Spurensuche, 06.04.2019

von Dr. Ute Stenert aus Bonn

Gottes Wort geht ins Ohr

Ein Radiosender für ethnische und religiöse Minderheiten in Asien und das bereits seit 50 Jahren: Ute Stenert von der katholischen Kirche über Radio Veritas Asia, kurz RVA, das viel Unterstützung aus Deutschland erfährt.

Bei Radio Veritas Asia (RVA) mit Sitz in Quezon auf den Philippinen steht ein goldenes Jubiläum an: Der Sender nahm am 11. April 1969 seinen Sendebetrieb auf. Zahlreiche Bischöfe, Würdenträger und Kommunikationsexperten werden auf Einladung der Asiatischen Bischofskonferenz zu den Feierlichkeiten erwartet. Unter ihnen ist auch Stephan Burger, Erzbischof des Erzbistums Freiburg, der im Rahmen einer Informationsreise mit dem Hilfswerk Misereor an den Feierlichkeiten teilnimmt.

Gegründet wurde RVA von der katholischen Kirche Asiens für Evangelisierungs-, Sozial- und Entwicklungsaufgaben. Dazu gehört auch die Versorgung ethnischer und religiöser Minderheiten mit religiösen und pastoralen Programmen in ihren eigenen Sprachen. Die Sendungen sollen auch zur Friedensbildung und zum interreligiösen Dialog beitragen. RVA unterhält Redaktionsteams in 14 lokalen Sprachen, die sich auf Zielgruppen in 20 asiatischen Ländern ausrichten – von Bengali über Mandarin und Urdu bis Zomi-Chin. Auf dem Programm stehen 58 Prozent religiöse und 30 Prozent soziokulturelle Themen sowie zwölf Prozent Nachrichten und Bildung.

Eine Idee von Papst Pius XII.

RVA geht zurück auf eine Idee von Papst Pius XII. Er sah im Radio ein großes Potenzial für die Verkündigung, insbesondere auf einem Kontinent mit großen Pfarreien. Bei einer Konferenz der asiatischen Bischöfe im Jahr 1958 wurde die Umsetzung der päpstlichen Anregung beschlossen. Doch es verging noch eine ganze Weile, bis das Vorhaben umgesetzt wurde. Gesucht wurden vor allem Geldgeber, auch international, die die Idee unterstützten. Einer von ihnen war Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er bewirkte, dass über die bundesdeutsche Entwicklungshilfe ein Großteil der Kosten gedeckt werden konnte. Unterstützung gab es in den Anfangsjahren auch von der Deutschen Welle. Sie brachte ihre Expertise bei der Planung der technischen Infrastruktur ein.

Ein Mittelwellensender mit 50 Kilowatt wurde für ein Inlandsprogramm installiert. Hinzu kamen zwei Kurzwellensender mit jeweils 100 Kilowatt für internationale Programme. Mit diesen Sendern wurde Pionierarbeit geleistet. Zwei Jahre vor der offiziellen Einweihung gab es erste Sendeversuche. Reibungslos verlief die weitere Entwicklung keineswegs. Vor allem die fragile wirtschaftliche Situation bereitete den Betreibern immer wieder Sorgen. So wurde in den Jahren 1972 und 1973 der Sendebetrieb über Kurzwelle wegen Finanzproblemen zeitweise eingestellt. Doch allen anfänglichen Schwierigkeiten zum Trotz, begann danach ein stetiger Ausbau. Ende der 70er Jahre wurden bereits Programme in elf Sprachen ausgestrahlt.

Finanzierungshilfe aus Deutschland

Es war vor allem die katholische Kirche in Deutschland, die neben dem Heiligen Stuhl bei der Gründung, Finanzierung und Entwicklung des Senders eine Schlüsselrolle spielte. RAV erhält bis heute neben der finanziellen Hilfe aus Rom vor allem Mittel vom Verband der Diözesen Deutschlands, aber er wird auch durch das Erzbistum Köln, Kirche in Not sowie durch das Kindermissionswerk unterstützt. CAMECO (Catholic Media Council mit Sitz in Aachen) sowie BEGECA (Beschaffungsgesellschaft für kirchliche, caritative und soziale Einrichtungen) stehen beratend zur Seite. Die genannten Organisationen entsenden wie auch das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz je einen Vertreter in den Beirat von RVA. Dieser trifft sich einmal jährlich in Deutschland, um das weitere Engagement und die Unterstützung für das Management des Senders abzustimmen. Dazu gehört auch die zukünftige Ausrichtung des Senders. Vor allem soll das Programmangebot dem modernen Nutzungsverhalten angepasst werden.

Bei der RVA-Generalversammlung 2015 wurde der Grundsatzbeschluss gefasst, den Kurzwellenbetrieb, der in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, bis zum Jubiläum im Jahr 2019 abzuschalten. Das bereits bestehende Online-Angebot sollte in den folgenden drei Jahren erweitert werden, bis der Sender gänzlich zu einem Online-Medium wird. Dieses Ziel ist bereits erreicht: Am 30. Juni 2018 endete die Ausstrahlung über Kurzwelle.

Der Ausbau und die weitere Entwicklung der ursprünglichen Radioplattform zu einer digitalen Abspielfläche mit audiovisuellen Beiträgen und Bewegtbild-Inhalten sind bereits bemerkenswert. Und die Anpassungen an die modernen Mediennutzungsgewohnheiten gehen weiter. Auch wenn in den kommenden Jahren noch zahlreiche Veränderungsprozesse anstehen – der Grundauftrag bleibt bestehen: es geht um die mediale Verkündigung, mindestens auch in den nächsten 50 Jahren.  

 

Redaktionelle Verantwortung: Martin Korden, Katholischer Hörfunkbeauftragter, und Alfred Herrmann


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Dieser Beitrag wurde am 06.04.2019 gesendet.


Über die Autorin Ute Stenert

Dr. Ute Stenert, Jahrgang 1971, ist Geschäftsführerin der katholischen Rundfunkarbeit und Leiterin des Referats Rundfunk und Medienethik im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Als freie Autorin ist sie zudem für unterschiedliche Medien tätig.

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