmherzigkeit

Barmherzigkeit. Wie geht das konkret – auch in meinem Alltag? Die Bibel und die kirchliche Tradition kennen so genannte „Werke der Barmherzigkeit“. Das sind Taten, mit denen wir unseren Mitmenschen in ihren leiblichen und geistlichen Bedürfnissen zuhilfe kommen. 

Die Unwissenden lehren.

Den Zweifelnden recht raten.

Die Betrübten trösten.

Die Sünder zurechtweisen.

Die Lästigen geduldig ertragen.

Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen.

Für die Lebenden und für die Toten beten. (7) 

Das sind die so genannten sieben „geistigen Werke der Barmherzigkeit“. Und dann gibt es nochmal sieben so genannte „leiblichen Werken der Barmherzigkeit“. Dabei geht es darum, was der Körper braucht: 

Die Hungrigen speisen.

Den Dürstenden zu trinken geben.

Die Nackten bekleiden.

Die Fremden aufnehmen.

Die Kranken besuchen.

Die Gefangenen besuchen.

Die Toten begraben. (8)

Diese leiblichen Werke der Barmherzigkeit gehen auf die Rede Jesu vom endzeitlichen Gericht zurück. Auch sie haben eine innere Dimension, die über das Äußere, Sichtbare hinausgeht. Ein Beispiel: 

„Ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben“

Hier geht es um das Teilen. Aber: Wer immer nur teilt, kann der am Ende denn überhaupt noch selbst satt werden? Das Wort „satt“ kommt vom Lateinischen „satis est“ – es ist genug. Wer den Hunger – den Essenshunger und den Hunger, der sich in allerlei sonstigen Sehnsüchten und Bedürfnissen zeigt - stillen will; wer satt werden will, der kann nicht in blinder Gier immer mehr in sich hineinstopfen. Um wirklich „satt“ zu werden, muss man es im Wortsinn auch mal „genug“ sein lassen. Es geht um das Beste, nicht um das Meiste. Denn die Gier des egoistischen Immer-Mehr macht nicht satt; nur neidisch, unfrei und krank. Man wird dann zum Getriebenen der eigenen Unersättlichkeit; meint zu kurz zu kommen; dass andere einem etwas wegnehmen. Das schürt Ängste und vergiftet die Stimmung. Beispiele gibt es viele, gerade in diesen Tagen. Wenn es aber eine „Ethik des Genug“ gibt, dann macht das frei und unabhängig – „genug für alle“, „satt“ im Wortsinn.

So können die „Werke der Barmherzigkeit“ ins Heute übersetzt werden: „Hungrige speisen“, das heißt: Liebe teilt. „Hungrige speisen“ - das heißt: Leben fördern. 

„Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben“

Ist damit ein Glas Wasser gemeint? Wie viel Durst spüren wir in uns und um uns herum, der nicht mit Wasser gelöscht wird: Durst nach Leben. Durst nach Gerechtigkeit, Durst nach Liebe, Durst nach dem Wort, das eine eingetrocknete Beziehung wieder aufleben lässt. Durst nach Trost in den Schicksalsschlägen des Lebens. Wie eingetrocknet ist der Alltag oft! Der gleiche Trott im Beruf. Die gleichen Sorgen in der Familie. Die unbeantworteten Sehnsüchte. Was ist da alles abgestanden, und - im Bild gesprochen - nicht genährt von der Quelle, der Lust am Leben. In der Bibel heißt es von Gott: Wer durstig ist, soll kommen, wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. Wasser des Lebens... - Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit: Das sind solche Quellen, aus denen „Wasser des Lebens“ fließt. Eigentlich unerschöpflich. So können die biblischen „Werke der Barmherzigkeit“ ins Heute übersetzt werden: „Den Dürstenden zu trinken geben“, das heißt: Liebe gibt. „zu trinken geben“ - das heißt: Lebendigkeit ermöglichen. 

"Ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben“

Wo findet man heute Nackte oder spärlich Bekleidete? In Kirchen und Museen gibt es im Sommer immer wieder Aufpasser, damit nicht zu viel nackte Haut gezeigt wird. Die müssen sich dann ein Tuch über die Schultern oder um die Hüften legen. Aber das sind nicht die Nackten, die wirklich Kleidung bräuchten. Wer diese nackte Haut meint, der bleibt oberflächlich, wird nicht selten moralisch und überhebt sich damit über andere. Barmherzigkeit? Eher Fehlanzeige. Aber: Nackte bekleiden, wie sie das biblische Werk der Barmherzigkeit meint, sieht nicht nur die Oberfläche; Barmherzigkeit, wie sie die Bibel meint, geht unter die Haut; interessiert sich für den ganzen Menschen. Gibt ihm wortwörtlich: Ansehen. Wer im biblischen Sinn „Nackte bekleidet“, der gibt denen Ansehen zurück, deren Würde aus Armut bedroht wird; die unterdrückt werden oder denen wegen der engen Vorstellungen anderer nicht die gleiche Würde zugestanden wird. Nackte bekleiden, das meint mehr als ein Stück Stoff, das sich über die Schultern oder die Knie oder den Kopf legt. Nackte bekleiden, das bedeutet Anteil geben am Leben der Gemeinschaft. Das bedeutet, dass jemand dazugehört. So können die biblischen „Werke der Barmherzigkeit“ ins Heute übersetzt werden: „Nackte bekleiden“ - das heißt: Liebe hilft. „Nackte bekleiden“ - das heißt: Leben entdecken.

Barmherzigkeit hat also viele Gesichter. Immer geht es darum, dass die Liebe der Maßstab, das Leben das Ziel ist: Ein Leben in Fülle. 

Erbarmen. Barmherzigkeit. Das klingt gut. Das ist eine schöne Lebensmaxime. „Gott vergibt immer“. Gott ist immer barmherzig, sagt der Papst. Aber irgendwie klingt das auch manchmal naiv. Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn Gott immer vergibt? Kann ich dann machen, was ich will? Dann ist mir die Vergebung ja ohnehin gewiss. Und ich habe fast einen Anspruch darauf. Das wäre wohl ein Missverständnis. Im Mittelalter hat Thomas von Aquin zusammengefasst:

„Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit; Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter der Auflösung.“ (9) 

Barmherzigkeit – und beim Thema Missbrauch?

Was ist, wenn wir da heute etwa an den Missbrauch in der Kirche denken? Wenn Täter ohne Reue einfach weitermachen? Wenn sie abwiegeln, von ihren Oberen und ihrem Umfeld oft genug gedeckt? Wenn sie ohne Einsicht und Umkehr sich auf der sicheren Seite wähnen? Kann sich auch so jemand auf die Barmherzigkeit Gottes berufen? Das wäre ein Hohn für die Betroffenen! Da gehört noch mehr dazu als ein Barmherzigkeits-Automatismus, der geradezu absurd wirkt. Barmherzigkeit ist keine billige Gnade im Selbstbedienungsladen! Dazu gehört mehr, sagt auch der Papst: 

„Wir können uns ganz fest Gottes Barmherzigkeit anvertrauen, ohne sie jedoch zu missbrauchen. Wir dürfen die geistliche Trägheit nicht rechtfertigen, sondern müssen uns vermehrt engagieren, um umgehend mit aufrichtigem Herzen dieser Barmherzigkeit zu entsprechen.“ (10)

Die Barmherzigkeit ist ein Angebot Gottes, das immer gilt. Aber wir müssen es auch annehmen. Das geht nicht einfach mit drei Ave Maria und einem Vaterunser nach der Beichte. Es kommt auf die Haltung an. Das ist oft schwerer als gedacht. In einem Interviewbuch mit dem Jesuitenpater Antonio Spadaro erklärte der Papst schon kurz nach seinem Amtsantritt: 

„Die Kirche hat sich manchmal in kleine Dinge einschließen lassen, in kleine Vorschriften. Die wichtigste Sache ist aber die erste Botschaft: 'Jesus Christus hat dich gerettet.' Die Diener der Kirche müssen vor allem Diener der Barmherzigkeit sein. Der Beichtvater – zum Beispiel – ist immer in Gefahr, zu streng oder zu lax zu sein. Keiner von beiden ist barmherzig, denn keiner nimmt sich wirklich des Menschen an. Der Rigorist wäscht sich die Hände, denn er beschränkt sich auf das Gebot. Der Laxe wäscht sich die Hände, indem er einfach sagt: 'Das ist keine Sünde' – oder so ähnlich. Die Menschen müssen begleitet werden, die Wunden geheilt.“ (11)

Die beste Medizin 

Im Feldlazarett Gottes ist Barmherzigkeit die beste Medizin für diese Wunden. Solche Medizin betäubt nicht. Im Gegenteil: sie hält wach für das, was um mich herum passiert. Und: Sie heilt, wenn die Wunden vorher gereinigt wurden – mit Einsicht, Umkehr, Reue und dem festen Willen, es künftig besser zu machen. Dann aber ist sie eine bewährte Medizin für eine Heilung mit besten Prognosen.

Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 den Sonntag nach Ostern zum „Barmherzigkeitssonntag“ erklärte, war das, als er die polnische Mystikerin Faustina Kowalska heilig sprach. Sie war Schwester im Orden der „Muttergottes der Barmherzigkeit“, starb mit nur 33 Jahren an Tuberkulose und hat diese Gedanken zur Barmherzigkeit in Form eines Gebetes hinterlassen:

Hilf mir, Herr, dass meine Augen barmherzig sind, damit ich niemand nach äußerlichem Anschein verdächtige und richte, sondern wahrnehme, was schön ist in den Seelen meiner Nächsten, und ihnen zu Hilfe komme.

Hilf mir, dass mein Gehör barmherzig wird, damit ich mich den Bedürfnissen meiner Nächsten zuneige, dass meine Ohren nicht gleichgültig bleiben für Leid und Klage der Nächsten.

Hilf mir, Herr, dass meine Zunge barmherzig wird, dass ich niemals über meinen Nächsten abfällig rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe.

Hilf mir, dass mein Herz barmherzig ist, auf dass ich alle Leiden der Nächsten empfinde, dass ich niemandem mein Herz versage, aufrichtigen Umgang auch mit denen pflege, von denen ich weiß, dass sie meine Gefühle missbrauchen werden; (...) Deine Barmherzigkeit, o mein Gott, soll in mir ausruhen. (...) (12) 

Auch wenn die Sprache etwas antiquiert wirkt: Ist das nicht eine schöne Perspektive für den heutigen Barmherzigkeitssonntag? Ruhe zu finden, Ruhe zu schenken. Und doch wach zu bleiben für die Menschen um mich herum. Mit vollem Einsatz und ganzer Kraft. Mit weitem Herzen. Mit Gottes Hilfe.

 

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.

Zitate:
(1) vgl. Internetseite: https://w2.vatican.va/content/francesco/de/angelus/2013/documents/papa-francesco_angelus_20130317.html
(2) Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens, Freiburg i.Br. 2012 – hier: 5. Auflage 2015, 31.
(3) Twitter-Botschaft von @pontifex_de, 16. Juni 2013: https://twitter.com/Pontifex_de/status/346209446025895937
(4) Predigt in der Bußandacht zum 4. Fastensonntag – 13. März 2015 – vgl. Internetseite: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2015/documents/papa-francesco_20150313_omelia-liturgia-penitenziale.html
(5) Antonio Spadaro SJ, Das Interview mit Papst Franziskus, Freiburg i.Br. 2013, 47f.
(6) ebd., 48.
(7) Zitiert nach Katechismus-Kompendium: http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html
(8) ebd.
(9) Thomas von Aquin, Kommentar zum Matthäus-Evangelium. Matthäus 5,2
(10) vgl. Internetseite: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/angelus/2019/documents/papa-francesco_angelus_20190324.html
(11) Antonio Spadaro SJ, Das Interview mit Papst Franziskus, Freiburg i.Br. 2013, 48.
(12) 1937, aus dem Tagebuch der Schwester Maria Faustina Kowalska, Parvis 1990, 80f., zitiert nach: https://www.barmherzigkeitsjahr.de/faustyna-kowalska/

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 28.04.2019 gesendet.


Über den Autor Dr. Michael Kinnen

Dr. Michael Kinnen, geboren 1977 in Saarbrücken, studierte Theologie in Trier (Diplom), Frankfurt und Mainz. Er absolvierte die studienbegleitende Journalistenausbildung am ifp in München und ist seit 1998 im Hörfunk für den Schwerpunkt "Kirche im Radio" unterwegs. 2001 arbeitete er als Redakteur der Privatfunkredaktion im Bistum Mainz und von 2003-2008 als Persönlicher Referent des Bischofs von Mainz. Nach sieben Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums und als PR-Berater (AKOMM) und einer Zeit als Persönlicher Referent des Generalvikars im Bistum Mainz arbeitet Kinnen derzeit im Strategiebereich Kommunikation und Medien des Bistums Trier als Online-Redakteur. Er promovierte zum Dr. phil. an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt mit einer Arbeit zum Thema „Gott in Einsdreißig – Fides et Radio" zum Verkündigungsauftrag der Katholischen Kirche im Privatfunk. Michael Kinnen ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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