Morgenandacht, 07.05.2019

von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ aus Hildesheim

Brennen - aber wofür?

Feuer zerstört. Das Feuer, das Mose am Gottesberg Horeb sieht, ist anders. In diesem Feuer, in einem brennenden Dornbusch,  begegnet ihm Gott. Das Feuer verbrennt den Dornbusch nicht. Gott selbst ist das Feuer, er lässt keine Asche zurück. Gott ist das Feuer, das sich für den Menschen verzehrt. Er ist in der Lage, den Menschen zu entflammen, das Feuer in ihm lodern zu lassen. Er weckt in ihm eine Flamme, die hell und hoch lodert, die ein Abglanz des ewigen Feuers ist. Gott steckt Menschen in Brand, verbrennt sie aber nicht. Gott will nicht den Burnout des Menschen, sondern sein helles Feuer, das nicht zu übersehen ist. Gott will, dass wir brennen

Wofür brennst du? Das ist eine zentrale Frage des Lebens, kurz und knapp. Als Schulkind In der vierten Klasse hatte ich schon eine Antwort darauf. Ich wollte Priester werden. Ich bin im Emsland aufgewachsen, wo der Pfarrer eine Autorität war. Priester, ja, das konnte ich mir vorstellen. Aber ob ich dafür brannte?

Ein paar Jahre später klärte sich diese Frage. Da brannte ich. Angesteckt hatte mich ein Missionar, der zu uns an die Schule gekommen war. Er hatte von seiner Arbeit im Kongo erzählt. Und ich war Feuer und Flamme, sah mich schon als Priester und Bauer in Afrika. Ich würde Kinder taufen, Brunnen bohren und Rinder züchten. Ich begann meine Schulkarriere danach auszurichten. Weil ich wusste, dass man für ein Theologiestudium Latein und Griechisch benötigte, wählte ich Englisch ab und konzentrierte mich stattdessen auf Griechisch. Ich war damals kein Eigenbrötler, ging in Discos, fuhr Moped. Doch die Idee, als Missionar zu arbeiten, war unheimlich stark.

Einige Jahre später war ich dann zwar nicht Missionar, aber Ordensmann bei den Herz-Jesu-Priestern. Ich wollte in Gemeinschaft leben, im Alltag kein Single sein. Deshalb entschied ich mich relativ schnell dafür, ein Leben als Ordensmann zu führen. Nicht zurückgezogen als Benediktiner oder Zisterzienser, sondern im täglichen Kontakt mit Menschen. Doch dann bekam ich ein Buch in die Hände, das mich erschütterte: „Ein anderes Leben – was ein Mönch erfährt“. Ich las es mehrmals und war völlig fertig. Ich hielt es nicht mehr aus und flüchtete ein paar Mal in ein Trappisten-Kloster. In dieser Zeit hatte ich eines Nachts einen besonderen Traum. Er war so etwas wie meine Berufung in der Berufung. Ich träumte, ich sei bei den Trappisten eingetreten. Auf einmal hämmert es jedoch in mir: Mein Gott, ich bin jetzt hier. Wenn ich bei den Trappisten eintrete, bedeutet das: ich komme nie wieder zurück nach Hause. Ich sehe meine Eltern und meine Geschwister nie wieder. Und: ich kann meine Erfahrungen als Ordensmann mit niemandem draußen teilen.“ Dann bin ich schweißgebadet aufgewacht und sah mich um. Ich war in meinem Zimmer bei den Herz-Jesu-Priestern. Und von diesem Traum an hatte ich das Gefühl: Du bist auf dem richtigen Weg! Du brennst für die richtige Sache.

Als Mose Gott am Dornbusch begegnet, schickt der ihn mit einer klaren Ansage weiter: „So, geh nun! Ich will dich zum Pharao senden. Führ mein Volk aus Ägypten heraus!“ (Ex 3,10) Das klingt wie: Brenn für die Menschen, sei für sie da. Aber vergiss nicht: Es ist nicht dein Projekt. Es geht nicht um deinen Ruhm. Das Feuer, das jetzt in Mose brennt, das ist Gottes Wunsch, in seinem Volk den Hunger nach Freiheit zu wecken und es in die Freiheit zu führen.

Die redaktionelle Verantwortung hat Dr. Silvia Becker.


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Dieser Beitrag wurde am 07.05.2019 gesendet.





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