Wort zum Tage, 20.02.2019

Diakon Paul Lang aus Amöneburg

Murmeltiertag

Irgendwann morgens, wenn der Radiowecker anspringt und die Stimme aus dem Radio mich weckt, dann weiß ich: Ein neuer Tag ist da. Eine neue Aufgabe; eine neue Chance!? Wer weiß, was alles kommen wird? Ob alles glatt geht? Wie oft habe ich abends schon gedacht: Wenn ich das doch nur besser gemacht hätte. Ob ich es wieder gut machen kann? Begangene Fehler belasten mein Leben.

Was wäre aber, wenn der neue Tag nicht der neue Tag wäre, sondern der gestrige? Und wenn ich die Möglichkeit hätte, heute alles besser zu machen als beim ersten Mal? Der Fernsehreporter Phil Conners erlebt diese groteske Situation: Mehr widerwillig als begeistert kommt er dem Auftrag nach, über das jährliche Wetter-Ritual einer amerikanischen Kleinstadt im Februar zu berichten. Und dann sitzt er fest. Zumindest ist das die, wie ich finde, geniale Idee eines Spielfilms. Groundhog Day – Und täglich grüßt das Murmeltier – so heißt er; 1993 in den USA erschienen. Immer und immer wieder erlebt Phil den gleichen Tag. Dieselben Menschen begegnen ihm, mit den identischen Sätzen auf den Lippen – alles genau wie am Tag zuvor. Der einzige Unterschied: Phil – und nur er allein – weiß schon im Voraus, was als nächstes passieren wird.

Und: Er kann sein Verhalten ändern. So ereignet sich zwar der gleiche Tag immer und immer wieder. Phil aber probiert aus. Irgendwann lernt er aus seinen Fehlern, reagiert anders, besser. Nach und nach, und das ist das Wunderbare an diesem Film, ändert er sich selbst. Sarkasmus und Missmut wandeln sich zu Charme und Einfühlungsvermögen. So gelingt es ihm schließlich, den Zauber zu durchbrechen, und die Zeit geht weiter.

Märchenhaft – oder nicht?!

Ich weiß, dass ich heute nicht perfekt sein werde. Wenn ich mir auch noch so viel Mühe gebe, hier und da werde ich mich von Idealen verabschieden müssen. Trotzdem wird der heutige Tag einmalig sein, er wird sich nicht wiederholen.

Ich finde es trostreich, dass ich Fehler machen darf. Auch heute. Und dass trotzdem die Zeit weiter gehen, ein neuer Tag auf den heutigen folgen wird. Sehr wahrscheinlich jedenfalls.

Was aber hindert mich, mich selbst zu ändern? Warum sollte es mir nicht wie Phil im Film gelingen, aus mir ein Stück weit mehr den Menschen zu machen, der mit Charme und Mitgefühl durch diesen Tag geht? Und wenn es nicht klappt? Ich kann ja morgen weiter machen. Und – wer weiß – ob ich nicht irgendwann erfolgreich sein werde?!

Die redaktionelle Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


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Dieser Beitrag wurde am 20.02.2019 gesendet.




Paul Lang, geboren 1963, unterrichtet als Lehrer Latein, kath. Religion und Musik. Er lebt und arbeitet in Amöneburg bei Marburg. Der promovierte Musikwissenschaftler wurde 2014 in Fulda zum Diakon geweiht. Neben seiner Tätigkeit in der Schule bedeutet das die Übernahme vielfältiger Aufgaben in der Seelsorge in der Region. In seiner Freizeit wirkt er in der Leitung von zwei Chören mit, spielt Orgel und ist gerne auf Reisen, am liebsten mit dem Rennrad.

Kontakt:
paul.lang@bistum-fulda.de

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