Wort zum Tage, 08.03.2019

Juliane Bittner aus Berlin

Zum Weltfrauentag

Das Rotlicht der Kameras im Fernsehstudio leuchtet, die Zuschauer klatschen. Unter den Klängen von „Jesus Christ Superstar“ betritt eine attraktive dunkelhaarige Frau das Studio. „Begrüßen Sie mit mir Maria von Magdala“, ruft der Moderator und stellt sie vor: „Maria von Magdala gehört zu den aufregendsten Frauen um Jesus von Nazaret. Sie begleitete ihn und hielt ihm die Treue, sogar bis zu seinem Tod am Kreuz. Über das Leben der Maria aus dem Dorf Magdala am See Genezareth ist in der Bibel nur wenig zu lesen. Dafür machen immer wieder Gerüchte die Runde. Maria Magdalena - ich darf Sie doch so nennen -, wer sind Sie wirklich?“

 

Die Frau lächelt amüsiert: „Ich weiß, ich rege die Phantasie an, besonders die der Männer. Weil mich die Legende als Hure darstellt. In der Bibel steht davon nichts. Aber das ist nicht wichtig. Was stimmt und mir wichtig ist: Ja, Jesus von Nazareth ist die Liebe meines Lebens.“

Der Moderator ist verunsichert. Eine Frau mit solch souveräner Ausstrahlung nach einer Affäre mit diesem Jesus zu fragen, scheint ihm doch zu plump. „Wie haben Sie den Mann kennengelernt?“, fragt er lieber. Und Maria Magdalena erzählt: „Ich litt jahrelang unter Dämonen. Sie nennen das vermutlich Depression oder Lebensangst. Dann traf ich Jesus. Er befreite mich von dieser Qual. Ich war natürlich überglücklich und blieb in seiner Nähe. Und: Ich glaube ihm.“

Der Moderator hakt nach: „Sie glauben also, dass er - Gott ist?“ Maria Magdalena schaut in die Zuschauerreihen, als wolle sie um Stille bitten, als brauche ihre Antwort eine besondere Atmosphäre:

„Ja, ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist. Er wurde gekreuzigt, ist gestorben und wurde begraben. Wenige Tage nach dem Begräbnis kauerte ich an seinem Grab und weinte, ich vermisste ihn so sehr. In seiner Nähe hatte mein Leben Sinn, mit ihm konnte ich reden und lachen und träumen. Nun waren alle Träume zerstört. Blind vor Tränen nahm ich flüchtig wahr, dass sich jemand näherte, wohl der Friedhofsgärtner, dachte ich. Doch da hörte ich ihn meinen Namen sagen, so, wie nur Jesus mich angesprochen hat. Sein behutsames und zärtliches ‚Maria‘ löste die Schleier von meinen Augen: Jesus ist nicht tot, er lebt! Er ist der Sohn Gottes.

Davon berichte ich. Ob gelegen oder ungelegen. Und heute eben hier im Studio.“

 

 


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Dieser Beitrag wurde am 08.03.2019 gesendet.


Über die Autorin Juliane Bittner

Juliane Bittner, 1951 in Leipzig geboren, studierte in Ost-Berlin Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Diplom-Ökonom im staatlichen wie im konfessionellen Gesundheitswesen. Parallel dazu war sie als Autorin und Lektorin für den katholischen St.-Benno-Verlag Leipzig sowie als "DDR-Korrespondentin" für die deutschsprachige Sektion von Radio Vatikan tätig. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist sie Journalistin und Medienseelsorgerin im Print- und Hörfunkbereich. Inzwischen im Ruhestand, halten fünf Enkelkinder sie frisch. Kontakt
(030) 509 04 11
juliane.bittner@erzbistumberlin.de

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