Morgenandacht, 08.05.2019

von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ aus Hildesheim

Herr, sende, wen du willst

Am Samstag haben wir in Hannover die Woche für das Leben 2019 eröffnet. Das diesjährige Motto lautet: „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“. Die Woche für das Leben ist seit 25 Jahren eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit der sich die beiden Kirchen für den Schutz des menschlichen Lebens engagieren. Es geht in diesen Tagen darum, sensibel zu machen für Kinder, Frauen und Männer, die nicht mehr weiterwissen. Für die aufmerksame Menschen - etwa in der Telefonseelsorge - zum Rettungsanker werden können. Weil sie sich der Situation stellen, die sie sehen oder von der sie hören. Sie zaudern und zögern nicht.

Dabei gehört das eigentlich zur Tradition: zaudern und zögern. Schon bei Mose ist das so. Als er von Gott den Auftrag bekommt, zum Pharao zu gehen und das Volk Gottes aus Ägypten zu führen, zaudert er. „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und die Israeliten aus Ägypten herausführe?“ Mose ist ängstlich. Gott lässt das nicht gelten und versucht, Mose zu beruhigen: „Ich werde mit dir sein. Und dies soll dir als Zeichen dienen, dass ich es bin, der dich sendet: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr mich, euren Gott, auf diesem Berg verehren.“ Mose zeigt sich jetzt bereitwilliger, fragt aber erneut nach: „Wenn ich zu den Israeliten komme und ihnen sage: der Gott euerer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen: Wie lautet sein Name?, was soll ich ihnen antworten?“ Da erwidert Gott: „Ich bin der Ich-bin!“ So sollst du zu den Israeliten sprechen: „Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. Der Herr, der Gott euerer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt.“

Damit ist alles gesagt. Keine Widerrede? Von wegen. Nicht mit Mose! Worte allein will er seinem Volk nicht mitbringen. Er weiß, es will Zeichen sehen, verlangt Beweise für die Begegnung mit Gott. Und Gott gibt Mose drei Zeichen, mit denen er Gott vor dem Volk bezeugen kann: Die Hand Moses kann seinen Stab, der vor den Augen des Volkes zur Schlange wird, wieder zum Stab machen. Seine Hand, die von Aussatz weiß wird, wird wieder geheilt, wenn Mose sie für einen Moment in sein Gewand steckt. Und das Wasser aus dem Nil, das er auf den Boden gießt, es wird zu Blut.

Doch Mose zögert immer noch und sagt zu Gott: „Ach, Herr, ich bin kein Mann des Wortes. Unbeholfen sind mein Mund und meine Zunge.“ Da erwidert ihm Gott: „Wer hat dem Menschen einen Mund gegeben? Wer macht stumm oder taub? Bin nicht ich es, der Herr? Geh nun, ich werde mit deinem Mund sein und dich lehren, was du reden sollst.“ Mose aber entgegnet Gott: „Ach, Herr, sende, wen du willst!“

Zum Glück bleibt Gott hartnäckig… bis heute. Er gibt Menschen den Mut hinzuschauen und zuzuhören, sich der Not anderer auszusetzen. Da zu sein, wenn eine stützende Hand gebraucht wird, ein verworrenes Lebensknäuel zu entwirren ist. Betroffene sind damit oftmals völlig überfordert. Und da ist es gut, wenn andere hinschauen und mit anpacken. Zuhören oder Hilfe holen, damit Kinder, Frauen und Männer dem Leben wieder trauen.

Ich glaube, Gott ist ein Freund des Lebens, der sich freut, wenn Menschen es annehmen und es gelingt.

Die redaktionelle Verantwortung hat Dr. Silvia Becker.


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Dieser Beitrag wurde am 08.05.2019 gesendet.





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